Klaus Hummel Quelle: Unbekannt

Die jahrelangen Debatten über die Zukunft der Esslinger Stadtbücherei sollen ein Ende haben: Am 10. Februar 2019 werden die Esslinger in einem Bürgerentscheid darüber befinden, ob die Bibliothek in einem modernisierten und erweiterten Bebenhäuser Pfleghof bleiben oder in einen Neubau an der Küferstraße umziehen soll.

EsslingenKaum ein Thema wurde in diesem Jahr in Esslingen so heiß diskutiert wie die Zukunft der Stadtbücherei. Für den Gemeinderat war Ende Juni alles klar: Nach jahrelangen Diskussionen hatte sich die Ratsrunde mehrheitlich auf einen Neubau in der Küferstraße geeinigt – was viele Bürger enttäuscht hat, die sich für eine Modernisierung und Erweiterung der bisherigen Bücherei im Bebenhäuser Pfleghof stark gemacht hatten. Wer freilich geglaubt hatte, dass damit das letzte Wort gesprochen sei, sah sich getäuscht. Nur einen Tag nach der entscheidenden Gemeinderatssitzung brachten Wolfgang Drexler, Ulrike Gräter und Klaus Hummel ein Bürgerbegehren auf den Weg, um den Beschluss der Ratsmehrheit über einen Bürgerentscheid zu kippen. Dass sich mit Hummel und Drexler zwei SPD-Stadträte für einen Bürgerentscheid stark machten, brachte ihnen heftige Kritik der politischen Konkurrenz ein. Die Esslinger Bürger antworteten jedoch auf ihre Art: 4876 Unterschriften wären nötig gewesen, um einen Bürgerentscheid durchzusetzen – am Ende wurden 11 187 gültige Signaturen von der Stadtverwaltung gezählt. Nun dürfen die Esslinger am 10. Februar 2019 entscheiden, wo sie die Bücherei der Zukunft sehen wollen.

Die beiden Alternativen liegen auf dem Tisch: Eine Mehrheit im Gemeinderat plädiert für einen Bücherei-Neubau, der in zweiter Reihe zwischen Küferstraße und Kupfergasse entstehen soll. In einem neuen Gebäudekomplex sehen die Befürworter bessere Entwicklungschancen für die Bibliothek, die seit 25 Jahren vergeblich auf eine Erweiterung wartet. Laut Bauverwaltung sind im Neubau die Chancen größer, der anvisierten Programmfläche von 3600 Quadratmetern möglichst nahe zu kommen. Experten empfehlen für Städte von der Größe Esslingens 5000 Quadratmeter, die an beiden Orten nicht zu erzielen sind. Die Neubau-Befürworter führen ins Feld, dass Esslingens beliebteste Kultureinrichtung, die durchschnittlich 1000 Besucher täglich zählt, den darbenden Einzelhandelsstandort Küferstraße stärken könne. Und sie monieren, dass die Bücherei bei einer Modernisierung und Erweiterung am angestammten Ort während der Bauzeit in ein Interimsquartier umziehen müsse, weil die Bauverwaltung bei laufendem Betrieb nicht umbauen will.

Die Befürworter einer Modernisierung der bisherigen Bücherei im Bebenhäuser Pfleghof, die um das Nachbargebäude Heugasse 11 erweitert werden würde, verweisen derweil auf die hohe Identifikation vieler Bürger mit dem aktuellen Standort. Nach ihrer Einschätzung lässt sich im Pfleghof eine ebenso moderne und zukunftsweisende Bibliothek schaffen, zumal der hintere Bereich Richtung Webergasse, wo bislang die Kinderbücherei untergebracht ist, ausdrücklich nicht unter Denkmalschutz steht und innerhalb der historischen Außenmauern durch einen Neubau ersetzt werden könnte, der große zusammenhängende Flächen bieten würde. Außerdem verweisen die Pfleghof-Befürworter darauf, dass der alte Standort einen deutlich günstigeren Grundriss biete und dass im Pfleghof eine Bibliothek entstehen könnte, die in einer Kombination aus Tradition und Moderne perfekt zu Esslingen passe. Und sie legen Wert darauf, dass die Erfordernisse der Bücherei und nicht die Probleme des Einzelhandels in der Küferstraße im Vordergrund stehen.

Das letzte Wort haben nun die Esslinger beim Bürgerentscheid am 10. Februar 2019. Bereits der Termin war umstritten: Viele hätten sich eine Abstimmung zusammen mit der Kommunal- und Europawahl am 26. Mai 2019 gewünscht, weil dann eine höhere Wahlbeteiligung zu erwarten wäre. Der Gemeinderat entschied sich für den früheren Termin, um das Reizthema aus dem Kommunalwahlkampf herauszuhalten. So ist es nun an den Bürgerinnen und Bürgern, zu zeigen, wie sehr ihnen die Zukunft der Bibliothek am Herzen liegt. Die Initiative, die den Bürgerentscheid auf den Weg gebracht hat, möchte die kommenden Wochen nutzen, um noch einmal intensiv alle Aspekte der Bücherei-Entscheidung zu beleuchten und für die Abstimmung zu werben. Deshalb sollen die Esslinger an vielen Orten im Stadtgebiet mit Transparenten an den Bürgerentscheid erinnert werden. Die ersten hängen seit Freitagnachmittag.

Wer ein Werbebanner aufhängen möchte, kann sich bei der Initiative Bürgerbegehren Stadtbücherei, Katharinenstraße 21 in 73728 Esslingen und unter wolfgang.drexler.esslingen@gmail.com melden.

EZ-Forum am 4. Februar bringt die Debatte über den Bücherei-Standort auf den Punkt

Die Alternativen für den künftigen Standort der Esslinger Stadtbücherei sind klar, doch der Teufel steckt wie so oft im Detail: Welche Möglichkeiten muss eine moderne Bibliothek bieten? Wo lassen sich welche Flächen erzielen? Welcher Grundriss ist geeigneter? Welche Chancen und welche Risiken bieten beide Varianten? Welche Rolle spielt die Belebung der Küferstraße? Und wie wichtig ist die emotionale Bindung vieler Esslinger an den Pfleghof? Damit kurz vor dem Bürgerentscheid am 10. Februar alle Argumente ausgetauscht werden können, hat die Eßlinger Zeitung vier Experten zu einem EZ-Forum eingeladen, das am Montag, 4. Februar, um 19.30 Uhr im Gemeindehaus am Blarerplatz beginnt. Chefredakteur Gerd Schneider, der das Gespräch moderieren wird, freut sich, dass die vier Gäste auf dem Podium sofort zugesagt haben: „Das spricht für die Bedeutung des Themas.“

OB Jürgen Zieger hat sich vor der Gemeinderatsentscheidung für den Neubau ausgesprochen. Beim EZ-Forum wird er erklären, weshalb er findet, „dass sich an beiden Standorten eine attraktive Bibliothek bauen lässt, dass der Neubau jedoch etwas besser geeignet“ sei.

Klaus Hummel zählt zu den Initiatoren des Bürgerentscheids. Er hat sich intensiv mit den Plänen für beide Standorte beschäftigt und kam zu dem Schluss, dass der Pfleghof die bessere Alternative ist und dass dort eine einmalige Stadtbibliothek entstehen kann.

Professorin Sylvia Greiffenhagen ist Sozialplanerin und Vorsitzende des Fördervereins der Bücherei und sagt, wie beide Standort-Varianten einzuschätzen sind.

Kirsten Wieczorek leitet die Fachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen beim Regierungspräsidium und erläutert, was bei einer neuen Bücherei zu bedenken ist.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: