Ingo Hacker (links). Foto: Roberto Bulgrin/bulgrin - Roberto Bulgrin

Als einziger Kandidat tritt Bürgermeister Ingo Hacker am 15. September zur Bürgermeisterwahl an. Für den Amtsinhaber wird das bereits die vierte Amtszeit. Bei der Kandidatenvorstellung in der Egelseehalle überzeugte der Verwaltungschef mit Kompetenz, blieb aber auch Antworten schuldig.

NeuhausenAn der Türe zur Egelseehalle begrüßte Neuhausens Bürgermeister Ingo Hacker die Besucher persönlich. Viele Hände hatte er nicht zu schütteln. Mit etwas mehr als 100 Zuhörern war der Andrang bei der Kandidatenvorstellung wenige Tage vor der Bürgermeisterwahl überschaubar. Harald Flößer, Kreischef der Esslinger Zeitung, stellte den 57-Jährigen nicht nur vor. Mit kritischen Fragen zur Kommunalpolitik fühlte er dem Verwaltungschef auf den Zahn.

„Mit 57 Jahren könnten Sie eigentlich eine ganz ordentliche Pension beziehen“, hakte Flößer nach, weshalb der Bürgermeister noch eine vierte Amtszeit wagen will: „Wird man nach 24 Jahren nicht langsam amtsmüde, zumal als Bürgermeister in einer Gemeinde, deren Bürger sich mehr als anderswo einmischen und zuweilen mächtig kontra geben?“ Da konterte Hacker spontan: „Neuhausen hält jung.“ Gerade die Streitkultur findet Hacker wichtig. Da erinnerte er an die heftigen Debatten, die in seinen ersten Amtsjahren um den Schlossplatz geführt wurden. Gerade weil man gestritten habe, sei ein Ergebnis von so hoher Qualität herausgekommen.

Die Bürger in Entscheidungen einzubeziehen, das ist für Hacker eine Triebfeder der Kommunalpolitik. „Vielen Eltern gehen die Sanierung der Schiller-Schule und der vorgesehene Neubau von Grundschule und Mensa im Egelseegebiet zu langsam“, gab Flößer zu bedenken. Schnellschüsse in der Kommunalpolitik will Hacker nicht. „Solche Prozesse brauchen Zeit. Das ist der Preis der Bürgerbeteiligung und der Demokratie.“ Dass die Schiller-Schule erst saniert werden kann, wenn der Neubau der Anton-Walter-Grundschule mit Mensa fertig ist, sei für ihn ebenso bedauerlich wie für die Gemeinderäte. „Aber in den Bauphasen müssen wir Unterrichtsräume für die Schüler haben.“ Diese zwingend erforderliche Reihenfolge hat im Frühjahr der Schulbauexperte des Regierungspräsidiums Stuttgart den Gemeinderäten bestätigt.

Dass in der Boom-Region Filder auch in der nächsten Amtszeit viele Herausforderungen auf den Verwaltungschef warten, wurde in dem einstündigen Dialog deutlich. In absehbarer Zeit wird Neuhausen um weitere 1000 neue Einwohner wachsen. Das bedeutet, dass die Gemeinde erheblich in die Infrastruktur investieren muss. „Ist bei der Vielzahl von Großprojekten nicht absehbar, dass die Bürger künftig stärker zur Kasse gebeten werden?“ hatte der Leser Frank Herrmann im Vorfeld gefragt. Hacker verwies darauf, dass etwa die Kläranlage, deren Erweiterung 16,9 Millionen Euro kosten soll, über einen Gebührenhaushalt finanziert wird. Für die Schulbauten gebe es Zuschüsse – ebenso wie für die Renaturierung des Sulzbachs nahe der Kläranlage, die die Kommune fast gar nichts koste.

Obwohl Hacker die meisten Fragen ausführlich und auf dem fundierten Hintergrund seiner 24-jährigen Expertise beantwortete, blieb er auch manche Antworten schuldig. Die Frage von Grünen-Gemeinderätin Gabriele Probst nach Visionen, etwa für Klimaschutz, konterte Hacker zunächst sehr schroff. Als Flößer da wiederum nachhakte, blieb der Bürgermeister an der Oberfläche, verwies später auf die energetisch sanierten Fenster für das Rathaus. Auch ein kommunales Mobilitätskonzept fehlt in Neuhausen. Etliche Zuhörer wunderten sich schließlich darüber, wie Hacker seine Rolle im Gemeinderat definiert: „Ich habe im Gemeinderat nur einen Sitz. Meine Aufgabe ist es, zu moderieren.“

Kritische Fragen stellten die Bürgerinnen und Bürger in der offenen Runde einige. Auf die schwierige Situation der Sportvereine ging Günther Stotz ein. Die Sporthallen platzten jetzt schon aus allen Nähten, und bei den Vereinen in der Filderkommune gebe es Wartelisten. Die bestehenden Sportanlagen sind aus Stotz’ Sicht auf 8000 Einwohner ausgerichtet. Für eine Auslagerung der Sportstätten an die Panoramastraße sieht der Senior da keine Perspektive. Von den Plänen der Arbeitsgemeinschaft der Neuhausener Vereine, mit einer Kalthalle oder einer Erweiterung der Egelsee-Sporthalle die Kapazitäten mittelfristig zu erweitern, höre man nichts mehr. Hacker verwies darauf, dass die Pläne für die Erweiterung der Sporthalle vom Gemeinderat und den Fachplanern weiter verfolgt würden. Außerdem erläuterte er die Sportstätten-Konzeption.

Auf fehlende Radwege sprach Helmut Roth den Bürgermeister an. In der Gartenstraße sei es gerade für die Schüler sehr gefährlich, entlang der Straße zu radeln. Das sieht Radfahrer Hacker anders. Er nutze die Strecke häufig. Roth mahnte nicht nur mit Blick auf die Schülerinnen und Schüler eine Radwegekonzeption an.

Um den Einkaufsstandort Neuhausen sorgt sich Gisela Paatsch. „Wo sollen die vielen Neubürger denn einkaufen?“ Gerade in der Ziegelei und in den Akademiegärten fehlten Geschäfte für die Grundversorgung. Da müssten die neuen Bewohner weiter als einen Kilometer in den Ort laufen und wanderten möglicherweise zum Einkauf nach Wolfschlugen ab. Sie sorgt sich aber auch um den CAP-Markt in der Ortsmitte. Da erinnerte Hacker an die Finanzspritze der Gemeinde, die Investitionen des Inklusionsunternehmens mit 300 000 Euro unterstützen will. Aber Neuhausen sei ja nur eine von den vier an der CAP-Kette beteiligten Kommunen, die da mitspielen müssten – die Kirchheimer Stadträte haben das abgelehnt.

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