Viele schöne Dinge und Osterschmuck gibt es an den Ständen zu entdecken. Foto: Dietrich - Dietrich

Der Plochinger Frühling lockte mit Marktständen ungezählte Besucherinnen und Besucher in die Fußgängerzone. Auch Vereine und Organisationen präsentierten sich.

PlochingenWo soll man nur zuerst hinschauen und fragen? An so vielen Ecken und Enden des Plochinger Frühlings waren interessante Geschichten zu entdecken. Einige der schönen Erlebnisse beim Streifzug über den Markt sind hier aufgezeichnet.

25 Jahre ist das Karussell inzwischen alt, mit dem Harald Kauffmann aus Bopfingen durch die Lande zieht. „Von jetzt bis November voll durch.“ Das Karussell braucht nur eine ganz normale Steckdose und passt auf einen Anhänger. Gut ist eine ebene Fläche, aber nicht zwingend: „Das wurde auch schon mit der Wasserwaage aufgebaut.“ Kauffmann betreibt das Geschäft in dritter Generation. „Man hat seine festen Stammplätze.“ Gibt es zum Mitfahren eine Altersgrenze? „Normalerweise 14 Jahre, manche fahren aber auch noch mit 16.“ Das ist die Ausnahme, denn für die meisten Teenager ist das uncool.

Eines Tages nahm Bärbel Tochtermann aus Wäschenbeuren auf der Messe Stuttgart den falschen Ausgang. Ein folgenschwerer Irrtum, denn im Container sah sie die vielen Messeteppiche, die nach kurzem Gebrauch auf den Müll wandern. „Da müsste man doch etwas daraus machen.“ Robuste Einkaufstaschen! Bei der ersten Anfrage nach den gebrauchten Teppichen waren die Mitarbeiter vom Abfallwirtschaftsbetrieb Alba nicht so begeistert, doch ihr Chef fand die Recyclingidee klasse. Inzwischen schaut der Betrieb für „Dui Dasch“ gezielt nach Teppichen, die noch gut sind. Sie werden auf Wasserbasis gereinigt, der Mann von Bärbel Tochtermann schneidet sie aus, sie und ihre Tochter Melanie Schwarz nähen die Taschen, seit einem guten Jahr. Jede Tasche ist ein Unikat, die beiden Frauen haben die Taschen bis 15 Kilogramm getestet. Einmal fragte eine Kundin eine andere: „Hasch au dui Dasch kaufd?“, also „Hast du auch diese Tasche gekauft?“ Da war für Bärbel Tochtermann klar. „Das ist der Name, Dui Dasch!“

Beim Namen „Cheerleading“ denken viele an Damen am Spielfeldrand, die mit den Hüften wackeln und Pompoms schwenken. Doch das ist bei weitem nicht alles. Die Cheerleader vom Turnverein Plochingen zeigten auf der Straße Akrobatik, bei der es hoch in die Lüfte ging. „Für die Jungs ist das Krafttraining“, sagte die Trainerin Lisa Wimmer. „Aber die Hantel ist starr, der Mensch bewegt sich.“ Sie lud die Zuschauer in den Turnverein ein: „Es gibt keine Voraussetzungen, man kann alles bei uns lernen.“ Gerade kamen die Plochinger Cheerleader vom StormCup in Unterhaching als dreifacher Meister im HipHop-Dance, Eurocheer Level 3 und Eurocheer Level 4 zurück.

Weit weniger anstrengend war das Sitzen im Kulturpark Dettinger, um bei der Verpflegung durch die Harmonikafreunde der Stadtkapelle Plochingen und ihrem Abba-Medley zu lauschen. Da störte es nicht, dass „The Winner Takes It All“ ein ganz trauriges Lied über eine Scheidung ist, die Stimmung war rundum gut.

Rundum gut beherrscht auch Roland Müller sein Schmiedehandwerk, er hat einst Stahlbauschlosser gelernt. Noch immer zieht es den Hausmeister bei der Stadtverwaltung zum „Heavy Metal“, so fertigte er zusammen mit Schwiegersohn Fabian Müller und „Azubi“ Alex Wimpff viele schöne Herzen und Hufeisen an.

Schon um 9.30 Uhr stand Daniela Kulling mit der neunjährigen Pauline und dem 14-jährigen Florian für den Flohmarkt auf der Matte, die ersten Kunden kamen schon vor dem offiziellen Beginn um 13 Uhr. „Es lohnt sich, die Kinderzimmer sind leer“, meinte die Mama. Die Tischmiete will sie schon zurück, aber der restliche Erlös geht als Taschengeld und für die Spardose an die beiden Kinder.

Groß war der Andrang bei der Modeschau von Bodywear, draußen im Freien, doch die Besucher fanden ihren Weg auch in die geöffneten Geschäfte. Besonders ins Eiscafé Zanetti, dort bildete sich eine Schlange.

Der Plochinger Frühling bot auch Gelegenheit zu einem Blick ins sanierte Rathaus, geführt von Bürgermeister Frank Buß. Auch das Zentrum für Integration und Migration „im.Markt8“, das vor einem Jahr ins frühere Schuhhaus einzog, hatte offen. Ehrenamtskoordinator Kurt Hilsenbeck ist begeistert, wie schnell die Stadt Plochingen damals reagiert hat: „Anfang 2018 machte die Stadt von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch, dann kam der Gemeinderatsbeschluss für das Zentrum, sechs Wochen später sind wir eingezogen.“ Die Tische und Stühle waren vorher ungenutzt eingelagert, die Küche ist die alte Mitarbeiterküche aus dem Rathaus. Gefunden haben sich auch drei Herren, die sich nach einem Aufruf in der Eßlinger Zeitung für die Fahrradwerkstatt gemeldet hatten. „Ein Deizisauer, zwei Plochinger, sie kannten sich nicht“, sagt Hilsenbeck. „Nun ist das eine nette Gruppe.“

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