Durch den Wald fliegen, wie Tarzan in Netze springen, auf schwebenden Bierbänken balancieren – all das kann man im Waldseilgarten Herrenberg. Auch Kinder und Menschen mit Behinderung können sich hier austoben. Wir sind mit Parkleiterin Ina Bühler durchgeklettert.
Ina Bühler hakt ihre Karabiner auf dem Seil ein, setzt sich auf den Baumstamm-Hocker und lehnt sich zurück. „Als würde man auf dem Sofa sitzen“, sagt sie. „Gammelposition“ nennt sie das grinsend. „Bauch anspannen und in der Luft mit den Beinen Fahrrad fahren, dann dreht man sich nicht“, sagt sie. Dann fliegt sie los. Eine Hand am Seil ihres Gurtes, schwingt sie sich auf zwölf Metern Höhe lässig durch die Bäume. Mit ordentlich Schmackes kommt sie auf der Plattform beim nächsten Baum an. Gedreht hat sie sich natürlich nicht. Profi halt.
Als Parkleiterin des Waldseilgartens Herrenberg kennt Ina Bühler die Parcours auswendig. Sieben gibt es aktuell. In verschiedenen Schwierigkeitsgraden ist zwischen vier und 13 Metern Höhe für jeden was dabei. Beim „Flying Fox“ können Kletterer sich nur auf Seilrutschen von einer Baumplattform zur nächsten schwingen. Beim „Power-Fan Parcours“ können sich besonders Mutige aus 13 Metern Höhe von einem Baum stürzen.
Parcours für Kinder ab drei Jahren
Auch für Kinder ab drei Jahren gibt es einen Parcours. Der ist tief genug, damit Eltern nebenher gehen können und bei Bedarf die Karabiner der Kinder weiterschubsen können, sollten sie dabei Hilfe brauchen. An diesem Parcours werden die Karabiner auch nur einmal ein- und am Ende wieder ausgehängt – so müssen die Eltern die Karabiner nicht an jeder Ecke wieder aufwendig umhaken. „Und die Kinder können nicht abhauen – ideal für Kindergeburtstage“, sagt Ina Bühler.
Das müssen die größeren Kletterer nämlich machen. Wie das geht, zeigt Ina Bühler zu Beginn. Sie erklärt, wie man den Gurt richtig anlegt, wo man ihn festzurren muss und wie die beiden Sicherheitshaken auf die Stahlseile gehängt werden. „Wir haben ein System, bei dem immer nur ein Haken aufgeht“, sagt sie. So sind alle immer mit mindestens einem Karabiner gesichert. Nach einem Testlauf im niedrigen Probeparcours geht es weiter zu einer Einstiegstrecke. Die höheren und fordernderen Parcours darf man erst in der zweiten Runde machen.
Ina Bühler balanciert über Wippen und rollende Fässer, durch ein Seil-Labyrinth, bei dem man gar nicht weiß, wo man hintreten soll. Dabei wackelt es manchmal ganz schön. Aber keine Sorge: „Die Seile halten einen Kleinwagen aus“, sagt Ina Bühler. Ein Junge in einem anderen Parcours ruft laut „Trainer!“, sofort rennt ein Mitarbeiter los. Das sei genau richtig, sagt Ina Bühler. „Wenn man mal wo nicht weiterkommt, muss man einfach nach dem Trainer rufen.“ Das sind speziell ausgebildete Mitarbeiter, die vom Boden aus zur Not aushelfen. Wenn es geht, versucht der Trainer, die Person mündlich anzuleiten. „Je besser der Trainer, desto weniger müssen wir abseilen“, sagt Ina Bühler. Natürlich könne man aber jederzeit abgeseilt werden, wenn es nötig ist.
Mit 25 Jahren Parkleiterin
Ina Bühler ist schon seit 2015 im Waldseilgarten aktiv. Damals hat sie als Ferienjobberin angefangen. „Ich war eigentlich kein Kletter-Fan“, erzählt sie. Doch auf andere Jobs hatte sie keine Lust. Die Begeisterung fürs Klettern kam dann schnell. „Es ist ein sehr vielseitiger Sport“, sagt die Öschelbronnerin. „Man braucht Kraft und Koordination, und es gibt viele verschiedene Varianten.“ Beim Bouldern brauche man eher Köpfchen, an der Wand gehe es um Geschwindigkeit, und natürlich könne man auch draußen am Fels klettern. Am liebsten klettere sie dort oder an der Wand, wenn es um die Höhe geht. Der Kitzel sei dabei am größten.
Erlebnispädagogik für Firmen, Schulen und Menschen mit Behinderung
Der Spaß am Klettern brachte sie immer wieder zurück zum Waldseilgarten. Nach dem Studium der sozialen Arbeit haben die Inhaber des Waldseilgartens ihr angeboten, fest einzusteigen. „Zuerst sollte ich das erlebnispädagogische Angebot leiten“, erzählt sie. Inzwischen leitet sie den ganzen Park – mit 25 Jahren.
Die Erlebnispädagogik kommt trotzdem nicht zu kurz. Ob Firmenveranstaltungen, Besuche von Schulklassen oder Menschen mit Behinderung, klettern kann im Waldseilgarten Herrenberg jeder. „Wir hatten mal einen Gast mit Down-Syndrom“, erzählt sie. Der sei einmal pro Monat gekommen und mit zwei Personen zusammen geklettert – im Sandwich, sozusagen. So habe jederzeit jemand unterstützen oder ihn auch abseilen können. „Es war faszinierend, wie viel Spaß und Freude er dabei hatte“, sagt sie.
Im Winter ist sie auf Reisen
Der Park ist von April bis zum Ende der Herbstferien geöffnet. Wegen des Wetters müsse man aber immer ein bisschen flexibel sein. „Wenn es im Oktober schon schneit, machen wir natürlich früher zu“, sagt die Leiterin. Am Ende der Saison müsse das Team dann noch mal alles durchklettern und ein paar Dinge abbauen: die Matten am Baum zum Beispiel, die Kletterer nach der Seilrutsche abfangen. Im Winter werde dann auch das Material geprüft und gewartet. Daneben beschäftigt sich Ina Bühler in den kalten Monaten mit neuen Konzepten, Personalplanung und der ein oder anderen Reise, damit sie zu Beginn der Saison wieder fit ist.
Dann müssen die abgebauten Elemente wieder in die Bäume, Aufstiegseile neu zugeschnitten und Wege neu gestaltet werden. Am Anfang der Saison merke sie schon, dass sie ein paar Monate lang wenig geklettert sei. Da müsse sie sich auch immer wieder ein bisschen an die Höhe gewöhnen, denn – so unglaublich es sich anhören mag – Ina Bühler ist eigentlich kein Fan von Höhen. Wie kommt es dann, dass sie hier arbeitet? „Ganz viel Ehrgeiz“, sagt sie und lacht. Inzwischen kann sie alle Parcours problemlos klettern.
Unterwegs in der Region
Öffnungszeiten und Anmeldung
Der Park ist in den Ferien täglich von 10 bis ca. 20 Uhr geöffnet, sonst am Wochenende. Eine Online-Anmeldung ist erwünscht, danach richten sich genaue Öffnungszeiten. Für Erwachsene kostet der Eintritt 25 Euro, für Zwölf- bis 17-Jährige 23 Euro und für Sechs- bis Elfjährige 21 Euro. Mehr Infos auf https://www.waldseilgarten-herrenberg.de/
Weitere Kletterparks
Wer andere Kletterparks ausprobieren möchte, kann zum Waldklettergarten Stuttgart in Zuffenhausen gehen. Auch im Hochseilgarten des Freizeitparks Rutesheim kommen Kletterfreunde auf ihre Kosten.