Die Zeitung im Visier von Cyberkriminellen. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Die Heilbronner Stimme erscheint nicht mehr – das System wurde gehackt. Von den Lesern gibt es Zuspruch, der Fortgang ist ungewiss, sagt Chefredakteur Uwe Ralf Heer.

Immer wieder waren deutsche Medienhäuser in den vergangenen Jahren Cyberangriffen ausgesetzt. Diese hatten teilweise wochenlang Auswirkungen unter anderem auf Zeitungsproduktionen. Aktuell sind bei der „Heilbronner Stimme“ die IT-Experten gefragt wie nie. Die Zeitung wurde am Freitag gehackt – und erscheint nicht mehr in gedruckter Form. Uwe Ralf Heer, Chefredakteur der „Heilbronner Stimme“, zu Reaktionen, Einschätzungen – und der Frage, wie es mit der Zeitung weiter geht.

Herr Heer, haben Sie an diesem Wochenende geschlafen?

Sehr wenig. Aber da geht es mir wie allen Kollegen in der IT, die hier rund um die Uhr gearbeitet haben. Das sind Zeiten, die wir so noch nie erlebt haben.

Wer hat den Angriff als erster bemerkt?

Ganz genau kann ich das gar nicht sagen. Es war in der Nacht zum Freitag gegen halb drei. Da ging in der Druckerei nichts mehr und an mehreren Stellen bei uns in der Mediengruppe ist ein Bekennerschreiben aufgetaucht, ganz klassisch, auf Papier.

Wer bekennt sich und was will er?

Das darf ich leider nicht sagen. Dazu sollen wir uns bedeckt halten, sagt die Polizei.

Wird es in Heilbronn bald wieder eine Zeitung geben?

Für mich war es ein Wunder, dass wir für den Samstag eine Notausgabe mit sechs Seiten auf Papier hinbekommen haben. Produziert in Bretten, gedruckt in Karlsruhe und dann an alle Haushalte verteilt. Für den Montag haben wir mit vielen Hilfskonstruktionen ein E-Paper mit 28 Seiten gemacht. So machen wir erst einmal weiter. Wann es uns wieder gedruckt gibt, weiß ich nicht. Das kann schnell gehen oder auch nicht.

Gab es Reaktionen von den Lesern?

Sehr viele, und erfreulicherweise gibt es viel Zuspruch. Da heißt es dann: kämpft weiter.

Waren Sie schlecht geschützt?

Ein klares Nein. Das sagen uns auch die Experten.

Wie hoch ist der finanzielle Schaden?

Das ist im Augenblick noch gar nicht abschätzbar. Wir sind noch in der Analyse und wissen noch nicht einmal, welche PCs noch funktionieren und welche auf den Schrottplatz müssen, das gilt auch für alle Systeme im Produktionsablauf.

Wie macht man ein E-Paper ohne PC?

Wir haben das auf den Rechnern gemacht die noch funktionieren, und alles bei uns im Hauptstandort.