Carl-A. Fechner, Regisseur der Doku „Power to change - die Energierebellion“, setzt auf dem blauen Teppich seine Unterschrift auf die Friedenstaube des Festivals. „Die Kraft kommt aus der Region“, sagte er. Foto: Gläser Quelle: Unbekannt

Von Johannes Gläser

Ein bisschen ist Esslingen am Samstagabend wie Berlin gewesen. Auf dem blauen Teppich im Traumpalast zeigten sich Regisseure, Schauspieler und Politiker im Blitzlichtgewitter. Auch Oberbürgermeister Jürgen Zieger und Stuttgarts Sozialbürgermeister Werner Wölfle machten mit. Denn zum zweiten Mal fand in Esslingen der baden-württembergische Ableger von „Cinema for Peace“ statt, einer bundesweiten Initiative, die für ihre jährliche Promi-Gala in Berlin bekannt ist. Das ganze Wochenende waren kostenlos aktuelle Filme zum Thema Menschenrechte und Umweltschutz zu sehen: Darunter zum Beispiel die französische Doku „Peshmerga“ über den Kampf der Kurden für einen eigenen Staat. Aber auch der Thriller „Transpecos“ über den täglichen Drogenkrieg an der amerikanisch-mexikanischen Grenze.

Nach Esslingen geholt wurde das Festival vom baden-württembergischen Freundeskreis der Initiative. „Wir hatten das Gefühl, dass alles in Berlin stattfindet, dabei haben wir hier in der Region geniale Filmemacher“, sagte Veranstalter Timo Johannes Mayer. Im vergangenen Jahr organisierte er erstmals das Festival im Traumpalast.

Im Fokus stehen Filme, die zwischen den Blockbustern öfters untergingen. „Wenn man auf ein Date geht, schaut man sich eher einen Woody Allen-Film zum Lachen an“, sagte Mayer. Am Premierentag war der Andrang allerdings so stark, dass man kurzerhand einen zweiten Kino-Saal öffnete.

Zeichen der Hoffnung setzen

Auch die Filmemacher waren angetan vom Ortswechsel.„Die Kraft kommt aus der Region, deswegen ist es gut, dass wir heute in Esslingen sind“, sagte Regisseur Carl-A. Fechner bei der Eröffnung. Sein Dokumentarfilm „Power to change - die Energierebellion“ bildete den Auftakt des Wochenendes. Fast drei Jahre dauerten seine Dreharbeiten, die ihn auch in die Ostukraine führten. Deswegen betonte Timo Johannes Mayer, dass die Gesellschaft mutige Regisseure brauche, die ihre Kamera auch in die gefährlichsten Regionen mitnehmen. „Sonst würden die Menschen dort unsichtbar bleiben“, sagte er. Allerdings stehe bei solchen Filmen eben nicht das Elend im Mittelpunkt. Als Beweis für die Stärke des Einzelnen kann „Cinema for Peace“ vielmehr ein Zeichen der Hoffnung setzen.

Diesen Gedanken griff auch Fechners Doku über die Energiewende auf. Er wollte veranschaulichen, warum eine nachhaltige Energieversorgung notwendig ist. Der Zuschauer tauchte in verschiedene Blickwinkel ein. So traf man in Kiew auf den Maidan-Aktivisten Roman Zinchenko. Die Abhängigkeit von russischem Gas gefährde die demokratische Entwicklung seines Landes, glaubt dieser. Eine unabhängige Ukraine benötige deshalb dezentrale Energiequellen.

Ein anderes Bild zeigt sich an der Südwestküste Englands, wo ein neues Atomkraftwerk entstehen soll. „Die Geschichte zeigt, dass der Mensch das Atom nicht kontrollieren kann“, sagte der Ingenieur Peter Smith bei einer Demonstration dort. Wind- oder Solarkraft könnten schon längst eine Alternative bieten. Allerdings würden Lobbyisten mächtiger Konzerne versuchen, dies zu verhindern.

Damit präsentiert Fechner ein persönliches Plädoyer für seine Energierebellion. Er sei stolz darauf, selbst ein Rebell zu sein. „Mein Film war eine Einladung an alle Zuschauer, sich der Bewegung anzuschließen.“ Außerdem könne man es mit Hollywood aufnehmen, wie der bisherige Erfolg der Doku zeige. „Ich glaube nicht, dass es Dokumentarfilme automatisch schwerer an der Kinokasse haben“, sagte Fechner. Sein Film laufe mittlerweile in zehn Ländern, sogar im Iran.

Dieses Selbstbewusstsein wünscht sich Timo Johannes Mayer auch für sein Festival. „Momentan sind wir auf Partnerschaften angewiesen“, sagte er. So stellte etwa Heinz Lochmann, Betreiber des Traumpalasts, die Kino-Säle zur Verfügung. Irgendwann könnte sich das Festival aber selbst tragen. Eine Konkurrenz zur Berliner Gala soll es dennoch nicht geben. „Dort ist die Preisverleihung, bei uns sitzt das Publikum.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: