In monatelanger Arbeit haben die Künstler Friederike Nordmann und Jochen Maier dem Ochsen Peter ein Denkmal gesetzt. Foto: Bürgerausschuss Zell/oh

Der Backhausplatz in Esslingen-Zell soll auf „kuhle“ Weise verschönt werden – mit einer riesigen Statue des Ochsen Peter. Doch ihre Aufstellung erweist sich als echte Ochsentour. Denn die Stadt Esslingen hat Bedenken.

Er schaute während einer Stippvisite vorbei und inspizierte sein zukünftiges Zuhause. Denn Ochse Peter wird nicht etwa in einem Stall leben müssen. Nein, er bekommt einen Stellplatz im attraktiven Open-air-Ambiente. Die etwa vier Tonnen schwere Skulptur soll auf dem Backhausplatz in Zell aufgestellt werden. Im Spätherbst hofft der Bürgerausschuss des Esslinger Stadtteils laut seinem Mitglied Tobias Hardt, die fast lebensgroße Statue dauerhaft an zentraler Stelle im Ortskern platzieren zu können. Damit werde ein Knopf an lange schwelende Diskussionen mit der Stadt Esslingen gemacht, teilt er mit. Denn mit Blick auf bürokratische Hürden, Genehmigungen und Sicherheitsvorschriften sei die Kuh nun wohl endlich vom Eis.

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Für Ochse Peter war es bisher eine gewaltige Ochserei mit vielen Hindernissen gewesen. Dabei hatte er eigentlich nichts Böses im Sinn. Im Gegenteil. Er wollte den Menschen Freude bereiten, Stadtteilidentität vermitteln, Erinnerungskultur pflegen. Der Zeller Bürgerausschuss sah ihn als Teil seiner Bemühungen um den Backhausplatz an. Das Gremium wollte das Zeller Ortszentrum weiter aufwerten, die Aufenthaltsqualität erhöhen, Freizeitangebote verbessern. Darum kreierten die beiden Künstler Friederike Nordmann und Jochen Maier von der Köngener Gruppe Haklebunt eine lebensgroße Ochsenskulptur. Mit ihrer mehrmonatigen Arbeit wollten sie einem tierischen Zeller Original ein Denkmal setzen. Denn der Ochse Peter ist im kollektiven Gedächtnis des Stadtteiles eingegraben. In den 1960er-Jahren hatte er schwere Lasten und Karren in Richtung Oberhof gezogen, erklärt Tobias Hardt. Die Skulptur sollte an das fleißige Tier erinnern, und die Künstler wollten die Statue der Zeller Bürgerschaft kostenlos als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen. Doch die Stadt Esslingen hatte Bedenken. Sie verwies laut Tobias Hardt auf Sicherheitsbedenken, mögliche Gefährdungen für Kinder, die den Ochsen besteigen, und bürokratische Vorschriften.

Tierische Standortfrage

Doch Peter sollte nicht dastehen wie der Ochse vor dem Berg. Darum wurde sein tierischer Charme im Kampf um die Standortfrage eingesetzt. Die Skulptur wurde nach Angaben von Tobias Hardt auf einen Lastwagen geladen und zu einer Seite des Backhausplatzes gefahren. Während seiner kurzen Stippvisite wurde er von vielen Beteiligten in Augenschein genommen. Mitglieder der Stadtverwaltung mit Baubürgermeister Hans-Georg Sigel an der Spitze, der Obst- und Gartenbauverein Zell, der Bürgerausschuss und die beiden Künstler rangen gemeinsam um eine Lösung für das künftige Heim von Peter. Laut Tobias Hardt gab es eine Einigung: „Baubürgermeister Sigel sagte den Bürgern nun eine Lösung zu. Der Viehtrog soll auf dem Platz gedreht und der Ochse dazu gestellt werden.“ Bis zum Spätherbst oder spätestens bis Jahresende, so hoffen Tobias Hardt und der Bürgerausschuss, soll Peter sein neues Domizil beziehen können.

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Das wäre dann das Ende einer wahren Ochsentour. Seit drei Jahren ringe der Bürgerausschuss um eine Perspektive, Umgestaltung und Aufwertung des Backhausplatzes, erklärt Tobias Hardt. Die Einwohner wurden laut dem Mitglied des Esslinger Gemeinderats (Die Linke) in den Ideenfindungsprozess mit eingebunden. Ein sehr gut besuchtes Bürgergespräch wurde organisiert, eine vierte Klasse der Grundschule habe im Kunstunterricht Modelle gebastelt, und viele Zeller hätten Impulsvorschläge gemacht:„2020 reichte der Bürgerausschuss einen Förderantrag mit einem Konzept und umfangreichen Ideen zur Gestaltung des Platzes bei der Stadt ein.“

Spielplatz mit Zaun

Geplant waren ein Großfeldschach, ein Hüpfspiel und Sitzgelegenheiten um den Viehtrog herum. Doch die Stadt hat laut Tobias Hardt auf Vorschriften verwiesen. Danach müsse ein Platz, der den Charakter eines Spielplatzes habe, eingezäunt werden. Dieser Argumentation konnte der Bürgerausschuss nicht folgen. Denn ein Hüpfspiel mache noch keinen Spielplatz. Doch: „Solche Vorschriften beurteilen andere.“ Ein Zaun aber wurde von dem Gremium abgelehnt, da er das „Ziel nach Offenheit und Kommunikation zerstören“ würde. So einen Zaun wolle niemand. Nicht einmal der Ochse Peter. Doch trotz aller Bedenken soll er nun wohl endlich seine eigene Spielwiese auf dem Backhausplatz gefunden haben.

Der Esslinger Stadtteil Zell und der Backhausplatz

Der Stadtteil
Zell am östlichen Rand des Stadtgebiets hat etwa 4700 Einwohner und wurde am 1. Juli 1974 als einer der beiden letzten Stadtteile nach Esslingen eingemeindet. Ab 1970 waren aber auch Überlegungen zur Bildung einer Großgemeinde mit Altbach und Deizisau angestellt worden. Doch 1974 kam aus Altbach eine Absage an den Zusammenschluss. Vor der Eingemeindung nach Esslingen war Zell eine selbstständige Gemeinde gewesen, die 1229 erstmals urkundlich erwähnt worden war. Mehr dazu steht unter https://www.zell-am-neckar.de/ .

Der Platz
Der Backhausplatz im Ortszentrum soll aufgewertet werden. Bereits 2007 hatte der Obst- und Gartenbauverein laut Tobias Hardt maßgeblich Hand angelegt, um den öffentlichen Platz in seiner heutigen Form herzurichten und ihn zu pflegen. Der Platz sei ein Treffpunkt des Vereins zu gemütlichen Nachmittagen. Hier würden außerdem „Gottesdienste im Grünen“ und der Adventsmarkt stattfinden. Der Bürgerausschuss wolle den Platz als Treffpunkt für jedermann beleben.