Uta Reichardt stellte bei der LesART ihren ebenso unterhaltsamen wie spannenden Jugendroman „Im Wolfsland“ vor. Foto: Weiß Quelle: Unbekannt

Von Gaby Weiß

Seit der Jahrtausendwende gibt es in Deutschland wieder Wölfe in freier Wildbahn. Uta Reichardt weiß, dass Hirten und Bauern sich deshalb Sorgen machen und dass Wanderer Angst vor der Begegnung mit dem Raubtier haben, das man hierzulande eher aus Märchen und Horrorfilmen kennt. Trotzdem ist die Schriftstellerin fasziniert vom Wolf, hat sich ausgiebig kundig gemacht und ein Buch geschrieben, das sie bei den Literaturtagen LesART nun bei mehreren Lesungen vorgestellt hat. „Im Wolfsland“ (Fabulus-Verlag, 16.95 Euro) ist aber kein Sachbuch geworden, sondern eine spannende Abenteuer-Geschichte für Jugendliche ab zwölf Jahren.

Hauptfigur ist die 14-jährige Louisa, genannt Lou, deren Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen, die im Heim aufwächst und erst seit Kurzem bei einer Pflegefamilie lebt. Lou, die als Außenseiterin in ihrer Klasse gemobbt wird, lässt sich nichts gefallen und handelt sich deshalb immer mal wieder Ärger ein. „Ich wollte eine Figur, die es ein bisschen schwer hat im Leben und die sich deshalb eine harte Schale zugelegt hat, die im Laufe der Geschichte geknackt wird - auch durch die Wölfe“, erzählte Uta Reichardt den aufmerksam zuhörenden Jugendlichen.

Lou fährt auf Klassenfahrt an die polnische Grenze, wo immer wieder Wölfe gesichtet werden, und merkt schnell, dass der Verwalter des Schullandheims in fragwürdige Unternehmungen verstrickt ist. Als sie ihn zur Rede stellt, droht er ihr: „Kein Wort, sonst ...“ Trotzdem forscht Lou weiter und begegnet tatsächlich einem Wolf. Anfangs ängstigt sie sich, dann ist sie fasziniert. Kurz darauf trifft sie einen rätselhaften Jungen, der im Wald lebt und zu dem die Wölfe Vertrauen gefasst haben. Seinen Namen, Lupo, hat er sich nach dem lateinischen Wort „Lupus“ für Wolf selbst gegeben. Was Lou und Lupo im „Wolfsland“ gemeinsam erleben, ist aufregend, geheimnisvoll und mit viel Schwung erzählt.

Uta Reichardt möchte mit ihrem Buch nicht nur eine unterhaltsame Geschichte erzählen, sondern auch Verständnis für die frei lebenden Wölfe wecken. Wie Lou ist auch sie fasziniert von den Tieren, seit sie ein Interview mit einer Wolfsforscherin gelesen hatte: „Ich bin sogar mit meiner Familie im Urlaub ins Wolfsland gefahren, durch den Wald gestiefelt und durchs Gebüsch gestreift.“ Leider habe sie damals keinen Wolf zu Gesicht bekommen: „Wölfe sind - abgesehen von ganz jungen, neugierigen und unerfahrenen Tieren - extrem scheu. Sie halten Distanz zum Menschen.“ Falls man aber doch einmal einem Wolf in freier Wildbahn begegnen würde? Für diese unwahrscheinliche Situation entwickelte sie gemeinsam mit den jungen Leuten am Ende ihrer Lesung Verhaltensregeln: „Nicht füttern. Keinen Augenkontakt suchen. Nicht hektisch werden. Nicht wegrennen, um den Jagdinstinkt nicht zu wecken. Sich am besten nicht umdrehen, sondern langsam rückwärts den Rückzug antreten.“

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