Superheldin Carol Danvers (Brie Larson) geht mit dem charismatischen Anführer der Foto: Marvel Studios - Marvel Studios

Unzählige Superhelden tummeln sich im Universum der Marvel-Comics. Bislang war das jedoch vor allem eine Männerwelt. Nun kommt mit „Captain Marvel“ endlich auch eine Superheldin in die Kinos.

EsslingenEinige selbst ernannte Filmkritiker brauchten „Captain Marvel“ gar nicht erst anzuschauen, um dem neuesten Comic-Abenteuer aus dem Marvel-Universum bereits ein schlechtes Zeugnis auszustellen. Beim Filmportal „Rotten Tomatoes“ sollen so viele negative Kommentare über den Film und seine Hauptdarstellerin Brie Larson gepostet worden sein, dass die Herausgeber die Möglichkeit abstellten, Filme bereits vor ihrem Kinostart zu bewerten.

Brie Larson spielt die taffe Airforce-Pilotin Carol Danvers, die nach der Explosion eines futuristischen Antriebs Superkräfte entwickelt und zu Captain Marvel wird. Allerdings hat sie bei dem Vorfall zu Beginn der 90er-Jahre ihr Gedächtnis verloren. Beim außerirdischen Kree-Volk versucht sie nun, die wenigen Bruchstücke ihrer Erinnerung von der Erde zusammenzusetzen. Doch auch die mit den Kree verfeindeten Skrull sind an ihr interessiert. 1995 kehrt Danvers zur Erde zurück, wo sie mit S.H.I.E.L.D.-Agent Nick Fury (Samuel L. Jackson) versucht, die konfusen Zusammenhänge ihrer mysteriösen Vergangenheit zu ergründen. In Nebenrollen sind Jude Law als Danvers’ Kree-Mitstreiter Yon-Rogg, Ben Mendelsohn als Skrull-Anführer Talos und Annette Bening als zwielichtige Supreme Intelligence dabei.

Die Handlung lässt sich nicht konkreter wiedergeben, ohne entscheidende Details zu verraten. Die Story ist raffiniert und sehr wendungsreich. Sie basiert lose auf dem Kree-Skrull-Krieg, einem Handlungsstrang, den Marvel-Experten aus den „Avengers“- und „X-Men“-Heften kennen – und natürlich aus den Comics um „Captain Marvel“, der in den 60er-Jahren zunächst ein männlicher Superheld war und erst Jahre später von einer Frau abgelöst wurde.

Starke Frauen sind im Marvel Cinematic Universe immer noch klar in der Unterzahl. Scarlett Johansson als Black Widow kommt einem als erstes in den Sinn, vielleicht Elizabeth Olsen als Scarlet Witch und Evangeline Lilly als Wasp. Dass Disney und Marvel nun endlich die erste Titelheldin ins Rennen schicken, ist eine überfällige Ergänzung. Ihr Auftritt hatte sich 2018 im Abspann des epischen „Avengers: Infinity War“ angedeutet und wird schon im April in „Avengers: Endgame“ fortgesetzt.

Mit den Vorurteilen, denen „Captain Marvel“ im Internet ausgesetzt war, hat Carol Danvers auch im Film zu kämpfen. Zu schwach sei sie, zu emotional, werfen ihr die Männer vor. Doch natürlich behauptet sie sich gegen alle. Auch Brie Larson nimmt den voreiligen Kritikern den Wind aus den Segeln. Als gleichermaßen übermächtige wie empathische Superheldin macht sie eine gute Figur – genau wie Samuel L. Jackson, der an ihrer Seite problemlos als knapp 50-Jähriger durchgeht. So punktet dieses optisch ansehnliche Spektakel des US-Regie-Duos Anna Boden und Ryan Fleck mit seiner smarten Story, mit witzigen Dialogen und sehr originellem Humor, der nicht nur die Technologie und Gepflogenheiten der 90er-Jahre in einem neuen Licht erscheinen lässt, sondern auch Katzen. Die Katze Goose ist der heimliche Star des Films. Gelungen ist auch der weiblich dominierte Soundtrack.

In „Captain Marvel“ gibt es einen intergalaktischen Krieg, einen um 20 Jahre verjüngten Samuel L. Jackson und eine Katze namens Goose. Trotzdem ist das einzige, was Kritiker zu stören scheint, die erste Marvel-Titelheldin. Doch die überzeugt.

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