Nach Ostern übernimmt das Land die Coronatests an Schulen. Von den Städten kommt Kritik: Das Vorgehen des Landes sei ein Unding, schimpft etwa der Karlsruher OB Frank Mentrup (SPD).
Stuttgart - Die Teilnahme am Präsenzunterricht wird für die 1,5 Millionen Schüler in Baden-Württemberg künftig an die Vorlage von zwei negativen Coronatests pro Woche geknüpft. Eine entsprechende Kabinettsvorlage wird nach Informationen unserer Zeitung noch in dieser Woche von der geschäftsführenden grün-schwarzen Landesregierung im Umlaufverfahren beschlossen. Schüler, die sich nicht testen lassen wollen, sollen nur noch am Fernunterricht teilnehmen dürfen. In Sachsen gilt bereits eine Testpflicht an Schulen.
Damit entspricht das Land einmütigen Forderungen, die laut Angaben von Teilnehmern bei dem Bildungsgipfel von Lehrerverbänden sowie Schüler- und Elternvertretungen bei Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Montagabend vorgebracht worden sind. „Wer am Präsenzunterricht teilnehmen möchte, muss getestet sein“, erklärten die GEW-Landeschefin Monika Stein und der Vorsitzende des Philologenverbands, Ralf Scholl. Alle anderen verweise man auf den Fernunterricht.
Die GEW fordert vom Land Checklisten für den Fall des Falles
Wie das Testregime nach Ostern genau aussehen soll und in welchem Dokument die Testpflicht genau verankert werden soll, ist aber noch nicht geklärt. Das Land und die Kommunen beraten derzeit, wie wöchentlich um die 3,5 Millionen Tests organisiert werden können. Die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein forderte vom Land Checklisten, wer welche Schritte einleiten muss, wenn etwa ein Schüler positiv getestet wird.
Schwierige Fragen mit Blick auf das Testen sind nach Auffassung der Lehrerverbände auch bei Prüfungen wie etwa dem Abitur noch zu lösen, weil für diese Präsenzpflicht gilt. Möglicherweise wird die Testpflicht für die Abschlussklausuren ausgesetzt, heißt es hinter den Kulissen.
Die Kommunen im Land haben ihre eigenen Strategien
Die Städte und Gemeinden haben derweil ihre eigenen Teststrategien entwerfen müssen. Das Land kündige ein eigenes Testangebot für Personal und Schüler an, „bietet dazu aber keinerlei Infrastruktur und Strategie“, kritisierte ein Sprecher der Stadt Pforzheim. „Schulen und Kitas zu öffnen und erst nach den Osterferien regelmäßige Testmöglichkeiten zu planen ist ein Unding“, sagte auch der Karlsruher OB Frank Mentrup (SPD).
In Pforzheim werden die Schüler, so sie wollen, seit Mitte März zweimal pro Woche getestet. Dabei kamen örtliche Apotheker in die Schulen und testeten, oder die Schüler führten die Tests selbst durch, was bei den neueren Nasenabstrichen auch bei jüngeren Kindern gut funktioniert. Freiburg testete seit 18. März an zwei Grundschulen, einer Realschule, zwei Gymnasien und einer Kita das sogenannte Schoco-Testsystem, das auf PCR-Tests basiert, die laut Stadt zuverlässiger und günstiger sind. Nach den Ferien soll das System stadtweit ausgerollt werden. Stuttgart hatte 100 000 Tests geordert und setzte auf Selbsttests.
Es testen Schüler, Firmen, Eltern oder Apotheker
Ludwigsburg hat die Firma KME mit den Schülertests beauftragt. Gut die Hälfte der Kinder hat das Angebot nach Angaben der Stadt auch angenommen, eine ähnliche Quote wie etwa in Heilbronn. Die Stadt Böblingen bietet seit 12. März Selbsttests an, die die Kinder zu Hause machen oder in der Schule zusammen mit der Hilfe von Eltern. Die Beteiligungsquote liege zwischen 70 Prozent und – in den Abschlussklassen – bei fast 100 Prozent.
In Eislingen hat ein Schulleiter die Tests abgeblasen
An einem Gymnasium in Eislingen (Kreis Göppingen) hat der Rektor dagegen die Schnelltests wieder abgeblasen, weil zu viele Eltern sie abgelehnt hatten.