Redakteurin Inga Keutmann erklärt Messebesuchern „Flügelschlag“, das „Kennerspiel des Jahres 2019“. Foto: Fabian Ziehe - Fabian Ziehe

Die Spielemesse, die im Rahmen des Messeherbstes noch bis Sonntag stattfindet, lockt mit 120 Ausstellern ein breites Publikum an: Neben Spieleerfindern und Experten sind in Messehalle 1 viele Familien mit Kindern zu sehen.

StuttgartWolfgang Kramer sitzt tief gebeugt über dem Spielplan, versunken in die „6 nimmt! Brettspiel“-Partie. Seine Stirn berührt fast die Tischplatte. Die Spieleautoren-Legende hat drei Messebesucher um sich gescharrt, die die Variante seines Kartenspiel-Klassikers testen. Er schaut auf, grüßt lächelnd, versinkt wieder im Spiel. Die meisten Leute, sagt seine Frau Ursula am Nachbartisch, erkennen den mehrfachen Spiel-des-Jahres-Gewinner und ersten hauptberuflichen Spieleerfinder weltweit gar nicht. „Dann fragen sie, ob das Spiel von ihm ist – und sind ganz begeistert.“

Es ist Freitag, der zweite Tag der Stuttgarter Spielemesse im Rahmen des Messeherbstes. Am Morgen war schon ordentlich Trubel in Halle 1, zumal Verzögerungen im S-Bahn-Betrieb die Besucher verspätet und geballt am Flughafenbahnhof ausspuckten. Jetzt, um die Mittagszeit, ist Platz zum Schlendern, Stöbern und Probespielen zwischen den Ständen der gut 120 Aussteller – kleine Firmen und Vereine aus der Region und fast alle großen deutschen und österreichischen Verlage.

Viele Angebote für Kinder

„Die Messe ist gewachsen, und es sind auch weitaus mehr Besucher als noch vor fünf Jahren“, sagt Ursula Kramer, die mit ihrem Mann schon für die Spieleautorenzunft (SAZ) die Messe besuchte, als sie noch auf dem Killesberg stattfand. Das Interesse an Brettspielen sei deutlich gestiegen – das falle auch in Stuttgart auf. Anders als die große internationale Spielemesse in Essen sind hier viele Familien unterwegs – und am Freitag auch viele jüngere Kinder. Am Stand des Spielwaren-Herstellers Hape sitzen Tanja Widera und Diana Michel, sie beobachten ihre zwei Fünfjährigen beim Spielen und plaudern. Sie sind seit drei, vier Jahren Dauergast der Spielemesse. „Das ist toll für die Kinder“, sagt Diana Michel. „Das ist jedes Jahr ein Highlight.“ Klar schaue man auch in die anderen Messen rein. Aber das Hauptinteresse der Kinder liegt auf dem Mix von Holzspielzeug, Brettspielen und Lego – und was da geboten werde, sei „völlig ausreichend für die Kinder“, so Tanja Widera.

Viele Besucher kommen zum Shoppen – bei Spielwaren Kurtz ist mächtig was los. Daneben hat eine Nürtinger Initiative ihren Stand: Die Philipp-Matthäus-Hahn-Berufsschule verkauft Spieleklassiker, die Schreiner-Lehrlinge mit der CNC-Fräse herstellen. Der Erlös kommt seit 35 Jahren Jung-Schreinern im Kongo zugute, die eine Grundausstattung an Werkzeug bekommen. Berufsschullehrer Albrecht Koch, der das Projekt mit aufgebaut hat, verkauft die Spiele. Er freut sich auch, wenn die Leute nur die gute Idee mitnehmen. Was sie dieses Mal erlösen – er ist mal gespannt: „Wann es hier wirklich abgeht, das ist am Samstag und Sonntag.“

Das bestätigen Marc und Carsten. Die 18-Jährigen aus Sindelfingen waren schon die Jahre zuvor da – und an manchen Freitagen fand man kaum einen Platz auf der Spieleinsel, dem Areal mit Tischen und einer Spieleausleihe. „Wir wollen Spiele ausprobieren“, erklärt Marc. „Das ist besser, als sie gleich zu kaufen“, sagt Carsten. Obwohl Marc Informatik studiert: Brettspiele locken ihn mehr als Videospiele. Carsten pflichtet bei, das „Gruppending“ böte ein „anderes Feeling“.

Eine Insel zum Ausprobieren

Die Spieleinsel, so der stellvertretende Sprecher der Messe Stuttgart, Andreas Wallbillich, sei das „Herzstück“. Dort halte die Schau, was sie verspreche: Es kann probiert, gespielt werden. Der Zuspruch der Aussteller freue ihn, zumal der Termin mit Blick auf Weihnachten „optimal“ sei. Die Kombination mit den anderen Messen helfe – wer zur einen Messe komme, schaue auch mal eine Halle weiter. Besucherzahlen gebe es erst am Sonntag, aber: „Die Messe ist super losgelaufen.“

Das erste Mal dabei ist der Verlag Feuerland, der mit „Flügelschlag“ das „Kennerspiel des Jahres 2019“ gewonnen hat. Inga Keutman ist deutsche Redakteurin des Spiels. Hier nun erklärt sie Besuchern die Regeln. „Ich mache das gerne – man kann den Leuten das Spiel so ganz anders näher bringen.“ Eigentlich verlegt Feuerland Experten-Klopper. Das hübsche und nicht zu komplizierte „Flügelschlag“ ist indes familienkompatibel. Das sei auf dieser Messe sinnvoll. Dass in Stuttgart gerade Familien angesprochen werden, ist für sie okay: „Ich finde es gut, dass es hier so viele Mitmachangebote für Kinder gibt.“ Ob Feuerland nächstes Jahr wieder dabei ist? Sicher ist das noch nicht. Aber wahrscheinlich.

Die Spielemesse im Rahmen des Messeherbstes ist Samstag und Sonntag von
9 bis 18 Uhr geöffnet. Die Tageskarte für alle Messen kostet 15 Euro.

Der Messeherbst

Genau 1492 Aussteller zählt der Stuttgarter Messeherbst. Vom 21. bis 24. November wird Besuchern Themenvielfalt geboten – mit sieben Teilmessen: „Familie & Heim“, „Kreativ“, „Modell + Technik“, „Spielemesse“, „Animal“, „Eat & Style“, „Mineralien, Fossilien, Schmuck“ und „veggie & frei von“. Neu ist das „Morgenmacher Festival“, das Entwickler, Forscher und Tüftler zusammenbringt.

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