Auch streicheln war beim Frühlingsfest erlaubt. Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Traditionell stellt das Tierheim beim Frühlingsfest seine Arbeit den Besuchern vor und sammelt Spenden. Geld kosten nicht nur die Neubauten.

EsslingenDie schönen Sammeltassen waren mit Blick auf den Muttertag sofort weg“, freute sich Margret Bihl. Kaum hatte nämlich das Tierheim seine Pforten geöffnet, herrschte am Sonntagvormittag bereits großer Andrang auf dem reich bestückten Flohmarkt. Rund 80 Ehrenamtliche haben sich vor und hinter den Kulissen für das jährlich stattfindende Frühlingsfest wieder einmal mächtig ins Zeug gelegt. Seit über einem Vierteljahrhundert präsentiert sich der Tierschutzverein am Tag der Begegnung der Öffentlichkeit, informiert über seine Arbeit und trommelt für den guten Zweck. Denn nicht nur für die Finanzierung des inzwischen eingeweihten Neubaus des Hundehauses nebst Quarantäne- und Krankenstation für Katzen auf der Neckarinsel ist der Tierschutzverein weiterhin auf Spenden angewiesen: „Die vermehrte Unterbringung von beschlagnahmten Tieren – man denke an die Transporte von Welpen aus dem Ausland – ist für uns eine große Herausforderungen“, sagte der Leiter des Tierheims Horst Theilinger. „Als die Amerikaner aus den Kasernen in Ostfildern abgezogen sind, haben sie knapp hundert verwilderte Katzen hinterlassen“, erinnerte sich Ilsemarie Hayn an die Anfänge ihres Engagements. Die Ehrenamtlich hatte damals die Samtpfoten nicht nur gefüttert, sondern auch geholfen, diese einzufangen und kam so zum Tierschutz. Seit über 20 Jahre ist Renate Bischoff ebenfalls mit Herzblut dabei. Seit dem habe sich viel zum Positiven entwickelt: Man besuche inzwischen die Interessierten vor der endgültigen Vermittlung der Vierbeiner und schaue auch einige Monate später nochmals vorbei. So werde verhindert, dass nur noch wenige Tiere zurück gegeben werden müssen. Beide Tierschützerinnen sind sich einig: Wie bei anderen Vereinen gebe es das Problem, dass Ehrenamtliche nicht mehr bei der Stange bleiben. Eine der Ausnahmen ist die Tochter von Renate Bischoff, die als „Gassigeherin“ im Tierheim ihren zukünftigen Mann beim Spaziergang mit den Hunden kennen und lieben gelernt hat. Und während Oma beim Frühlingsfest des Tierheims nun an der Kasse für Essen und Getränke saß, drehte Enkel Maximilian am Glücksrad. „Deine Mutter braucht doch einen Wecker“, bemerkte ein Besucher zu seiner Frau. Der Flohmarkt war wie jedes Jahr ein Magnet. Von Küchengeräten bis zum hin zum Schmuck und Büchern- da schlug das Herz jedes Schnäppchenjägers hoch. „Wir sind wohl ein Geheimtipp“, stellte Usch Böhringer mit einem Schmunzeln fest. Als Zugpferd der Tombola entpuppte sich heuer ein Staubsauger und trotz frostiger Temperaturen strömten zahlreiche Besucher auf die Neckarinsel und warfen neugierige Blicke in das neue Hundehaus: Mischling „Nemo“, schlafend auf dem Kissen zusammengerollt, sorgte für entzückte Ausrufe. Da der Boden der Außenzwinger aufgrund der unbeständigen Witterung noch nicht fertig ist, waren jedoch nur wenige „Hundezimmer“ belegt. Die liebevolle Ausstattung der Katzenpensionszimmer, zu deren Einrichtung der Verein „Bürger für Berber“ beigesteuert hat, wurde ebenfalls bestaunt. Oberbürgermeister Jürgen Zieger bummelt ganz ungezwungen mit Gattin Angela übers Fest. Eine engagierte Tierschützerin war extra aus dem Großraum Stuttgart angereist, um sich wertvolle Tipps für die Einrichtung eines Igelgeheges zu holen. Giulia Mangiacotti, die im Esslinger Tierheim eine Ausbildung zur Tierpflegerin absolviert, informierte unter anderem über tierversuchsfreie Wasch- und Reinigungsmittel. Tanja Dietrich veranstaltete ein Futterquiz: Kaninchen sollten auf keinen Fall eine im Handel angebotene Körnermischung fressen, brauchten aber täglich Heu zum Knabbern . Für das leibliche Wohl der Besucher war bestens gesorgt. Neben Roter Wurst und Co. gab es ein reichhaltiges Salat- und Kuchenbüffet. Die Tierrettung Mittlerer Neckar lud zu veganen Crepes ein.

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