Anne Dröge arbeitet mit Instrumenten und Musik an der Interaktion von Teams. Bei dem Coaching gilt das Klavier zum Beispiel als Autorität. Foto: Eisenhardt Quelle: Unbekannt

Von Katja Eisenhardt

Kirchheim - Teamcoaching trifft Musik - so hat Anne Dröge ihr Workshopkonzept benannt. Dieses orientiert sich am Modell eines Orchesters: Dabei überträgt sie die unterschiedlichen Klangeigenschaften von acht Instrumenten auf die unterschiedlichen Rollen eines Teams. Das Ziel ist es, „aus vielen Solisten ein harmonisches Orchester zu formen“. Die Idee basiert auf dem Konzept des britischen Forschers Raymond Meredith Belbin und des Niederländers Richard de Hoop, der die einzelnen Teamrollen auf die Musikinstrumente übertragen hat.

Doch wie funktioniert das musikalische Teamcoaching? Richard de Hoop hat den Instrumenten unterschiedliche Charaktereigenschaften zugeordnet, die sich auf die einzelnen Charaktere eines Teams übertragen lassen. Für jedes Instrument gibt es ein kleines Infokärtchen. So wird etwa die Harfe - ein allein schon im Klang sehr genaues Instrument - als „kritische und ernsthafte Denkerin“ beschrieben, die gerne die „Hintergründe der Musikinstrumente vertieft und untersucht“. Ihre Stärken liegen darin, schwierige Probleme zu durchschauen und stets seriös, ruhig und präzise zu arbeiten. „Dafür ist die Harfe oft zurückhaltend, weniger enthusiastisch und manchmal vorsichtig“, ergänzt Anne Dröge.

Ganz anders tickt dagegen die Trompete: „Sie ist die begeisterte und optimistische Entdeckerin und immer auf der Suche nach neuen Anreizen. Das kann ihr allerdings auch zum Verhängnis werden, wenn sie zu unbekümmert agiert und die Dinge nicht zu Ende bringt.“ Die Gitarren sind die originellen Kreativköpfe im Team, die gerne neue Ideen einbringen, immer jedoch einen Gegenpart brauchen, um nicht zu weltfremd zu agieren. „Eine gute Kombination wäre hier Gitarre und Harfe“, erklärt Anne Dröge. Nicht so harmonisch funktionieren dagegen die „soziale und sensible Teamspielerin Geige“ und die Trommel als „aktiver, motivierter und handlungsorientierter Tempomacher“. Das Klavier ist dagegen die Verkörperung der typischen Führungsposition: „eine natürliche Autorität, der man diese Rolle sofort abkauft“, erläutert Anne Dröge.

Im Orchestermodell werden die Instrumente den vier Bereichen introvertiert, extrovertiert, Entspannung und Spannung zugeordnet. Während des Workshops gilt es, Dissonanzen herauszufinden und neue Harmonien zu bilden, sodass das ganze Orchester mit seinen unterschiedlichen Charakteren am Ende harmonisch zusammenspielt. Vor dem Workshop können sich die Teilnehmer anhand eines Fragebogens zunächst selbst einschätzen. Dann folgt im Training die Fremdeinschätzung durch das Team. Danach geht es an die Teamzusammenführung. Dafür muss man den Charakter des Gegenübers verstehen, aber auch sich selbst reflektieren. „Ein häufiges Problem in Teams ist, dass ausschließlich funktionsorientiert gehandelt, das Teamgefüge an sich aber außer Acht gelassen wird“, sagt die Trainerin. Allein schon bei Personaleinstellungen sei es daher wichtig, darauf zu achten, wo im Team aktuell Lücken bestehen.

Das Workshopmodell funktioniert „überall dort, wo in Teams zusammengearbeitet wird“. Nach dem Training werden dem Team und jedem seiner Mitglieder verschiedene Übungen an die Hand gegeben. Neben dem klassischen Team-Workshop bietet Anne Dröge Trainings speziell für Führungskräfte oder Gruppen von Einzelpersonen an. Natürlich darf die Musik bei einem solchen Ansatz nicht zu kurz kommen, so wird im Workshop immer wieder mit Klangbeispielen gearbeitet: „Damit man sich unter den einzelnen Instrumenten auch gleich etwas vorstellen kann, ein Bild vor Augen hat.“

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