Das Parkhaus in Vaihingen ist in den Versuch einbezogen. Foto: Lg/Piechowski - Lg/Piechowski

Bargeld soll bei der Bezahlung von Parktickets bald ausgedient haben. Der Energieversorger EnBW wittert ein neues Geschäftsfeld.

StuttgartWer kennt das nicht: Man steht am Kassenautomaten, hat das Parkticket aber im Auto in den Tiefen der Tiefgarage liegen lassen. Auch ein Klassiker: Das Portemonnaie offeriert nur große Scheine, der Automat verweigert beharrlich deren Annahme. Oder: Die Schlangenbildung vor dem Bargeldfresser hat nach einem Theaterbesuch wieder mal rekordverdächtige Ausmaße erreicht.

Digitale Hilfe gegen derartige Unbill verspricht die Energie Baden-Württemberg (EnBW). Der Strommulti, der sich vor allem in Stuttgart und Baden-Württemberg mit seinen Ladestationen für Elektroautos bereits an das Thema neue Mobilität gewagt hat, will künftig auch beim Parken mitreden – und bei vielen weiteren Dienstleistungen, für die die Experten vom EnBW-Innovationsmanagement in der Birkenwaldstraße in Stuttgart mit IT-Dienstleistern zusammenarbeiten. „Die EnBW ist es gewohnt, kritische Infrastruktur wie Netze und Kraftwerke zu managen. Parconomy ist ein Schritt, an diese Erfahrung neue Wachstumsfelder anzudocken“, sagt Thomas Stebich, Leiter des Geschäftsfelds Parconomy. In Stuttgart geht Parconomy den Realtest in zehn Garagen der Parkraumbewirtschaftung Baden-Württemberg (PBW) an, in Karlsruhe in drei Häusern zweier Anbieter.

Mit Daimler zusammengetan

In Kunstwort Parconomy steckt nicht nur Parken, sondern auch Wirtschaftlichkeit. Parkhäuser sind zwar in aller Regel Gewinnbringer und werden deshalb auch gern von Kommunen selbst verwaltet, dennoch kostet das Handling des Automatengeldes Geld. Bei einer Vollkostenrechnung komme man „auf bis zu 30 Prozent der Einnahmen“, sagt Stebich. Die Digitalisierung mit Chipkarte oder App bringe dem Autofahrer Komfort und dem Parkhaus-Betreiber eine erhebliche Ersparnis. 2,6 Millionen bewirtschaftete Parkplätze gibt es in Deutschland, die Hälfte davon sind in kommunaler Hand. Auf sie zielt die EnBW als Kunden, denn die anderen werden oft von großen Parkhausbetreibern bewirtschaftet, die ebenfalls auf neue Systeme mit Karte oder App setzen. Zu den Platzhirschen zählen Apcoa („Apcoa Flow“ an 200 Standorten in Deutschland), Evopark und Q-Park („Q-Park-Pass“), die Abrechnung der Parkgebühren folgt in der Regel am Monatsende.

„Wir wissen, dass wir als Anbieter über die Dörfer müssen, um dort die Kunden einzusammeln. Unser Zeitfenster liegt bei zwei bis drei Jahren, dann werden sich die Unternehmen am Markt platziert haben. Wir wollen ab Mitte 2020 mit Vollgas in die Fläche“, so Stebich. Man bewirbt sich als neutraler Partner, der selbst keine Parkhäuser hat, aber den Betreibern den erheblichen Digitalisierungsaufwand abnimmt.

Die EnBW hat sich für ihren Versuch mit Daimler zusammengetan. 1000 Mercedes-Fahrer können mit ihrer Karte automatisch die Schranken öffnen, die ersten Abrechnungen soll es im September geben, Transaktionsgebühren fallen keine an. „Der Versuch läuft bis zum Jahresende, wir haben mit vier Schrankenherstellern Absichtserklärungen geschlossen, zwei werden über eine Schnittstelle im Pilotbetrieb eingebunden“, sagt Michael Huttny, Manager bei Parconomy. Aktuell sei die Chipkarte die adäquate Lösung, denn die Parkhäuser sind für diese ausgestattet. „Wir wollen keinen Endkunden und keine eigenen Parkkarten ausgeben, um wettbewerbsoffen zu bleiben“, so Huttny.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: