Ein Mitarbeiter der Spezialfirma spritzt mit einem Schlauch ein Harzgemisch in den Erdboden. Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Weil Baumwurzeln die Feuchtigkeit aus dem Boden gezogen haben, ist das Treppenhaus der St.-Blasius-Kirche in Nellingen abgesackt. Jetzt arbeitet eine Spezialfirma daran.

OstfildernGroße Risse verunzieren das Treppenhaus an der Nordseite der St.-Blasius-Kirche im Ostfilderner Stadtteil Nellingen. Sowohl außen als auch im Inneren sieht man dem Treppenhaus seine neue Neigung an. 1926 wurde der Gebäudeteil nachträglich an die Kirche angebaut. Und genau da liegt eins der Probleme. „Der Anbau wurde ohne ein eigenes Fundament an die Kirche angebaut“, erklärt Manfred Bretschneider, der Vorsitzende des Kirchengemeinderates und Vorsitzender des Bauausschusses der evangelischen Kirchengemeinde Nellingen. Schon vor sechs Jahren hatten sich einige Risse gezeigt. „Damals wurde das Fundament bis auf eine Tiefe von zwei Metern unterfangen.“ Vor etwa anderthalb Jahren aber seien die Risse im Treppenhaus erneut aufgetreten – „und zwar weiter als jemals zuvor“, so Bretschneider.

Das zweite Problem ist grün. Zwei Gutachten, eines von der Stadt und eines von der Kirchengemeinde beauftragt, haben festgestellt, dass die Linde, die gegenüber des Treppenhauses wächst, schuld am Absacken ist. „Rund um den Baum ist der Boden versiegelt, also sucht sich der Baum die feuchte Stelle am Fundament. Der Boden zieht sich zusammen und das Gebäude sackt ab.“ Weil der Baum auch weiterhin der Kirche schaden könnte, muss er noch vor dem Frühjahr gefällt werden. „Das gefällt uns gar nicht, aber in diesem Fall gibt es keinen anderen Weg“, so Bretschneider.

Seit etwa fünf Monaten ist das Treppenhaus schon gesperrt und mit einer Metall- und Holzkonstruktion abgestützt. Das sei ärgerlich, weil der Eingang im Treppenhaus der einzig barrierefreie Zugang zur Kirche ist. „Außerdem geht man nur von dort direkt auf den Altar zu.“ Die Sicherheit der Besucher sei auch im Brandfall dennoch gegeben, stellt Bretschneider klar. Es seien genug Auswege vorhanden, die nicht über das Treppenhaus führen. „Aber wir werden halt auch gerade von den Gemeindemitgliedern, die Rollatoren oder Rollstühle benutzen, gefragt, wann der Eingang wieder benutzt werden kann.“ Das kann noch eine Weile dauern. Der ursprüngliche Wunsch Brettschneiders, das Treppenhaus und den Eingang bereits zu Weihnachten in vollem Umfang benutzen zu können, musste bereits begraben werden. „Vorher muss noch alles richtig aushärten“, sagt er. Am gestrigen Mittwoch war die Spezialfirma Uretek aus Mühlheim an der Ruhr angerückt, um den Untergrund zu verstärken. Dazu wurden mehrere Löcher in den Erdboden gebohrt – bis unter das Fundament. Anschließend wurde ein spezielles Kunstharzgemisch in den Erdboden gespritzt, das in Sekunden aushärtet und sich ausdehnt. Dadurch soll der abgesackte Teil der Kirche wieder in die richtige Position gebracht werden. Um den Fortschritt zu veranschaulichen, haben die Mitarbeiter der Firma silbernes Klebeband straff über die Risse geklebt. „So kann man schon im Vorbeigehen sehen, ob sich etwas tut“, heißt es von einem der Arbeiter. Innerhalb kurzer Zeit ist bereits eine Veränderung festzustellen. Einige der Klebestreifen wölben sich leicht. Ein gutes Zeichen. Sind die Risse geschlossen und verpresst, ist die Standfestigkeit wieder gegeben. „Dann müssen wir aber noch zwei bis drei Monate warten, bis wir mit den Schönheitsreparaturen beginnen können“, so Bretschneider. So lange braucht der Erdboden nach Erfahrungen von Uretek, bis er sich gesetzt hat. „Dann müssen wir die Türen wieder gangbar machen, Gips- und Malerarbeiten durchführen lassen“, fährt Bretschneider fort. Die Arbeiten hat die Kirchengemeinde schon beauftragt. Nach derzeitigem Stand belaufen sich die Kosten auf rund 90.000 Euro. Für einen Teil soll die Versicherung aufkommen.

Die Sanierung an der Kirche kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Das Gemeindehaus in der Eugen-Schumacher-Straße wird derzeit renoviert. „Es kommt einfach gerade viel auf uns zu.“ Dazu kommt, dass seit der Verabschiedung von Pfarrer Hans-Ulrich Winkler viele Aufgaben von Ehrenamtlichen übernommen werden müssen. „Wir haben mit Pfarrer Peter Brändle zwar einen kompetenten Vertreter, aber alles kann er auch nicht übernehmen“, sagt Bretschneider.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: