Der Rapper Danger Dan – hier am 30. Juli in Bonn – kämpft mit der Antilopen Gang für Kunstfreiheit – und gegen Rechtsradikalismus. Foto: IMAGO/Marc John

Danger Dan, Panik Panzer und Kolja, die widerborstigen Rapper der Antilopen Gang haben beim Hafen Sounds-Festival in Reutlingen viel Kopfnicker-Energie entfacht.

Danger Dan, Panik Panzer und Kolja schlagen beim Reutlinger Hafen Sounds Festival gleich einen Pflock ein: In „Uns und denen“ stilisieren die Rapper der Antilopen-Gang sich als widerborstige Underdogs im Geltungsgerangel der Hip-Hop-Szene. „Was’ der Unterschied zwischen uns und denen?“, fragt Panik Panzer: „Sie sind unangenehm, wir sind unbequem.“

Das Trio meint es ernst mit dem „Anti“ im Namen, es provoziert mit ironischer Gegenwartskritik. „Wären alle anders, dann wäre ich gleich / Wären alle gleich, wär’ ich nicht Feminist“, heißt es dialektisch in „Wünsch dir nix“. Das Publikum kennt die Parolen und singt mit. „Sogar deine Eltern wollen, dass du rebellierst“, heißt es in „Auf sie mit Gebrüll“. Da kokettieren Rebellen, die gar nicht anders können, mit Kapitulation: „Der Bundespräsident schlägt mir zu demonstrieren vor.“

Die Rapper sind perfekt eingetaktet

Von Depressionen handelt „Patientenkollektiv“, hier deklarieren die Antilopen ihren Auftritt zur „Gruppentherapie“. „Springt, springt“ ruft Danger Dan, und die Besucher springen mit den wortgewaltigen Rappern auf der Bühne. Diese erzeugen viel Kopfnicker-Energie. Sie sind perfekt aufeinander eingetaktet, spielen sich die Bälle zu. Eine dreiköpfige Band – Bass, Schlagzeug, D-Jane – sorgen für druckvolle Begleitung. Anders als auf manch großem Festival herrscht eine gelöste Stimmung. Statt Massenabfütterung bietet der engagierte Live-Club Franz K als Veranstalter bunte Buden mit freundlicher Ansprache – und die Anreise per Regionalbahn ist dank 9-Euro-Ticket quasi gratis.

In „Antilopen Geldwäsche“ geht es ums Musikbusiness, die Antilopen bezeichnen sich als „Antifa mit Pelzmänteln“. Und sie zitieren aus der Arbeiterhymne „Der heimliche Aufmarsch“ (1931): „Setzt eure Herzen in Brand / Nehmt die Gewehre zur Hand“. Eine Aufforderung – oder ein Kommentar zum Ausverkauf von Idealen im Pop?

Das entscheidende Wort singt das Publikum

Der Grat ist schmal, Danger Dan betanzt ihn auch auf seinem Soloalbum von 2021. Alleine am Piano singt er „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“, das gewitzte Titellied über Protagonisten der rechten Szene wie den Israel-Kritiker Ken Jebsen. Der ging 2014 gegen die Gang vor, weil er in „Beate Zschäpe hört U2“ erwähnt wird – das Stück warnt vor Rechtsextremismus.

Das entscheidende Wort überlässt Danger Dan dem Publikum: „Und wenn du friedlich gegen die Gewalt nicht ankommen kannst / Ist das letzte Mittel, das uns allen bleibt . . .“ – „Militanz“ schallt es aus hunderten Kehlen. Er hat in vielen Interviews betont, es gehe ihm dabei nur um Schutz: „Wer auf dem Land ein „linkes, alternatives Jugendzentrum“ betreibe, müsse sich „selber darum kümmern, das zu verteidigen, wenn das angegriffen wird von Neonazis“, hat er unserer Zeitung gesagt.

Im Herzen sind sie Punks

Von offenen Türen handelt die Antilopen-Hymne „Mir kann nichts passieren“, eine Art „Gute Nacht Freunde“ 2.0. Das Publikum feiert den Song ebenso wie die Aussicht, dass „Pizza“ die Welt retten könnte – ein komödiantischer Geniestreich.

Die drei Rapper sind im Herzen natürlich auch Punks und sehr passable Sänger. Die DJane greift zur Gitarre, die Rhythmusgruppe wirft den Turbo an und der „Der goldene Presslufthammer“ kommt über das ausgelassen feiernde Publikum: „Wir sind Projektionsfläche, Spiegel deiner Selbst“, rappen die Antilopen. Wer aus dieser Verkündigung nichts mitnimmt, hat nicht zugehört.