Sie sind froh, dass es Emil gut geht: Markus und Julia Sigmund, Foto: Roberto Bulgrin

Zurück aus dem Krankenhaus sind die Eltern schwer kranker Kindern auf sich gestellt. Unterstützung bietet die sozialmedizinische Nachsorge am Klinikum Esslingen. Sie bittet um Hilfe der EZ-Weihnachtsspendenaktion.

Esslingen - „Es ist ein demütiger Moment“, sagt Markus Sigmund. Ein Jahr, nachdem sein Sohn Emil und seine Frau Julia aus dem Krankenhaus entlassen wurden, kehrt der junge Vater erstmals wieder in die Kinderklinik am Klinikum Esslingen zurück. „Ein Jahr später ist alles gut“, sagt der 29-Jährige. Doch die Familie blickt auf schwere Monate zurück. Die noch um einiges schwieriger gewesen wären, wenn sie nicht die Unterstützung durch Anja Molfenter und ihre Kolleginnen erfahren hätten, wie die Sigmunds deutlich machen. Die Kinderkrankenschwester leitet die Sozialmedizinische Nachsorge Bunter Kreis. Sie hilft Familien mit Frühchen, behinderten oder schwer kranken Kindern beim Übergang vom oft langen Krankenhausaufenthalt in den Alltag zuhause.

Bislang wurde dieses Angebot in Esslingen und an der Klinik am Eichert in Göppingen von der Lebenshilfe Göppingen getragen. Doch der Verein, dessen Kern­bereich die Arbeit für Menschen mit Behinderung ist, hat die sozialmedizinische Nachsorge aufgrund finanzieller Schwierigkeiten im Sommer überraschend aufgegeben. Nun springt das Klinikum Esslingen als Träger ein. Da der Neustart und der Betrieb mit vielen Kosten verbunden sind, die die Krankenkassen nur teilweise tragen, bittet der neue Träger um einen Zuschuss aus der EZ-Weihnachtsspenden­aktion. Auch eine generelle Leistungs­zusage vonseiten der Kassen gibt es noch nicht. Das heißt, für jede Familien müssen die Hilfen einzeln beantragt werden. Molfenter hofft, dass das Angebot bald auf eine sichere Basis gestellt wird.

Zuhause gehen die Sorgen weiter

Für Julia und Markus Sigmund war die sozialmedizinische Nachsorge eine große Unterstützung. Emil war am 8. August 2019 mehr als zwei Monate vor dem errechneten Termin geboren worden, infolge einer Plazentaablösung. „Es war alles sehr dramatisch und knapp“, erinnert sich die Mutter. 94 Tage lang waren die heute 30-Jährige und ihr Sohn noch im Krankenhaus, bevor sie nach Hause durften. Emils damals zwei Jahre alte Schwester Mathilda musste solange auf ihre Mutter verzichten. „Wir gingen alle emotional und körperlich hoch belastet aus dieser Zeit“, erinnert sich Julia Sigmund. Doch wie alle Frühchen-Eltern hätten sie und ihr Mann eine große Aufgabe bekommen. Man gehe nach dem Krankenhausauf­enthalt nicht heim und alles sei gut.

Denn ein Frühchen hat beispielsweise Schwierigkeiten zu trinken und zuzunehmen. Emil habe eine Zeit lang viel geschrien, erzählen die Eltern. Doch nach der Zeit im Krankenhaus, wo mit einem Knopfdruck Hilfe zur Stelle war, waren sie mit diesen Problemen zuhause die meiste Zeit auf sich gestellt. Da war es beruhigend, die Frauen der sozialmedizinischen Nachsorge ständig erreichen zu können, auch am Wochenende. Die Kinderkrankenschwestern hätten herausgefunden, mit welchem Sauger Emil am besten trinken kann und zwei Leistenbrüche diagnostiziert, die die Schmerzen des Jungen erklärten. Nachdem Julia und Markus Sigmund bereits in der Zeit im Krankenhaus mit Informationen vorbereitet worden waren, besuchten die Krankenschwestern die Familie regelmäßig zuhause, überwachten den Gesundheitszustand von Emil und gaben den Eltern Tipps.

Drei Monate Unterstützung

Drei Monate lang stehen Familien mit schwer kranken Kindern nach Verlassen des Krankenhauses 20 Stunden der sozialmedizinischen Nachsorge zur Verfügung, die von den Krankenkassen bezahlt werden. Danach können zehn weitere Stunden beantragt werden. Oft geht die Arbeit der Experten des Bunten Kreises aber darüber hinaus, was die Krankenkassen bezahlen, wie Anja Molfenter erzählt. Das Team, zu dem neben Kinderkrankenschwestern auch eine Sozialpädagogin und zwei Kinderärztinnen gehören, vernetzt sich mit allen Beteiligten wie dem Klinikum, den niedergelassenen Kinderärzten und den Beratungsstellen des Landratsamtes. Oder dem Kinder-Palliativ-Care-Team am Klinikum Stuttgart, wenn das Kind eine lebensverkürzende Krankheit hat. „Wir schauen auch danach, was die Familie nach der sozialmedizinischen Nachsorge braucht“, erklärt Molfenter.

„Man wird in eine hochkomplexe intensivmedizinische Welt hineingeworfen und dann soll man in die normale Welt zurück, die irgendwann mal leicht war. Doch dazu braucht man eine Brücke, um langsam im Alltag anzukommen“, erklärt Julia Sigmund. Und das sei, was die sozialmedizinische Nachsorge leiste. „Das kann man alleine nicht schaffen.“ Heute wirkt Emil quickfidel, krabbelt umher und greift begeistert nach dem Schlüssel der Kinderkrankenschwester Molfenter.

Kontodaten für Spenden:

Kreissparkasse Esslingen, IBAN: DE38 6115 0020 0000 9020 36, BIC: ESSLDE66XXX

BW Bank, IBAN: DE24 6005 0101 0008 4053 53, BIC: SOLADEST600

Volksbank Mittlerer Neckar, IBAN: DE89 6129 0120 0126 8880 00, BIC: GENODES1NUE

Oder einfach online: https://www.gut-fuer-den-landkreis-esslingen.de/projects/87122

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