Uwe Rilling, Werner Reichelt und Dieter Leisterer Quelle: Unbekannt

Auch im 19. Jahr nach der Gründung der SG Esslingen wird klar: im Verein passt es einfach gut zusammen.

Esslingen„Wir hatten Puzzleteile gemacht. Was hat der SV Mettingen, was hat der TSV RSK Esslingen“, erinnert sich Uwe Rilling. „Wo es bei den einen gefehlt hat, das haben die anderen gehabt. Es hat echt gut zusammengepasst.“ So gut zusammen passt es auch im 19. Jahr nach der Gründung der SG Esslingen. Rilling vom TSV RSK Esslingen und Dieter Leisterer vom SV Mettingen sind die Gründerväter der Spielgemeinschaft. Beide waren im April 2001 die Handball-Abteilungsleiter ihrer jeweiligen Vereine und hatten die SG-Vorstandschaft übernommen, mittlerweile haben sie sich aus ihren Ehrenämtern zurückgezogen, sind aber mit vollem Herzen beim EZ-Pokal dabei, den die SGE in diesem Jahr ausrichtet. Zusammen mit Werner Reichelt, der 17 Jahre lang Spielleiter und Organisationsleiter beim TSV RSK war und nun Sportvorstand ist, erinnern sie sich, wie es zur SG kam.

„Im Jahr 2000 ist der Dieter Leisterer zum ersten Mal mit der SG-Idee auf mich zugekommen“, erzählt Rilling, „da war ich ganz frisch in der Rolle als Abteilungsleiter und meine erste Amtshandlung war, die Verbandsliga-Frauen des TSV RSK abzumelden. Wir hatten nämlich einen Trainer, aber keine Spielerinnen mehr.“ Beim SVM gab es schon länger Personalprobleme in den Jugendteams und den Erwachsenen-Mannschaften. Für den TSV RSK kam die SG-Idee überraschender.

Verbindungen zwischen den Vereinen gab es schon vor der SG-Gründung: „Ich bin ein altes SVM-Gewächs“, sagt Leisterer, „meine Frau, Jutta Lowin-Leisterer, ist vom TSV RSK und dort die heutige Vorstandsvorsitzende. Da waren die beiden Vereine zuhause immer das Thema. Dadurch ist es etwas leichter gefallen, Gespräche zur SG-Idee zu führen.“ Rillings Frau tanzte in der Jazztanz-Gruppe von Lowin-Leisterer, „man kennt sich schon 40 Jahre“, sagt Rilling. „Aber deswegen hatten wir uns trotzdem nicht als Handballer angefreundet, als Menschen schon, aber es gab eine große Rivalität.“ Als die Gespräche dann mal liefen, kam es schnell zur Spielgemeinschaft.

Rilling nimmt das allererste gemeinsame SGE-Heft zur Hand: „Wenn man da so reinschaut, sieht man lauter lachende Gesichter. Schon in der ersten Saison gab es nur gemischte Mannschaften. Die haben sich auch alle gleich vertragen – und vertragen sich auch heute noch.“ Es sind tiefe Freundschaften und nachhaltige Verbindungen, sogar Familien entstanden. „Es sind auch Kinder herausgekommen, die jetzt schon bei den Aktiven spielen“, sagt Reichelt und lacht.

Die Veränderungen im Handball waren für beide Vereine positiv: Die Frauen starteten zwar in der Bezirksliga, dem Platz des SVM, nachdem Rilling das Verbandsliga-Team hatte abmelden müssen. Aber es gab drei Männerteams, die Jugendmannschaften waren gut und in allen Altersklassen besetzt. „Und wir hatten auch die Hallenkapazitäten von beiden Vereinen, sodass wir dann auch ausreichend Hallenzeiten und auch Trainer hatten“, sagt Leisterer. Mettingen hatte damals und hat bis heute keine eigene Handballhalle, sondern nutzte die Schelztorhalle mit. Der TSV RSK spielte in der Halle in Sulzgries. Leisterer erinnert sich: „Auch bei den Schiedsrichtern waren wir super aufgestellt, waren sogar im Übersoll.“ Es kamen auch gemischte Gespanne aus RSK und SVM zustande. „Wir haben nach wie vor keine Probleme, Schiedsrichter zu stellen, obwohl wir die kleinste Spielgemeinschaft im Bezirk sind“, sagt Reichelt stolz.

Das Gefühl, zusammenzugehören, sei schnell entstanden. Jeder habe zwar noch ein bisschen RSK- oder SVM-Identität in sich, „aber relativ schnell hat man vom Verein SG gesprochen, dabei ist es ja „nur“ eine Spielgemeinschaft“, sagt Rilling. Was beim Zusammenwachsen half – und dafür war und ist der SVM besonders bekannt – war das gemeinsame Feiern. Schon kurz nach dem Zusammenschluss, am 15. Juli 2001, richtete die SG die HVW-Oldie-Masters aus. Ein Fest, an das sich alle drei noch gut erinnern können. „Da war Volksfeststimmung“, sagt Leisterer über die Feier auf dem SVM-Gelände, wo er selbst mit seiner AH-Gruppe „Die fantastischen Sieben“ Auftritte hatte. „Es war uns immer wichtig, in RSK und in Mettingen was zu machen, immer abwechselnd“, sagt Leisterer.

Die SG startete eine Kooperation mit der Grund- und Hauptschule Sulzgries. Zudem richtete die Spielgemeinschaft Familientage aus, bei denen die Senioren beider Stammvereine eingeladen wurden. „Das war ein paar Jahre lang eine richtige Institution“, sagt Reichelt.

Vor zehn Jahren ließen solche Aktivitäten nach. Es wurde knapper, alle Teams zu besetzen. Das wirkte sich aus: Seit der vergangenen Saison umfasst die SGE nur noch die Mannschaften im Erwachsenenbereich, die Jugend spielt unter dem Dach JSG Team Esslingen. Beide Erwachsenenteams, die Männer und Frauen, sind in der vergangenen Saison abgestiegen. Die Männer, die vom ehemaligen Vorsitzenden Oliver Cosalter trainiert werden, wollen aus der Kreisliga B den Wiederaufstieg schaffen. Das wollen auch die Frauen, die in der Bezirksklasse unter Tina und Frank Rilling (Uwe Rillings Bruder) den Neustart wagen. Durch die Gründung der JSG Team Esslingen musste der Förderverein der SG-Jugendarbeit, geleitet von Rainer Gnüchwitz und Thilo Huber, aufgelöst werden.

2007 rief die SG zusammen mit der SG Hegensberg/Liebersbronn und dem Team Esslingen mit das Marktplatzturnier ins Leben, Reichelt war daran maßgeblich beteiligt. Ein Zusammenschluss der drei Spielgemeinschaften steht seit Jahren im Raum. „Es ist der alte Traum, zusammenzugehen und eine große, drittligataugliche Handballspielgemeinschaft zu gründen“, sagt Reichelt. „Es ist ein zäher Prozess, der sich nicht übers Knie brechen lässt.“

Für Leisterer schließt sich mit dem EZ-Pokal 2020 der Kreis: Der SV Mettingen war 1995 der allererste Verein, der das Turnier ausrichtete. „Wir haben jahrelang in der SG darüber gesprochen, den EZ-Pokal auszurichten“, sagt Reichelt und wird nachdenklich. „Es war immer der Traum von Gogo.“

Der SGE-Vorsitzende Jürgen „Gogo“ Zocher war im vergangenen Mai überraschend verstorben. Ein Schock für die SG Esslingen. „Da waren die Vorbereitungen für den EZ-Pokal schon im Gange. Wir haben kurz überlegt, ob wir das trotzdem schaffen. Aber dann sagten wir uns: Jetzt erst recht“, erklärt Reichelt. „Gogo hat mit allen Festen immer irgendwas zu tun gehabt“, sagt Leisterer. „Er war immer vorne dabei bei der Organisation“, ergänzt Reichelt. Daher findet der EZ-Pokal auch zu seinen Ehren statt.

Seit Zochers Tod ist Johannes Digel alleiniger Vorsitzender der SG. Rilling und Leisterer sind beratend noch im Hintergrund dabei. Aber eines ist allen klar: „Beim EZ-Pokal sind wir natürlich in der Halle“, sagt Rilling „allein zum Schaffen.“

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