Passagiere im Terminal des Stuttgarter Flughafens. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt - Lichtgut/Christoph Schmidt

Über die Zukunft des Stuttgarter Flughafens muss ohne Denkverbote diskutiert werden, fordert Josef Schunder. Und zwar bald.

StuttgartDer Aufruhr, den die Pläne für den Flughafenausbau einst unter dem Ministerpräsidenten Oettinger ausgelöst hatten, war gewaltig. Die Lektionen daraus scheinen zu sitzen. Denn sowohl die IHK als auch das CDU-geführte Wirtschaftsministerium äußern sich vage, befragt man sie nach den Konsequenzen der wachsenden Passagierzahl und möglichen Zwängen zum Bau einer weiteren Startbahn. Im Interesse der Wohnbevölkerung rund um den Flughafen und im Interesse des Klimaschutzes ist das ja zu begrüßen. Allerdings hat die Zurückhaltung vermutlich auch andere Hintergründe. Ausbaupläne sind unter den gegebenen Bedingungen und wegen der drohenden Klimakatastrophe politisch nicht opportun – noch weniger als zu Oettingers Zeiten in der Villa Reitzen­stein.

Die Landtagswahl 2021 mahnt die Politik auch zu Vorsicht. Nicht nur die Grünen, auch die CDU, die um eine politische Wiedergeburt als maßgebliche Regierungspartei kämpft. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Irgendwann zwischen 2025 und 2033 dürfte die Kapazität der Startbahn ausgereizt sein. Selbst wenn man sich an dem späteren Termin orientiert, birgt die Entwicklung eine gehörige Brisanz. Denn zehn Jahre zeitlicher Vorlauf sind bei Flughafenausbauten gar nichts. Wer das Thema Startbahn also ausblendet, spielt entweder auf Zeit oder will die Kapazität des Flughafens auf ewig bei rund 17 bis 18 Millionen Fluggästen deckeln. Dafür gibt es auch gute Gründe. Man könnte und sollte aber ruhig darüber reden – und zwar beizeiten.

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