Auch den Nachwuchs heißen Constanze und Christoph Traub beim Neujahrsempfang willkommen. Foto: Peter Stotz - Peter Stotz

Filderstadts Oberbürgermeister Christoph Traub wählte für seine Neujahrsrede nachdenkliche Töne. Klimaschutz und bezahlbarer Wohnraum, öffentlicher Nahverkehr, Digitalisierung, Betreuung und Schule – die Stadt wird in absehbarer Zeit einige Aufgaben abarbeiten müssen, und nicht alles wird schmerzfrei über die Bühne gehen.

FilderstadtKommunale Neujahrsempfänge werden gerne dafür genutzt, das im vergangenen Jahr Geleistete herauszustellen und ein positives Bild der Zukunft zu zeichnen. Filderstadts Oberbürgermeister Christoph Traub wählte für seine Neujahrsrede am Sonntag hingegen nachdenkliche Töne. Klimaschutz und bezahlbarer Wohnraum, öffentlicher Nahverkehr, Digitalisierung, Betreuung und Schule – die Stadt wird in absehbarer Zeit einige Aufgaben abarbeiten müssen, und nicht alles wird komplett schmerzfrei über die Bühne gehen.

Allerdings war der Empfang im voll besetzten Saal des Kulturzentrums Filharmonie nicht nur von mahnenden Worten bestimmt. Nach der obligatorischen Begrüßung aller Besucher per Handschlag durch Traub und seine Ehefrau Constanze und einem musikalischen Auftakt mit dem Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr und dem Pop- und Gospelchor Bernhausen hielten Traub und Andreas Kretschmar, Oberbürgermeister von Filderstadts Partnerstadt Oschatz in Sachsen, in einer mit persönlichen Erinnerungen gewürzten Gesprächsrunde Rückschau auf 30 Jahre Mauerfall und Wiedervereinigung.

Die damalige Zeit sei von der Aussicht auf ein friedliches Zusammenleben, von politischer Entspannung und Frieden geprägt gewesen, rekapitulierte Traub. Kretschmar sah diese politische Grundstimmung mit als Anlass, sich kommunalpolitisch zu engagieren, „in einem freien Land zu leben und zu gestalten“. Traub schlug den Bogen in die Gegenwart und betonte, dass dies in Filderstadt gedeihlich gelinge, trotz der aktuellen politischen Weltlage und einiger Akteure, die das friedliche Zusammenleben der Menschen aufs Spiel setzten.

Wie Traub berichtete, ist die Stadt im vergangenen Jahr um mehr als 300 Bürger gewachsen, 20 Geburten mehr als 2018 wurden verzeichnet. Einrichtungen wie die Bäder oder die Bibliothek verzeichnen hohe Besucherzahlen, die Infrastruktur in Sachen Elektromobilität und Glasfaserverkabelung wurde weiter ausgebaut. „Und im Moment können wir auf eine gute finanzielle Leistungsfähigkeit schauen“, sagte er. Mit mehr als 35,2 Millionen Euro seien 5,7 Millionen mehr als geplant verbucht worden. Im Haushaltsentwurf werde daher ein Investitionsvolumen von 96 Millionen Euro bis 2024 diskutiert.

20 neue Erdenbürger

Erfolgsmeldungen hätten allerdings immer zwei Seiten. So bedeute ein Mehr an 20 Geburten bereits bald eine bis zwei Betreuungsgruppen und eine Grundschulklasse mehr, zusätzlich die Räume und das Personal. Die Bewegung Fridays for Future habe verstärkten Einsatz im Klimaschutz eingefordert, was nun umgesetzt würde. Die Digitalisierung und die Anstrengungen für eine kommunale Verkehrswende würden mit Nachdruck vorangetrieben, und „das Definieren einer Sozialquote im Wohnungsbau ist längst überfällig“. Zudem werde in alle Betreuungs- und Bildungseinrichtungen kräftig investiert.

Die Aufgaben der Stadt würden damit größer, allerdings werde „nicht alles lustig und nett sein, wenn wir dies mit der entsprechenden Ernsthaftigkeit angehen“, betonte Traub. Er warne vor der Annahme, dass „eine Steigerung immer leicht und einfach“ sein werde. Denn die Einnahmen hielten damit nicht Schritt, die Liquidität der Stadt gehe zurück. „Wir werden uns in diesem Jahr damit befassen müssen, wie wir uns wirtschaftlich dauerhaft verbessern.“

Umso wichtiger sei es, jenen zu danken, „die sich freiwillig und uneigennützig für unsere Stadt und ihre Menschen engagieren, und dies oftmals in aller Stille“, sagte Traub. Die Bürgerstiftung Filderstadt hatte drei Ehrenamtliche ausgewählt, die der Stiftungsvorsitzende Wolfgang Herb beim Empfang als „Stille Helden“ ehrte. Farah Alhamwi, die geflüchtete arabische Frauen betreut, Daniel Appel, in der kirchlichen Jugendarbeit und bei Fridays for Future aktiv, und Anneliese Schraitle, die sich seit Jahrzehnten um Senioren kümmert, erhielten die Auszeichnung „stellvertretend für alle, die mit Blick auf das Gemeinwesen und das Miteinander in der Stadt Verantwortung tragen“, sagte Christoph Traub.

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