Am Donnerstag wird letztmals im Kreisimpfzentrum an der Stuttgarter Messe der Pieks zum Schutz vor dem Coronavirus gesetzt. Etwa 100 000 Dosen sind dort insgesamt verabreicht worden.
Echterdingen - In das am Anfang des Jahres in der Halle 9 an der Stuttgarter Messe eingerichtete Impfzentrum sind in den vergangenen Tagen nur noch wenige Impfwillige gekommen. Doch bis zuletzt arbeiten Mediziner und Helfer dort wie am ersten Tag: konzentriert, organisiert und hilfsbereit. Nach und nach werden die Pforten der rund 50 Impfzentren im Land Baden-Württemberg geschlossen – auch die der Halle 9.
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Ganze neun Monate sorgte dort das rund 300-Kopf starke Team unter der ärztlichen Leitung von Florian Bopp dafür, dass die Menschen die schützenden Impfstoffe, wie Biontech oder Moderna, gegen das Coronavirus verabreicht bekommen. Schätzungsweise wurde hier um die 100 000 Mal zugestochen. Der Tagesrekord lag bei 1050 Impfdosen.
Am Anfang war es viel Organisation und wenig Impfstoff
An die Anfangsstunden kann sich der eigentlich pensionierte Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit einem Lachen zurückerinnern. „Die Tage waren geprägt von viel Organisation und wenig Impfstoff“, sagt der 67-jährige Florian Bopp. Zuletzt war das Gegenteil der Fall. Die sterilen Kabinen, in denen man die Spritzen verabreicht bekam, waren nahezu leer, die Kühlschränke mit den Impfampullen ausreichend gefüllt.
Hörte man sich in der Halle um, warum man nun quasi auf den letzten Drücker das Angebot annimmt, erhielt man gemischte Stimmen. Ist es aus Überzeugung oder doch der gesellschaftliche Druck? Schließlich wird seitens der Politik immer weiter spekuliert, welche Freizeitaktivitäten künftig den Ungeimpften verwehrt bleiben sollen. „Bei dem ein oder anderen wird vermutlich auch einfach die Vernunft gesiegt haben“, konstatiert Florian Bopp.
Diskussionen wegen der Priorisierung
Anfangs habe aber auch die bei denjenigen gefehlt, die zwar einen Termin bekommen haben, aber keinerlei Priorisierung vorweisen konnten. Senioren und Menschen mit beispielsweise starken Lungenerkrankungen wurde nämlich beim Ausbruch von Corona in Deutschland der Vortritt gelassen. „Die Einsicht fehlte bei vielen Leuten schlichtweg, als sie dann abgewiesen wurden“, erzählt der ärztliche Leiter. Es habe heftige Diskussionen gegeben.
Am Ende machte sich ein wenig Wehmut in der Halle breit, man konnte es spüren. Denn am Donnerstagabend ist alles vorbei. „Ich bin hier jedes Mal gerne zur Arbeit gekommen“, sagt Alexandra Grüb von den Maltesern, während sie die restlichen Impfdosen auf die Spritzen aufzieht.
Viel Dank aus der Bevölkerung, aber auch Kritik
Am ersten Tag habe ihr hier eine Kollegin die Antikörper verabreicht, denn Grüb war ebenfalls mit den mobilen Impfzentren in Alters- und Pflegeheimen unterwegs. Nebenwirkungen habe sie keine gehabt. „Obwohl so viele fremde Menschen zusammengekommen sind, hat das Team einfach gestimmt“, sagt sie. Außerdem habe man auch viel Dank aus der Bevölkerung erfahren. Manchmal sei aber vereinzelt auch das Gegenteil der Fall gewesen. So sei es teilweise vorgekommen, dass sie von den Leuten gesagt bekommen habe, dass sie ja keine andere Wahl hätten, als sich impfen zu lassen.
Bei Alexandra Grüb stoßen solche Aussagen allerdings auf Unverständnis. „Letztendlich wollen wir doch alle aus der Pandemie raus“, sagt die 50-Jährige. „Außerdem haben gerade junge Leute, wie Schüler und Studenten, besonders unter den Lockdowns gelitten.“ Impfverweigerern und Kritiker möchte sie damit sagen, dass es Zeit sei, nicht nur an sich zu denken.
Wenn das letzte Fläschchen Impfstoff leergezogen wurde, „werden wir im Team auch ein paar Flaschen Sekt aufmachen“, sagt Florian Bopp. Nach so einer Leistung hat man sich das auch verdient.