Als Leiter des Hochdorfer Jugendhauses „Skunk“ ist Jochen Rössle schon seit 2002 aktiv. Jetzt übernimmt er einen neuen Job: Künftig wird er sich schwerpunktmäßig auf die Schulsozialarbeit in der Breitwiesenschule konzentrieren.
Hochdorf - An der Hochdorfer Breitwiesenschule gibt es seit dem 1. September einen neuen Kollegen und eine ganz neue Stelle: Jugendhausleiter Jochen Rössle, der seit 2002 in Hochdorf für den Kreisjugendring tätig ist, übernimmt die Aufgaben eines Schulsozialarbeiters an der Grundschule. Seine bisherige Leitungsfunktion im benachbarten Jugendhaus „Skunk“ behält er weiterhin mit 20 Prozent. Die restlichen 80 Prozent hat ebenfalls am 1. September die bisherige Auszubildende Pia Unger (25) übernommen (wir berichteten).
„Im Jugendhaus bin ich vor allem noch bei den organisatorischen Aufgaben involviert. Da findet derzeit nach und nach eine Übergabe statt“, erklärt Rössle, der sich sehr auf seine neue vielseitige Aufgabe an der Grundschule freut. Dort ist der Sozialpädagoge kein Unbekannter, schon mehrere Jahre besteht eine Kooperation zwischen Schule und Jugendhaus. Das zeigt sich etwa bei den Mediationen, die Jochen Rössle seit Mehr als zehn Jahren für die Klassenstufe drei im Rahmen eines Klassenrates an der Breitwiesenschule organisiert. Dabei geht es um die Weiterentwicklung der sozialen Kompetenzen der Kinder und somit auch um das angemessene Verhalten und Gestalten des alltäglichen Zusammenlebens. Als Beauftragter für Jugend und Ehrenamt der Gemeinde koordiniert Jochen Rössle außerdem die ergänzenden AG-Angebote an der Schule. Auch beim normalerweise im Herbst stattfindenden „Straßenfußball für Toleranz“-Turnier des Jugendhauses haben Grundschüler bereits teilgenommen, für Klassenfeste wurden vor Corona schon öfter die Räumlichkeiten des Jugendhauses genutzt. Alle bestehenden Kooperationen sollen weitergeführt und dank des großzügigeren Zeitbudgets, das die neue Stelle als Schulsozialarbeiter mit sich bringt, weiter ausgebaut werden.
Zu 50 Prozent ist Jochen Rössle künftig an der Breitwiesenschule im Einsatz und das an vier Vormittagen und einem Nachmittag jeweils für vier Stunden. 50 000 Euro nimmt die Gemeinde Hochdorf für die neue Stelle jährlich in die Hand, 17 000 Euro davon konnten an Fördergeldern durch den Landkreis und das Land generiert werden. „Dass es die vielfältige Vernetzung auch seither schon gab, erleichtert den Start für alle Beteiligten ungemein“, betonen auch Schulleiterin Dagmar Flöck, Hauptamtsleiterin Dörthe Wimmer und Bürgermeister Gerhard Kuttler. „Das ist eine Win-Win-Situation für alle Seiten“, findet der Rathauschef. Die neue Stelle eines Schulsozialarbeiters ermögliche neben dem vertieften Umgang mit den sozialen Themen künftig auch eine Entlastung der Lehrkräfte, die sich dank der zusätzlichen Unterstützung durch Jochen Rössle wieder verstärkt auf ihre eigentliche pädagogische Arbeit konzentrieren können und zugleich selbst von dessen sozialpädagogischem Fachwissen profitieren. Ergänzt wird dieses durch eine medienpädagogische sowie eine Coaching-Ausbildung Rössles. Themen, die im Schulalltag fest verankert sind und immer mehr in den Fokus rücken, wie Dagmar Flöck betont.
Sie selbst beschreibt die Schulsozialarbeit, ergänzend zum Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule, als eine wertvolle Unterstützung mit positiven Auswirkungen auf das gesamte Schulleben. „Die gesellschaftlichen Veränderungen und zunehmenden Herausforderungen merken wir auch an der Grundschule“, so Flöck. Gerade auf das soziale Lernen werde immer mehr Zeit verwendet. Der präventive Gedanke spiele dabei von Anfang an eine zentrale Rolle. „Es gibt unter anderem zunehmend Schüler mit herausforderndem Verhalten. Das können beispielsweise Konzentrationsprobleme im Unterricht oder Schwierigkeiten beim Einfügen in eine Gruppe oder beim Einhalten der Regeln sein. Das setzt sich dann teils außerhalb des Schullebens fort“, weiß die Schulleiterin. Auch hier helfe es ungemein, einen weiteren Ansprechpartner und Berater für Schüler, Eltern und Lehrer vor Ort zu haben, der zudem absolut vertraulich und unter Schweigepflicht arbeite. Rössle kennt diese gesellschaftlichen Entwicklungen auch aus dem Jugendhausalltag: „Früher hat das soziale Umfeld bei der Entwicklung eines Kindes und Jugendlichen eine größere Rolle gespielt als heute. Heute wird den entsprechenden Institutionen teils eine sehr hohe Erwartungshaltung entgegengebracht, der sie gerecht werden müssen.“
Für die Zusammenarbeit an der Schule gebe es schon einige gute Ideen, bestätigen Dagmar Flöck und Jochen Rössle. Was umsetzbar wird – gerade auch unter den derzeit erschwerten Corona-Bedingungen – und wo überhaupt der konkrete Bedarf liege, werde sich nach und nach zeigen.