Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Innovation ist ihr Programm. Das Team von RoboMotion programmiert und entwickelt Greifer für Roboter. Jetzt wurde es mit dem Gründerpreis der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen ausgezeichnet.

Leinfelden-EchterdingenGeografie und Landeskunde bekommt er so ganz nebenbei auch noch mit. Andreas Wolf ist Gründer und Mitinhaber von RoboMotion in Leinfelden-Echterdingen, und eines der Produkte des Unternehmens wurde nach Tasmanien geliefert – zur Verpackung von Käse. „Ich habe schon vom Tasmanischen Tiger gehört. Aber dass es dort auch einen speziellen Käse gibt, war mir neu“, erklärt der promovierte Maschinenbau-Ingenieur. Eine Neuigkeit selbst für den Meister der Innovationen, dessen ideenreiche Firma mit dem Gründerpreis 2019 der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen ausgezeichnet wurde.

Ein Gerät mit Riesenarmen, die wie Kraken tastend um sich greifen. Das ist das umgesetzte Geschäftsmodell von RoboMotion: „Wir entwickeln die Greifer und die Software von Robotern für die Verpackung von Waren der Nahrungsmittel- und Kunststoffindustrie“, erläutert Andreas Wolf. 2003, als er zusammen mit seinem Geschäftspartner Steffen Mayer das Unternehmen gründete, sei das eine absolute Neuheit gewesen: „Roboter wurden vor 16 Jahren nur in der Automobilindustrie eingesetzt, und wir wollten mit unserem Geschäftsmodell eine Lücke schließen.“ Die Idee ging auf. Der Personalstand konnte auf aktuell 30 Mitarbeitende aufgestockt werden, den jährlichen Umsatz beziffert der Mitinhaber mit etwa fünf Millionen Euro, Kunden kommen vor allem aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, aber zunehmend auch aus dem außereuropäischen Ausland. Die Rezession 2008/2009 konnte gut gemeistert werden: Viele Aufträge kommen laut Andreas Wolf von der Nahrungsmittelbranche, die krisenunabhängiger von der Wirtschaftsflaute nur wenig betroffen war.

Aber die Greifer der Roboter von RoboMotion greifen aktiv in den Produktionsprozess eines Betriebes ein. Sind sie mechanische Jobkiller? Andreas Wolf verweist darauf, dass viele Betriebe rationalisieren müssten, um am Markt bestehen zu können. Eine Verlagerung ins Ausland mit einem niedrigeren Lohnniveau sei eine Alternative, der kostengünstigere Einsatz von Robotern und der Verbleib am deutschen Standort die andere, für die Bundesrepublik bessere Möglichkeit. Produkte aus seinem Hause würden in den Auftrags-Unternehmen entweder eine veraltete maschinelle Bearbeitung der Produkte oder eine manuelle Verpackung durch Menschen ersetzen. Diese Arbeit sei aber für die Mitarbeitenden meist nicht sehr angenehm: Bei fünf Grad in einer neonbeleuchteten Halle permanent und stundenlang den immer gleichen Handgriff ausführen zu müssen, sei kein Vergnügen: „Ich frage die Leute immer: Möchten Sie, dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter unter diesen Bedingungen arbeiten muss?“.

Keine Arbeit wie am Fließband

Die Mitarbeitenden von RoboMotion haben es angenehmer. Sie sitzen tüftelnd vor ihren Computern, basteln an der Software, testen ihre Prototypen. Die Firmenräume in Leinfelden-Echterdingen sind eine Denkfabrik mit leicht futuristischem Ansatz. Informatiker, Elektrotechnik- und Maschinenbauingenieure arbeiten hier. Mit dem Fachkräftemangel und der händeringenden Suche nach Ingenieuren hat auch der innovative Betrieb zu kämpfen: Doch durch seine Vorlesungstätigkeit an verschiedenen Hochschulen, erklärt Andreas Wolf, komme er leichter in Kontakt mit kompetentem Nachwuchs.

Arbeit wie am Fließband gibt es bei RoboMotion nicht. Für jeden Kunden würden und müssten individuelle, maßgeschneiderte Lösungen gefunden werden, so Andreas Wolf. Sechs bis zwölf Monate dauert es etwa, bis ein bestelltes Produkt fertig gestellt ist. Und zum Portfolio des Unternehmens gehören auch Forschungsprojekte mit dem Fraunhofer Institut. Das hat sich sogar in das Logo eingeschlichen: Der grüne Farbton im Firmenschriftzug, auf den Visitenkarten und den Geschäfts-T-Shirts ist eine Hommage an die frühere Farbe der Organisation für angewandte Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen. Und: „Grün ist die Hoffnung“, ergänzt Andreas Wolf. Er ist nicht nur ein Mann der Technik, sondern auch des Wortes – allerdings befasst sich das von ihm verfasste Buch „Greifer in Bewegung“ mit einem technischen Thema.

Eine tragische Erfahrung aus der Firmengeschichte ist darin nicht enthalten: Nach der Gründung durch Steffen Mayer und Andreas Wolf war Jan Binder miteingestiegen, und der erste Mitarbeiter des Inhaber-Trios war ein Mann aus Merseburg, der bei einem Fahrradunfall ums Leben gekommen ist. Ein herber Schlag für das Team und das junge Unternehmen. Darum, so Andreas Wolf, wird das Geld des mit 3000 Euro dotierten Kreissparkassen-Gründerpreises an die Eltern des verunglückten Kollegen gehen: Sie betreiben an der Hochschule in Merseburg ein Projekt, das Kinder und Jugendliche an die Arbeit mit Robotern heranführen und diese Tätigkeit auch für Mädchen und junge Frauen attraktiv machen soll.

Auf eine Diskussion über die Grenzen des Einsatzes von Robotern möchte sich Andreas Wolf aber nicht einlassen: Das sei eine ethische Frage, zu deren Klärung sich alle Verantwortlichen und Beteiligten an einen Tisch setzen müssten. Doch Roboter als hilfreiche, nicht bedrohliche Unterstützung menschlicher Tätigkeiten, das sieht RoboMotion als sein Ziel an.

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