Der Vereinsvorsitzende Fritz Gneithing ist stolz auf ein eigens gebautes „Insektenhotel“. Quelle: Unbekannt

Zwischen der Mettinger Kelter und den Weinbergen haben die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins ein kleines Paradies geschaffen.

ES-MettingenWer durch die Esslinger Weinberge geht, kann oberhalb der Mettinger Kelter ein kleines Paradies entdecken: Auf einem weitläufigen Hanggrundstück hat der örtliche Obst- und Gartenbauverein (OGV) vor Jahren einen Lehr- und Schaugarten angelegt, den der Vorsitzende Fritz Gneithing und seine Mitstreiter seither mit Herzblut und dem nötigen Fachwissen hegen und pflegen. Derzeit ist ein Besuch in der Anlage ein ganz besonderes Erlebnis, schließlich grünt und blüht es allenthalben. Und man spürt sofort, wie einen die wohltuende Ruhe umfängt, die dieses zauberhafte Stück Natur ausstrahlt. „Für unseren Verein ist dieser Garten ein unverzichtbarer Kristallisationspunkt geworden“, sagt Gneithing. Wie sehr viele seiner Mitglieder hinter diesem Gedanken stehen, spürt der Vereinsvorsitzende immer dann, wenn es ans Arbeiten geht. Denn da sind in der Regel viele zur Stelle.

Die Geschichte des OGV-Ver­eins­gartens beginnt 2005. Damals stand das 23 Ar große Grundstück zum Verkauf, und die Stadt Esslingen griff vorsorglich zu, weil das Gelände irgendwann als Erweiterungsfläche für den Mettinger Friedhof gebraucht werden könnte. Der Obst- und Gartenbauverein hatte schon länger ein Auge auf dieses Stückchen Land geworfen und klopfte einfach mal im Rathaus an. Und im städtischen Grünflächenamt war man nicht undankbar, dass die rührigen Vereinsmitglieder anboten, sich um Gestaltung und Pflege zu kümmern. „Das war ein schönes Stück Arbeit“, erinnert sich Gneithing. „Das Grundstück sah ziemlich wild aus. Wir mussten erst mal kräftig aufräumen.“ Mehrere Großcontainer mit Müll und Schrott wurden damals gefüllt und abtransportiert, dürre Bäume und Gestrüpp wurden fachkundig entfernt. Erst dann konnten die Obst- und Gartenbauer mit der Gestaltung ihres neuen Lehr- und Schaugartens beginnen.

Solch ein Garten ist nie fertig

„Wenn man sich die Anlage heute anschaut, kann man sich gar nicht mehr vorstellen, wie es hier früher einmal gewesen ist“, erzählt der Vereinsvorsitzende. Heinz Koch war damals einer der ersten, die die Neugestaltung zusammen mit weiteren Engagierten in die Hand nahm. Gemeinsam verpassten sie dem Vereinsgarten eine unverwechselbare Handschrift, die bis heute abzulesen ist. Dazu musste das Hanggelände teils neu modelliert und terrassiert werden. Erde und Steine, die dafür nötig waren, wurden zum Teil von der Baustelle der Landesmesse geholt. Doch trotz dieser schweißtreibenden Arbeit waren die Vereinsmitglieder mit großem Engagement bei der Sache und machten das Projekt zu ihrem gemeinsamen Anliegen. Das ist bis heute so geblieben.

„Wenn es im Garten etwas zu tun gibt, sind immer Leute zum Helfen da“, erzählt Mahmoud Abu-Taye, der genau wie Fritz Gneithing seit 1989 Mitglied im OGV ist. „Und wenn man hinterher sieht, was man zusammen alles geleistet hat, macht das noch mehr Freude. Solch ein Garten ist niemals fertig. Da gibt es das ganze Jahr lang immer etwas zu tun.“ Wie sehr alle hinter diesem Gedanken stehen, spürt man bis heute. Die Anlage ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet und immer akkurat gepflegt. Das bemerkt schon der Spaziergänger, der auf dem oberhalb vorbeiführenden Feldweg durch die Weinberge geht. Noch viel reizvoller ist es jedoch, dem Lehr- und Schaugarten einen Besuch abzustatten. Gelegenheit dazu bieten zum Beispiel die Gartentreffs, die in der Sommerzeit regelmäßig stattfinden. Und natürlich gibt es von Zeit zu Zeit auch Informationsveranstaltungen, in denen die erfahrensten Obst- und Gartenbauer ihr reiches Wissen an andere Hobby-Gärtner weitergeben. „Immerhin haben wir vier Fachwirte im Verein, die auf die allermeisten Fragen eine Antwort haben“, versichert Gneithing.

Es ist immer wieder ein Erlebnis, durch den Lehr- und Schaugarten des Obst- und Gartenbauvereins Mettingen zu gehen: Junge und alte Obstbäume stehen Seite an Seite und ergänzen sich mit alten Laub- und Nadelbäumen, Hecken und Ziersträuchern. In den verschiedenen Beeten gedeihen Rosen, Stauden, Gewürzkräuter, Rhododendren, Azaleen, Pfingstrosen und Hortensien prächtig. Himbeeren und Johannisbeeren haben ihren Platz, in Form geschnittene Buchs- und Eibenbäumchen umranden Beete und Wege. Und wenn im Vereinsgarten zum Beispiel Anfang September die alljährliche Kirbehocketse gefeiert wird, haben die OGV-Mitglieder von Bierbänken und -tischen bis hin zum großen Grill so ziemlich alles zur Verfügung, was für ein zünftiges Fest gebraucht wird. Perfektion wird eben großgeschrieben.

Besonders freuen sich Fritz Gneithing und seine Mitstreiter, wenn sich der Nachwuchs für ihre Arbeit interessiert. „Die Kinder aus den Mettinger Kindergärten und der Grundschule sind bei uns immer willkommen“, versichert Fritz Gneithing. Besonders gerne kommen die Jungs und Mädchen im Herbst in den Lehr- und Schaugarten, denn dann wird dort geerntet. „Wir zeigen den Kindern, wie man richtig erntet und schauen darauf, dass die Früchte, die bequem für sie zu erreichen sind, so lange hängen bleiben“, verrät Gneithing. Und wenn sich der Nachwuchs dann mit prall gefülltem Bollerwagen wieder verabschiedet und die reiche Ernte stolz mit nach Hause nimmt, freuen sich auch die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Mettingen. „Man kann schließlich nicht früh genug damit beginnen, sich für Natur und Garten zu interessieren“, findet der Vorsitzende, der solche Angebote unschätzbar wichtig findet – ganz besonders in Zeiten, in denen längst nicht mehr jedes Kind Gelegenheit hat, mit der Natur in Kontakt zu kommen.

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