Ratlos: Mats Hummels, Joshua Kimmich, Kevin Trapp und Antonio Rüdiger (v. li.) Foto: imago/Beautiful Sports

Das desaströse 0:2 gegen Österreich markiert nicht nur den Tiefpunkt des Länderspieljahres – es zeigt auch: Schon das Überstehen der Vorrunde wäre bei der EM im Sommer ein Erfolg, kommentiert Sportreporter Marco Seliger aus Wien.

Das Pflänzchen namens Aufbruchstimmung unter dem neuen Bundestrainer Julian Nagelsmann? Verwelkt! Die Verfassung der DFB-Elf in den zurückliegenden Spielen gegen die Türkei und gegen Österreich? Desaströs, vor allem in Wien. Die Stimmung vor der Heim-EM im Sommer? Am Boden.

Schlimmer geht es nimmer, so dachte man irgendwann, als Joachim Löw nicht als Bundestrainer aufhören wollte und so einen überfälligen Neuanfang verhinderte. Schlimmer geht es nimmer, das dachte man spätestens zum Ende der Amtszeit des heillos überforderten Löw-Nachfolgers Hansi Flick. Schlimmer geht nimmer?

Von wegen. Schlimmer geht immer!

Der Auftritt beim peinlichen 0:2 von Wien zeigte, dass bei der deutschen Elf offenbar immer alles noch schlechter werden kann. Die Niederlage gegen Österreich markiert den Tiefpunkt eines miserablen Länderspieljahres. Mehr noch: Das deutsche Team wirkte in Wien nicht konkurrenzfähig. Etliche Spieler außer Form, dazu ein Trainer, der zum Amtsantritt sagte, dass er die Dinge einfach halten wolle, und nun unnötigerweise alles verkompliziert hat mit Systemumstellungen und personellen Rochaden: Das ist die aktuelle fatale Mischung des Nationalteams.

Klar, es gibt in der DFB-Elf noch immer keine konkurrenzfähigen Außenverteidiger, weil diese Position im deutschen Fußball in der Ausbildung zu lange vernachlässigt wurde. Es gibt in Niclas Füllkrug nur einen halbwegs brauchbaren Stürmer. Auch hier sind es die Versäumnisse in der Jugendarbeit, die mehr denn je durchschlagen. Dafür kann Nagelsmann nichts.

Das Erschreckende aber ist, dass es auch er nicht schafft, die Ansammlung an Hochbegabten in der Offensive zusammen ins Rollen zu bringen. Und dass es auch ihm nicht gelingt, auch nur einen Hauch von Stabilität in die Defensive zu bekommen.

All das führt zum Schluss, dass das Überstehen der EM-Vorrunde im Sommer 2024 schon ein Erfolg wäre. WM-Vorrunden-Aus 2018, EM-Achtelfinal-Aus 2021, WM-Vorrunden-Aus 2022 – und nun droht beim Heim-Turnier das nächste Horrorszenario. Deutschland, vierfacher Weltmeister, im Winter 2023: Traurig Fußballland!