Johannes M. Fischer. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Über die kleine Form in der Eßlinger Zeitung, das „Aufgespießt“, schreibt Johannes M. Fischer ein eigenes „Aufgespießt“.

EsslingenDie „kleine Form“ wurden in den 1920er und 1930er Jahren jene Texte in Zeitungen und Zeitschriften genannt, die von Autoren wie Kurt Tucholsky oder Siegfried Kracauer verbreitet wurden. Kleine Essays und Feuilletons, Alltagsbeobachtungen, oft mit philosophischem oder soziologischem Hintergrund, aber immer einfach dargeboten, ohne die geheimsprachlichen Schnörkel der Wissenschaftssprache oder manch einer Theaterrezension. Das „Aufgespießt“ der Eßlinger Zeitung darf sich getrost als kleiner Abkömmling dieser kleinen Form bezeichnen. Natürlich wäre es doch ziemlich vermessen, sich mit den Großmeistern der kleinen Form vergleichen zu wollen, aber es muss ja auch nicht alles noch besser, noch perfekter und noch ausgetüftelter sein. Es darf auch einfach mal nur „aufgespießt“ sein.

Kracauer wurde seinerzeit von Walter Benjamin als „Lumpensammler“ bezeichnet, weil er ein Auge für die Details menschlichen Zusammenlebens entwickelt hatte, die den großen Theoretikern der Gesellschaftswissenschaften – um im Wortbild zu bleiben – durch die Lappen gegangen sind. Gekoppelt mit der Fähigkeit, über seine Themen – Bars, Straßen und natürlich immer wieder Menschen und ihr Verhalten – ernsthaft zu plaudern, ohne zu langweilen oder zu belehren, entstand eine Form von literarischem Journalismus, der heute noch, hundert Jahre später, hohen und erkenntnisreichen Lesegenuss verschafft.

Die Journalisten der Eßlinger Zeitung haben ihre eigene kleine Form geschaffen, eine entfernte Verwandte, wenn man so will, die jetzt auch einen eigenen Blog auf dem Onlineportal der EZ bekommen hat. Erkennbar an einer altmodischen Feder, wie unten in der Grafik zu sehen ist. Wenn es Ihnen also, liebe Leserinnen und Leser, mal nach einem geistigen Ausflug ist, nach einer, um es noch ein wenig hochtrabender auszudrücken, spirituellen Auszeit, wenn Sie den eigenen Alltag mal aus einer anderen Perspektive erleben wollen, dann stöbern Sie doch mal in unserem Aufgespießt-Archiv. Und wie es so ist im Alltag: Jeden Tag kommt ein neues Stück dazu. Die Geschichte der kleinen Dinge endet nicht. Und sie ist garantiert alltagstauglich.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: