Messebesucherin Jule bastelt bei der Heizungs- und Sanitär-Innung an der Karriereleiter. Quelle: Unbekannt

EsslingenAm Samstag und Sonntag haben rund 50 Unternehmen, Verbände, öffentliche Einrichtungen und Bildungsträger bei der Aus- und Weiterbildungsmesse „Karriere 2018“ im Neckar Forum Schüler und ihre Eltern über das große Angebot für die Berufswahl in der Region informiert. Die gut besuchte Messe fand zum zehnten Mal statt und wurde von der Eßlinger Zeitung in Kooperation mit der Agentur für Arbeit, der Kreishandwerkerschaft, der IHK Esslingen-Nürtingen und dem Verband Südwestmetall veranstaltet.

Nachwuchsbedarf: „Der Markt hat sich komplett gedreht. Noch vor einigen Jahren haben sich viele Jugendliche um wenige Ausbildungsplätze bei den Betrieben beworben, mittlerweile bewerben wir uns bei den Jugendlichen“, beschrieb Andreas Heinkel, der Geschäftsführer des Bechtle-Verlags, zum Auftakt der Messe die aktuelle Situation. Großbetriebe ebenso wie das Handwerk, Dienstleister oder der öffentliche Sektor kämpften um die Fachkräfte von morgen. „Alle treibt eines um: Wie können wir unsere Ausbildungsplätze schmackhaft machen, wie generieren wir unseren Nachwuchs?“, sagte Heinkel.

Drehscheibe: Bereits kurz nach der Eröffnung der Messe waren die Gänge gut gefüllt und an manchen Ständen herrschte Gedränge. Prospekte über Ausbildungs- und Studiengänge wanderten in Stofftüten, Kugelschreiber, Blöckchen und Süßigkeiten wurden dazu gepackt, vielerorts wurden Berufsbilder erklärt, Bewerbungsvoraussetzungen besprochen und Tätigkeiten anhand von Modellen beschrieben. Der Zuspruch beweise „die Notwendigkeit der Messe als wichtige Drehscheibe, auf der Jugendliche und Betriebe zusammenkommen“, sagte Markus Grupp, der Wirtschaftsförderer des Landkreises Esslingen, der den Schirmherrn, Landrat Heinz Eininger, vertrat.

Soziale Verantwortung: Am Stand der Steinmetzen- und Steinbildhauer-Innung ging es zur Sache. Unter der Anleitung des Steinmetzen Axel Ibanez-Pilih konnten sich Jugendliche an der Bearbeitung eines Steinblocks versuchen und sich so ein handfestes Bild vom Beruf zu machen. „Viele finden das interessant, aber die meisten haben kaum eine Ahnung von dem Beruf. Also muss ich viel erklären, auch über die Zukunftschancen“, sagte er. Doch dafür sei die Messe genau richtig. „Es ist es ja auch eine soziale Verantwortung, für das Handwerk zu werben.“

Zukunftschancen: Seine Zukunftschancen wollte auch Rawsiht Salar Salalbag auf der Messe ausloten. Der junge Kurde war als Flüchtling nach Deutschland gekommen, mittlerweile hat er eine Arbeit und zumindest vorläufig eine Bleibeperspektive gefunden. „Aber ich möchte jetzt eine Ausbildung machen“, sagte er. Heizung und Sanitär wäre sein Ding, „aber ich weiß, ich muss noch mehr Deutsch lernen“. Die Messe habe ihm viel geholfen, auch weil er Kontakte knüpfen konnte. „Ich habe viele Fragen und bekomme viele Antworten“, sagte er.

Karriereleiter: Die Kreishandwerkerschaft präsentierte sich mit einem großen Stand, an dem einige Innungen über Ausbildungsgänge und Karrierechancen informierten. Vielen Jugendlichen sei nicht bewusst, dass der Gesellenbrief nicht das Ende der Karriereleiter bedeute, sondern deren Anfang bilde, sagten Karl Boßler, Vorstand der Kreishandwerkerschaft, und ihr Geschäftsführer Jens Schmitt. „Die duale Ausbildung, die Weiterbildung zum Meister und das anschließende Studium ist der Weg der Wahl für künftige Fach- und Führungskräfte“, betonte Boßler.

Anreize: Bei der Innung Heizung, Sanitär und Klima fanden Jugendliche schon einmal praktische Anreize, an den Aufstiegschancen im Handwerk basteln. Dort galt es, aus einzelnen kurzen Kupferrohren in möglichst kurzer Zeit eine Leiter zum Erfolg zusammen zu bauen. Die 14-jährige Jule ging fix zur Sache. Sie wollte sich auf der Messe über Chancen in den Pflegeberufen informieren, „aber das hier hat mich jetzt auch sehr gereizt“, sagte sie.

„Azubi inside“: An etlichen Messeständen setzten die Betriebe auf Auszubildende als Berater. „Das ist eine gute Sache und sollte weiter so gemacht werden“, sagten Tim Szukitsch und Cengizhan Sari, Azubis bei der Esslinger Firma Eberspächer. Die beiden hatten sich blaue T-Shirts mit der Aufschrift „Azubi inside“ übergestreift und damit auch die Richtung für die lockere Stimmung am Stand vorgegeben. Gespräche unter Gleichaltrigen seien für die Schüler entspannter, als wenn der Chef dastehe. „Das hat den Leuten gefallen, vielleicht sehen wir ein paar als Azubis bei uns wieder“, sagte Szukitsch.

Herausforderung: Joachim Schmid, Einstellungsberater beim Polizeipräsidium Reutlingen, zeigte sich recht zufrieden mit der Nachfrage am Informationsstand. Auch die Polizei stehe vor der Aufgabe, geeigneten Nachwuchs zu finden und dem Fachkräftemangel zu begegnen. Der Messeauftritt sei daher wichtig. „Wir haben mit etlichen qualifizierten Bewerbern gesprochen und es waren erfreulich viele junge Frauen dabei“.

Begleitung: Thomas Fischle, Rektor des beruflichen Bildungszentrums Käthe-Kollwitz-Schule in Esslingen und geschäftsführender Schulleiter der beruflichen Schulen im Landkreis, sieht auch weiter die Schulen in der Pflicht: „Der Messebesuch ist für Schüler sehr wichtig, aber es verlangt auch eine gute Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung“, stellte er klar.

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