In der Küferstraße hatte es in den 1940er Jahren Hochwasser gegeben - der Neckar war noch nicht vollständig kanalisiert. Foto: Sammlung Werner Mey - Sammlung Werner Mey

Ohne den Neckar wäre Esslingen wohl nicht das, was es heute ist. Bereits im Mittelalter wurden darüber Waren transportiert.

EsslingenZwischen 500 und 600 Güterschiffe kommen jährlich am Plochinger Hafen an, sagt Hafendirektor Gerhard Straub. Und es könnten künftig noch größere Schiffe ankommen, wenn die Schleusen verlängert werden, „Der Neckar ist schon immer eine sehr wichtige Verkehrsstraße gewesen. Doch seine Bedeutung nimmt immer weiter zu. Autostraßen und die Bahn geraten immer mehr an ihre Kapazitätsgrenzen, umso wichtiger werden Wasserstraßen wie der Neckar“, sagt Straub.

Am internationalen Tag der Flüsse an diesem Sonntag sollen weltweit alle Wasserstraßen gefeiert werden. Für den Landkreis Esslingen ist es ohne Zweifel der Neckar, der eine Würdigung verdient hat. Der Fluss war schon immer ein großer Standortvorteil für Esslingen: Neben dem Handel war er maßgeblich für die Energiegewinnung von großer Bedeutung. Wasserkraft war bis ins 19. Jahrhundert neben der Muskelkraft von Mensch und Tier die einzige Möglichkeit, Energie zu gewinnen. Schon um 1300 hat es Mühlen gegeben, unter anderem am Mettinger Tor und auf dem Kesselwasen. So siedelten sich seit Beginn des 19. Jahrhunderts Industieunternehmen am Neckar an – eines der bedeutendsten war die Maschinenfabrik Esslingen, die 1846 gegründet wurde.

Besonders den Handel hat der Neckar über die Jahrhunderte beflügelt: Bereits im 14. Jahrhundert transportierten Flöße Waren. Im Jahr 1900 wurde die Flößerei jedoch per Reichsgesetz eingestellt, da die Eisenbahn zunehmend zur Konkurrenz wurde und Flusskraftwerke gebaut wurden. Lange Zeit schipperten kleine Boote , die nur mit Muskelkraft angetrieben wurden, über den Neckar. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden größere Lastkähne für den Warentransport zu Wasser gelassen, die bis zu zehn Pferde vom Ufer aus zogen. 1840 konnten erstmals Personen den Neckar zwischen Mannheim und Heilbronn auf Dampfschiffen bereisen. Bis man ankam, verstrich allerdings fast eine Woche. Das änderte sich 1878 mit der Kettenschlepperei: Dampfschiffe konnten sich, mit Kähnen im Schlepptau, an einer im Flussbett verlegten Kette flussaufwärts ziehen. Nach zwei bis drei Tagen kamen die Passagiere an ihr Ziel. 1920 hat die Deutsche Nationalversammlung beschlossen, den unteren Neckar von Mannheim bis Heilbronn und den mittleren Neckar von Heilbronn nach Plochingen für die Großschifffahrt auszubauen. 1968 war der letzte Flussabschnitt in Deizisau kanalisiert und der Plochinger Hafen wurde eingeweiht. „Da wir im Landkreis Esslingen der einzige Hafen sind, ist das für Plochingen ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Hafendirektor Gerhard Straub.

Der erste Baustein für den Plochinger Hafen war bereits 1555 gelegt worden. Herzog Christoph von Württemberg erhielt von Kaiser Karl V. das Privileg, den Neckar für Schiffe und Flöße schiffgängig zu machen. Christoph war es zudem wichtig, die Bevölkerung vor Hochwasser zu bewahren – eine Gefahr, die bis zur Kanalisierung des Neckars bestehen blieb. Der von 1593 an regierende Herzog Friedrich I. hielt an den Plänen Christophs fest und beauftragte den Baumeister Heinrich Schickhardt mit der Planung eines Kanals. Doch dem Regenten waren die Kosten dann doch zu hoch. 1713 scheitere ein weiterer Versuch, den Neckar bis nach Plochingen schiffbar zu machen: Weil die Esslinger mit den Württembergern im Clinch lagen, lehnten sie die Pläne ab. So eröffnete Herzog Eberhard Ludwig einen „nothdürftigen Wasserweg“ zwischen Heilbronn und Cannstatt.

1903 entwickelte Wasserbauingenieur Otto Konz Pläne für einen Großschifffahrtsweg bis nach Plochingen. Nach dem Ersten Weltkrieg war der Entwurf fertig, 1921 wurde mit der Umsetzung begonnen – 1922 musste der Bau wegen Geldmangels eingestellt werden und ruhte bis 1927. Während des Zweiten Weltkriegs gerieten die Kanalarbeiten ins Stocken. Im Dezember 1954 ging es weiter mit dem Bau des Hafens: Die Neckarhafen GmbH Plochingen wurde mit dem Ziel gegründet, den Hafen zu bauen und die Ansiedelung voranzutreiben. Am 29. April 1964 war der Spatenstich des Plochinger Hafens, 1968 wurde er dann feierlich eröffnet. Der Hafen wird sich in den kommenden Jahren Herausforderungen stellen müssen, weiß Gerhard Straub: „Durch die Energiewende wird immer weniger Kohle transportiert und somit kommen weniger Schiffe über den Neckar.“ Die Schleusenverlängerung könnte wieder mehr Verkehr bringen, da dann auch Schiffe, die länger als 150 Meter sind, den Fluss passieren könnten.

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