25.03.2017: ES putzt: Esslingen ist wieder sauber

 Foto: Hauenschild - Hauenschild

Von Peter Stotz

Mit ihrer alljährlichen großen Kehrwoche hat sich die Stadt Esslingen am Samstag für das Frühjahr fein gemacht. Rund 2600 engagierte Helfer packten kräftig mit an und griffen bei der 18. Auflage der Reinigungsaktion „ES putzt“ in zehn Stadtteilen zu Eimern, Müllsäcken und Greifzangen. Gemeinsam befreiten sie Straßenränder, Gehwege, Spielplätze und Grünflächen von all dem Abfall, den andere Zeitgenossen dort achtlos fallen gelassen oder vielleicht sogar absichtsvoll deponiert hatten. Nach einer ersten vorläufigen Bilanz kam etwas weniger Müll als im vergangenen Jahr zusammen, Problemabfälle wurden kaum mehr gefunden.

Blumen und Flaschen: In der Stadtmitte streiften sich rund 85 Teilnehmer um 9 Uhr ihre gelben Warnwesten über und schwärmten aus, um dem Müll auf den Straßen und den Grünflächen im Zentrum zu Leibe zu rücken. Auch die jungen Pfadfinder der Royal Rangers waren mit Tatendrang bei der Sache. Sie mussten bei der Beseitigung von Wodkaflaschen und Plastikbechern, den Überbleibseln einer nächtlichen Party in der Maille, in ihrem Feuereifer zwischendurch sogar ein bisschen gebremst werden, damit sie den gerade erst aufgeblühten Blumen dort nicht versehentlich zu nahe kamen.

Partyzonen: Das große Aufräumen und Saubermachen, traditionell von den Bürgerausschüssen in den Stadtteilen organisiert, brachte je nach Lage recht unterschiedliche Ergebnisse zutage. So wies die Innenstadt hauptsächlich eine Menge Verpackungsmüll und achtlos weggeworfenen Kleinkram auf. „Und dann gibt’s die traditionellen Partyzonen in der Maille, beim Freibad, im Merkelpark und in der Weststadt als Problemgebiete. Da findet man Unmengen an Flaschen und Scherben“, sagt Dagmar Bahr vom Bürgerausschuss Innenstadt.

Schrott am Waldrand: Wie in den anderen Stadtteilen hatten auch die rund 50 Sirnauer Aktivisten in diesem Jahr während der Aktion „ES putzt“ deutlich weniger zu tun als noch in der Vergangenheit. „Es hat insgesamt stark abgenommen. Es ist kaum noch Sperrmüll oder Bauschutt dabei, aber eben immer noch sehr viel Kleinmüll“, erzählte Elmar Rehmann vom Sirnauer Kleingartenverein Anlage Schafweide. Er putzte rund um das Vereinsgelände am Waldrand und klaubte dort einen kleinen Berg an Schrott, Verpackungen und Haushaltsabfällen aus dem Gebüsch. „Das fliegt oft aus dem Autofenster“, hat Elmar Rehmann beobachtet. Und wer es darauf anlege, könne dort auch recht gut anhalten, um seinen Kofferraum unbemerkt auszuladen.

Gemeinsinn: Wolfgang Wierer vom Bürgerausschuss Wäldenbronn-Hohenkreuz-Serach-Obertal bedauerte es zwar, dass in seinem Stadtteil nur 15 Leute zum Frühjahrsputz gekommen waren, er sah aber dennoch „ein wichtiges Signal für den Gemeinsinn“ in dieser Aktion. „Das fördert den Gemeinschaftsgedanken im Stadtteil. Es geht nicht nur um Quantität, sondern auch um Qualität“, findet Wierer. Gleichwohl wolle der Bürgerausschuss im kommenden Jahr verstärkt die Schulen, die Vereine und die Kirchengemeinden für „ES putzt“ aktivieren, um künftig für etwas mehr Unterstützung zu sorgen.

„Diese Ehe hält“: Die diesjährige Putzaktion wird Katrin Hanikel in ewiger Erinnerung bleiben. Eine Putzaktivistin hatte der Mitarbeiterin des Grünflächenamts einen am Marktplatz gefundenen goldenen Ehering übergeben. Eine kurze Untersuchung ergab, dass es Katrin Hanikels eigener war. Den hatte sie bereits vor eineinhalb Jahren bei der Arbeit verloren – allerdings am Lenau-Denkmal. „Ich kann es eigentlich gar nicht glauben und es ist mir völlig schleierhaft, wie der Ring von dort ins Stadtzentrum kommt. Aber eines weiß ich sicher: Diese Ehe hält auf jeden Fall“, strahlte sie, nachdem sie ihr symbolträchtiges Schmuckstück so unverhofft wieder in Händen hielt.

Teilnehmerrekord: Henry Wolter, Abteilungsleiter im städtischen Grünflächenamt und Koordinator von „ES putzt“, zeigte sich in seiner Bilanz des Putztags sehr zufrieden mit der Resonanz in der Bürgerschaft. „Wir hatten in diesem Jahr 2600 angemeldete Teilnehmer, das ist Rekord und spricht dafür, dass den Menschen eine saubere Stadt wichtig ist“, freute er sich. Besonders erfreulich sei auch der Zuwachs auf rund 2000 Kinder und Jugendliche aus den Esslinger Kindertageseinrichtungen und Schulen, die bereits am Freitag auf Spielplätzen und in Parks aktiv waren. „Es ist besonders wichtig, dass die Lehrer für Umwelterziehung am praktischen Beispiel zu begeistern sind“, sagte Henry Wolter.

Rückläufiger Trend: Rund acht Tonnen Müll, dabei überwiegend Verpackungen und weggeworfener Kleinkram, ein Container voller Metallschrott und etwa 30 Altreifen sammelten sich auf dem Gelände des städtischen Bauhofs zum Ende der Putzaktion. „Das zeigt einen klaren Trend nach unten“, bilanzierte Henry Wolter. Zwar deuteten Elektronikschrott, ein alter Kanonenofen, eine Waschmaschine, ein ausgedienter Zweitaktmotor, Styroporplatten, Matratzen und kaputte Möbel auf absichtliche und illegale Müllentsorgung hin. „Aber es gibt kaum mehr Problemmüll wie Autobatterien oder Farbeimer, der in der Landschaft liegt. Das Problem ‚Müll in der Stadt‘ ist damit insgesamt aber noch nicht gelöst“, weiß Wolter.

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