Quelle: Unbekannt

Eine riesige Überraschung gelang Pascal Bader (parteilos) am Sonntag bei der OB-Wahl in Kirchheim. Mit 70,9 Prozent der Stimmen kegelte er Amtsinhaberin Angelika Matt-Heidecker (SPD) aus dem Amt.

KirchheimAn diesem Ergebnis gibt es nichts zu rütteln – höchstens zu deuteln: Der klare Sieger der Kirchheimer Oberbürgermeisterwahl heißt Pascal Bader. Mit mehr als 70 Prozent der gültigen Stimmen hat der parteilose Volkswirtschaftler eine satte Zwei-Drittel-Mehrheit auf sich vereint. Für Amtsinhaberin Angelika Matt-Heidecker (SPD) blieben damit weniger als 30 Prozent der Wählerstimmen übrig: Nach 16 Jahren wird sie den Chefsessel des Kirchheimer Rathauses Anfang März räumen müssen. Eine dritte, wenn auch verkürzte Amtszeit haben ihr die Wähler in aller Deutlichkeit verwehrt. Wenn der Wahlabend eines gezeigt hat, dann war das die herrschende Wechselstimmung.

Gerade mal drei Wochen hatte der Wahlkampf gedauert. Noch keine vier Wochen war es her, dass der Wahlsieger überhaupt seine Kandidatur bekannt gegeben hatte – am letzten Tag der Bewerbungsfrist.

Im großen Sitzungssaal des Rathauses gab es am Sonntagabend schon recht schnell Analysen. „Offensichtlich haben die Wähler nur darauf gewartet, dass sich noch jemand meldet“, hieß es da. Auch Mitgefühl für die Amtsinhaberin kam auf: „So aus dem Amt gekegelt zu werden, ist auf jeden Fall unverdient“, sagte ein Stadtrat, lange bevor das Endergebnis feststand.

Was es im Rathaus nicht mehr gab, war so etwas wie Spannung: Von den ersten Wahlbezirken an, deren Ergebnisse über die Leinwand flimmerten, war klar, dass der Herausforderer die Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht hat. Von Wahlbezirk zu Wahlbezirk hat er diesen Vorsprung nicht mehr abgegeben. In keinem einzigen Wahlbezirk kam Angelika Matt-Heidecker auch nur annähernd in den Bereich einer eignen Mehrheit.

Spannend war es also nur noch, wie die Beteiligten reagieren würden. Als das Endergebnis um 18.59 Uhr feststand, brandete Jubel im überfüllten Ratssaal auf. Sollte die Versammlung dort dem Durchschnitt der Wähler entsprochen haben, konnten sich ja auch über 70 Prozent der Anwesenden über den Ausgang der Wahl freuen. Einem Alt-Stadtrat blieb nur noch die Feststellung: „So ist Demokratie.“ Auch wenn er selbst wohl anders gewählt haben dürfte, respektierte er somit die Meinung der Mehrheit. Inzwischen hatte sich bereits die Stadtkapelle ihren Weg durch die Menge gebahnt, um zunächst unter der Leitung von Marc Lange ihr gewohntes Repertoire der sinfonischen Blasmusik zu verlassen und eher zünftig aufzuspielen – passend zur Volksfeststimmung der großen Mehrheit im Saal.

Dass Marc Lange den Taktstock an den Wahlsieger weitergab, hatte großen symbolischen Charakter: Pascal Bader dirigierte „El Capitan“ – ein geeigneter Titel für den künftigen Chef der Verwaltung. Trotzdem steht nicht zu erwarten, dass er außer dem Posten des Oberbürgermeisters, den er quasi aus dem Stand erobert hat, nun auch noch Ambitionen entwickeln könnte, in Personalunion zugleich das Amt des Stadtmusikdirektors zu übernehmen.

Zwischen den Musikstücken ergriff Wahlleiter Günter Riemer das Mikrofon – um beiden Bewerbern zu danken, für die Belastung, die sie im Wahlkampf auf sich genommen hatten. Wahlsieger Pascal Bader empfahl er, bis zur Amtsübernahme in drei Monaten die Ruhe zu genießen. Für Angelika Matt-Heideckers Situation zeigte er Verständnis mit den Worten: „Der zweite Platz ist nicht schön.“

Sie selbst stellte fest: „Ich weiß, dass diese Verwaltung sehr gut aufgestellt ist. Wir haben gut zusammengearbeitet und werden das auch noch drei Monate lang tun.“ Dafür gab es lang anhaltendes Klatschen im Saal.

Das griff Pascal Bader auf: „Der Applaus hat gezeigt, dass 16 gute Jahre hinter uns liegen und dass wir eine gute Basis haben, um jetzt die Herausforderungen der Zukunft anzugehen.“ Vom Ergebnis zeigte er sich überwältigt: „Das ist ein riesiger Vertrauensvorschuss, den ich erhalten habe. Ich werde mir alle Mühe geben, dieses Vertrauen zu erfüllen und meine Aufgabe gut zu machen.“ Was ihm nicht ganz so gefiel, war die vergleichsweise geringe Wahlbeteiligung von 40,18 Prozent: „Da hätte ich mir mehr gewünscht.“

Morgen wird er allerdings erst wieder seine Arbeit als Referatsleiter im baden-württembergischen Umweltministerium aufnehmen, um sie in den kommenden drei Monaten zu einem guten Abschluss zu bringen.

Ein Kommentar von Harald Flößer

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