Zehn Jahre lang blieben sie konstant, zur Saison 2024 aber sollen die Preise steigen. Dabei liegt die Zahl der Besucher noch immer unter dem Vor-Corona-Niveau.
Wie aus der Zeit gefallen zeigt das Freilichtmuseum Beuren die ganze Vielfalt eines früher typischen Dorfes in Württemberg: 25 kulturhistorische Gebäude, die vor dem Abriss gerettet und am Fuß der Schwäbischen Alb wieder aufgebaut wurden, vermitteln den Besuchern einen Eindruck davon, wie man einst lebte – ohne Badezimmer, Fernseher, Mikrowelle und Mobiltelefon. Doch wer sich Bauern- und Taglöhnerhaus, Schreinerwerkstatt, Back- und Waschhaus, Fotoatelier, Rathaus, Scheuer und vieles mehr anschauen möchte, wird dafür künftig mehr bezahlen müssen.
Zum Saisonstart im Frühjahr 2024 werden die Eintrittspreise für das Museumsdorf erhöht. Das hat der Esslinger Kreistag in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen. Statt wie bislang sieben Euro kostet das Ticket für Erwachsene dann 8,50 Euro. Für Kinder ab sechs Jahren sowie für Auszubildende und Studenten sind 4,50 Euro zu zahlen, ein Euro mehr als jetzt. Der nur dienstags gültige Spezialtarif für Senioren ab 65 Jahren steigt von fünf auf 7,50 Euro. Familien müssen für die Tageskarte 19 statt 15 Euro berappen. Auch die Tarife für Saisonkarten und Gruppen ziehen an, ebenso die Entgelte für museumspädagogische Aktionen und Führungen.
Im vergangenen Jahr hat der Landkreis Esslingen als Träger des Freilichtmuseums rund 228 000 Euro Eintrittsgelder eingenommen. 2024 sollen es rund 75 000 Euro mehr werden – wobei die Kreisverwaltung von rund 70 000 Besuchern in der von April bis November reichenden Saison ausgeht. 2022, im ersten „normalen“ Jahr nach den coronabedingten Einschränkungen, wurde diese Marke mit 68 654 Gästen indes nicht ganz erreicht. Zuvor schwankte die Zahl der Besucher zwischen 71 000 und 78 000.
In der Museumspädagogik kann „bei leicht erhöhten Buchungszahlen“, wie der Landrat Heinz Eininger in der Beschlussvorlage darlegt, mit Mehrerträgen von rund 3800 Euro im nächsten Jahr gerechnet werden, bei den Führungen werden 2300 Euro erwartet. Im vergangenen Jahr wurden bei den 377 Aktionen mehr als 29 400 Euro erzielt, die 217 Führungen spülten nochmals knapp 6200 Euro in die Kasse.
Nach Ansicht der Kreisverwaltung ist eine Preiserhöhung gerechtfertigt – nicht nur, weil die letzte nun schon zehn Jahre zurückliegt. Zum einen verweist der Landrat auf die aktuellen Tarife der anderen sechs Freilichtmuseen in Baden-Württemberg. Im Vergleich zu ihnen liege Beuren mit seinen Preisen derzeit eher im Mittelfeld. Zum anderen betont Eininger: „Der Landkreis Esslingen hat seine Museumsangebote in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur umgesetzt.“ Beispielhaft zählt er das barrierefreie Eingangsgebäude, den Aufbau des Hauses aus Öschelbronn und des Gartensaals aus Geislingen mit dem „Erlebnis-Genuss-Zentrum“ sowie die Erweiterung der Parkplätze auf.
Weitere Projekte sind geplant: So beabsichtigt der Förderverein des Freilichtmuseums anlässlich seines 30. Geburtstages im Jahr 2024, den vorhandenen Naturspielplatz zu einem „in der Region einmaligen Themenspielplatz“ zur ländlichen Kultur umzugestalten. Zielgruppe sind Familien mit Kindern im Alter zwischen 4 und 14 Jahren. Acht Spielplatzfirmen hatte der Förderverein jüngst eingeladen, sich an einem Ideenwettbewerb zu beteiligen. Eine Jury hat sich dann für den Planungsentwurf der Stuttgarter Firma KuKuK Freiflug entschieden. Bis zu 350 000 Euro will der Förderverein investieren – und den Spielplatz nach der Fertigstellung als Sachspende an den Landkreis Esslingen übergeben.