Großfeuerwerke wie das Feuerwerksfestival „Flammende Sterne“ in Ostfildern ziehen viele Menschen an. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Das Feuerwerksfestival „Flammende Sterne“ wird erst einmal bis 2025 fortgeführt. Andernorts setzt man auf Lasershows. Wie zeitgemäß sind Großfeuerwerke noch?

Mit großer Mehrheit hat der Gemeinderat Ostfildern vor einigen Tagen dafür gestimmt, das Feuerwerksfestival „Flammende Sterne“ zumindest bis 2025 fortzuführen. Zuvor stand die Frage im Raum, ob das beliebte Festival, das seit 19 Jahren Massen auf die Fildern zieht, vor dem endgültigen Aus steht.

Große Feuerwerke bleiben in Zeiten des Klimawandels umstritten. Doch wie schädlich sind Großfeuerwerke tatsächlich für die Umwelt? „Die Feinstaubemissionen von unterjährigen Feuerwerken sind in den meisten Fällen in den Messwerten gar nicht feststellbar“, sagt Ute Dauert vom Umweltbundesamt. Das liege zum Teil daran, dass die Feuerwerke zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten gezündet werden – anders als an Silvester, wenn eben überall zur gleichen Zeit Feuerwerk gezündet wird. Aber auch die günstigeren Wetterbedingungen in den Sommermonaten tragen ihren Teil dazu bei, dass die Schadstoffe der Feuerwerke schneller in der Luft verteilt werden.

Jährlich rund 430 Tonnen Feinstaubbelastung durch unterjährige Feuerwerke

Laut den Angaben des Umweltbundesamtes entstehen durch unterjähriges Feuerwerk jährlich rund 430 Tonnen Feinstaub in Deutschland. Als Vergleich: Feuerwerk zu Silvester schlägt in der geballten Masse mit 1245 Tonnen Feinstaub zu Buche. Jährlich werden also knapp 1700 Tonnen Feinstaub durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern freigesetzt, der größte Teil davon – in etwa 75 Prozent – in der Silvesternacht. Die Gesamtmenge, so das Umweltbundesamt, entspricht in etwa einem Prozent der insgesamt freigesetzten jährlichen Feinstaubmenge in Deutschland.

Hanna Rhein von der Deutschen Umwelthilfe macht deutlich: „Auch wenn Silvesterfeuerwerke rund 75 Prozent der jährlichen Feinstaubbelastung durch Feuerwerke ausmachen, gibt es auch eine Feinstaubbelastung durch andere Großfeuerwerke.“ Ein ihrer Meinung nach noch viel größeres Problem bei Feuerwerken ist die Lärmbelastung für Wild- und Haustiere. Rhein: „Die ist immer da, egal was für ein Feuerwerk es ist.“

Rhein weist auch auf die Gefahr von Waldbränden hin, die bei anhaltender Trockenheit in den Sommermonaten rapide steigt. „In Zeiten der Klimakrise muss man sich in diesem Zusammenhang auch immer fragen, wie trocken der Wald und der Boden ist. Es gibt viele Förster, die das Zünden von Feuerwerk in einer Zeit der akuten Waldbrandgefahr als grob fahrlässig einstufen“, sagt Rhein.

Gefahr der Retraumatisierung bei Geflüchteten im Land

„Zudem leben in Deutschland sehr viele Menschen, die aus einem Kriegsgebiet geflüchtet sind. Lautes Böllern könnte bei diesen Menschen zu einer Retraumatisierung führen“, gibt Rhein zu bedenken. In Weingarten, der Nachbarstadt von Ravensburg in Baden-Württemberg, wird unter anderem deshalb bei dem Welfenfest, dem historischen Kinder- und Heimatfest der Stadt, seit 2022 auf Feuerwerk verzichtet. Neben dem Umweltaspekt seien es die ukrainischen Flüchtlinge, auf die man Rücksicht nehmen wolle, so die Verantwortlichen. „Wir möchten Knallgeräusche jeglicher Art vermeiden. Wir haben uns da sehr früh Gedanken gemacht und ich stehe voll und ganz hinter dieser Entscheidung“, sagte die Erste Vorsitzende der Welfenfestkommission, Parinda Staudacher-Rall, im vergangenen Jahr der Schwäbischen Zeitung.

„Die Deutsche Umwelthilfe möchte, dass nach wie vor Feste gefeiert werden“, stellt Rhein klar. „Doch egal ob im Winter oder im Sommer: Die Böllerei muss aufhören. Die ist mit Blick auf die Lärmbelastung für Tiere und Geflüchtete und in Verbindung mit der Waldbrandgefahr einfach nicht mehr zeitgemäß.“ Doch Veranstaltungen wie das „Flammende Sterne“- Festival leben von den Großfeuerwerken. Wie also könnte eine funktionierende und vor allen Dingen umweltschonendere Alternative überhaupt aussehen?

Digitales Drohnenfeuerwerk könnte als Ersatz dienen

Eine Möglichkeit ist ein digitales Drohnenfeuerwerk. In den USA zum Beispiel setzt man zunehmend auf leise surrende Drohnenschwärme statt explodierende Feuerwerke. Dank neuester LED-Technik kann jede einzelne Drohne in über fünf Millionen Farbkombinationen leuchten. Die Bilder werden vorab programmiert und später mithilfe eines Computer gesteuert.

Deutlich weniger Luftverschmutzung bringen auch Lasershows mit sich. Die bayrische Stadt Landshut hat das schon 2019 zu Silvester veranstaltet – mit positiver Resonanz beim Publikum. Auch in Weingarten gibt es bei dem jährlichen Welfenfest seit dem vergangenen Jahr eine Lasershow. Zuständig für die Entscheidung, ob Großfeuerwerke stattfinden oder nicht, sind die Kommunen auf Basis des Bundessprengstoffgesetzes.