Nur noch ein zeitgeschichtliches Dokument: In diesem Wahlprospekt für die Gemeinderatswahl 2014 finden sich noch alle Protagonisten unter dem Dach der Freien Wähler – von Hans-Ulrich Rauchfuß über Harald Schmidt bis hin zu Götz Eibich. Foto: oh - oh

Aus für die Freien Wähler in Plochingen: Drei von vier Stadträten kandidieren nicht mehr. Der Vierte steht auf der Liste der CDU - und der Ortsvereinsvorsitzende auf der neuen Unabhängigen Liste Plochingen.

PlochingenAus für die Freien Wähler in Plochingen: Wer in diesem Jahr ihre Kandidaten für die Gemeinderatswahl sucht, wird sie nicht finden. Jedenfalls nicht auf einer Liste dieses Namens. Drei der vier noch amtierenden Stadträte, nämlich Thomas Euchenhofer, Thomas Pressel und der langjährige Stadtrat und Fraktionschef Hans-Ulrich Rauchfuß treten nicht mehr an. Karel Markoc steht nunmehr auf Platz acht der CDU-Wahlgemeinschaft. Und den jedenfalls formal noch amtierenden Vorsitzenden des Ortsvereins der Freien Wähler, Götz Eibich, findet man auf Rang elf der neuen Unabhängigen Liste Plochingen – vor fünf Jahren stand er noch auf Platz 13 der Freien-Wähler-Liste. Die Unabhängige Liste Plochingen ist wiederum mit dem ehemaligen Stadtrat Klaus Hink und einem Bürgerbegehren für ein Plochinger Stadtbad in den Wahlkampf gezogen. Und deren Spitzenkandidat Harald Schmidt hat vor fünf Jahren noch auf Listenplatz sechs vergeblich auf der Liste der Freien Wähler für einen Sitz im Alten Rathaus kandidiert.

Existieren die Freien Wähler in Plochingen überhaupt noch? Rauchfuß: „Das frage ich mich auch.“ Die Webseiten des Ortsvereins sind deaktiviert. Götz Eibich, seit rund zehn Jahren Vorsitzender des Vereins, sagt, dass er demnächst die Briefe zur Auflösung des Vereins an die Mitglieder verschicke. Seinen Angaben zufolge sind das gerade noch sechs oder sieben. Den Verein gebe es nur noch auf dem Papier.

„Götz Eibich hat sich in den vergangenen fünf Jahren nie um uns gekümmert“, klagt Apotheker Rauchfuß, seit 27 Jahren im Plochinger Gemeinderat und Präsident des Schwäbischen Albvereins und des Wandervereins. Die Aktivposten der Freien Wähler in Plochingen seien alleine die vier Gemeinderatsmitglieder gewesen. „Wir haben alle Last getragen.“ Der Ortsvereinsvorsitzende habe keine Versammlung mehr einberufen, habe weder zurückgerufen noch auf Mails geantwortet. Dass sein Name dann auf der Unabhängigen Liste Plochingen aufgetaucht sei, „hat mich doch sehr verwundert“. Eibich indessen gibt den Schwarzen Peter an die Gemeinderatsfraktion zurück. Er wolle keine Gräben aufreißen, doch das Miteinander funktioniere schon deutlich länger als fünf Jahre nicht mehr. Die Vereinsmitglieder hätten sich von den Fraktionsmitgliedern „Informationen“ aus dem Gemeinderat erwartet – aber nie bekommen. Wenn man für die Kandidaten die Wahlplakate klebe, müsse man die Vereinsmitglieder aber „mit etwas füttern“. Zudem habe die Gemeinderatsfraktion auch in der Öffentlichkeit nichts von sich hören lassen und kein Profil gezeigt – was er sich im Gegensatz zu den Freien Wählern jetzt von der Unabhängigen Liste Plochingen erwarte. Deshalb habe auch das Freie-Wähler-Mitglied Harald Schmidt die Seite gewechselt.

Jedenfalls ist es den Freien Wählern nicht gelungen, eine Liste für den neuen Gemeinderat zusammen zu bekommen. Rauchfuß verweist auf die Schwierigkeiten der Selbstständigen, Gewerbetreibenden und Freiberufler, ihr Erwerbsleben und ihr sonstiges Engagement mit dem arbeitsreichen Ehrenamt und den festen Sitzungszeiten zu verbinden. Das war sowohl für den Architekten Thomas Euchenhofer als auch für den Fotografen Thomas Pressel der Grund, nicht mehr für den Gemeinderat zu kandidieren. „Ich bin seinerzeit nachgerückt ins Gremium und seit vielen Jahren nebenbei auch noch Vorsitzender des Stadtmarketing, ich schaffe das einfach zeitlich nicht mehr“, sagt Pressel. Auch Euchenhofer, seit zwölf Jahren in der Ratsrunde, berichtet, dass der hohe Zeitaufwand und die Sitzungstermine für ihn als Chef eines kleinen Büros in einer boomenden Baubranche zunehmend schwierig geworden seien. Der Versuch, neue Gesichter für eine Liste zu gewinnen, ist gescheitert. Das Abtauchen des Ortsvereinsvorsitzenden sei da nicht hilfreich gewesen. „Den Ortsverein konnte man nicht wachküssen“, sagt Euchenhofer.

Der Immobilienmakler Karel Markoc wollte gerne im Gemeinderat bleiben. „Da wir in vielen Punkten mit der CDU der gleichen Meinung sind“, sei er der Anfrage der CDU-Wahlgemeinschaft gefolgt, auf ihrer Liste zu kandidieren, berichtet ­Markoc.

Rauchfuß bedauert das Ende der Freien Wähler im Rathaus, die einst aus den Jungen Bürgern Plochingen hervorgegangen seien und lange als Bürgervereinigung Plochingen firmiert hatten. Egal, ob der Ortsverein aufgelöst wird oder nicht: „Die Unabhängige Liste Plochingen ist jedenfalls nicht unsere Nachfolgerin. Das Gedankengut, das sie vertritt, und das, was wir vertreten, sind zwei verschiedene Welten“, betont Rauchfuß. Eibich räumt ein, dass er persönlich sehr gerne das Wahlprogramm der neuen Unabhängigen Liste Plochingen, „das in den nächsten Tagen kommen wird“, unter dem etablierten Namen der Freien Wähler hätte laufen lassen. Aber seine Mitstreiter hätten bewusst einen Kontrapunkt setzen wollen und gesagt: „Für uns ist der Name ,Freie Wähler’ verbraucht.“

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