Luftaufnahme des Esslinger Firmensitzes. Foto: Eberspächer

Paukenschlag in Esslingen. Das Vorzeigeunternehmen Eberspächer schließt die Fertigung am Heimatstandort. Das Werk, in dem Fahrzeugheizungen hergestellt werden, produziert seit langem rote Zahlen. Skeptiker glauben, das könnte für den ganzen Industriestandort am Neckar ein schlechtes Omen sein. 

Esslingen -  Das Esslinger Traditionsunternehmen Eberspächer hat am Dienstag angekündigt, die Produktion von Standheizungen am Heimatstandort einzustellen. 300 von 1350 Arbeitsplätzen in Esslingen sollen mit diesem Schritt bis Ende 2022 abgebaut werden. Eberspächer verlagert die Produktion der bislang am Neckar gefertigten Anlagen nach Polen, dort betreibt die Firma eine Fabrik in der Nähe von Breslau. Ebenso sollen externe Firmen damit beauftragt werden. 
Die Beschäftigten wurden gestern mittag von der Unternehmensführung über diesen Schritt informiert. In Esslingen wird es dann  keine Fertigung mehr geben.  Der Standort bildet künftig ausschließlich die Zentrale des Konzerns, der auf Fahrzeugheizungen und Abgastechnik spezialisiert ist und über 80 Standorte auf der ganzen Welt unterhält. Die Bereiche Forschung, Entwicklung, Vertrieb und Verwaltung sind also weiterhin in Esslingen.
Der Schritt sei  dem Familienunternehmen sehr schwer gefallen, sagte Martin Peters, neben Heinrich Baumann geschäftsführender Gesellschafter, in einem Pressegespräch. „Die Entscheidung hat sich seit langem abgezeichnet. Wir haben viele Jahre um das Werk gekämpft, aber letztlich ist die Schließung unvermeidlich.“ Die Fertigung in Esslingen schreibe seit Jahren Verluste, „in einem niedrigen zweistelligen Millionenbereich“. Die Faktorkosten bei der Produktion seien hier drei- bis viermal so hoch wie in Polen. „Unsere deutschen Werke stehen seit Jahren unter verschärftem Wettbewerbsdruck, und der Mittlere Neckar ist der vielleicht teuerste Standort der Welt“, sagte Baumann. 
Wie er und Peters ausführten, hat die Corona-Krise mit ihren schweren wirtschaftlichen Folgen die Entscheidung beschleunigt, das Werk Esslingen stillzulegen – „sie war aber nicht die Ursache“, so Baumann. Die Epidemie habe Eberspächer ausgehend von China „voll erfasst“ und im März zu „einer Vollbremsung“ geführt. Im April kam es zum Stillstand. Wie auch in anderen Firmen gibt es bei Eberspächer Kurzarbeit. Die Auswirkungen seien viel massiver als während der Finanzkrise 2008/09. Während sich die Lage in China stabilisiert hat, rechnet man bei Eberspächer für Europa und die USA mit einer langsamen Erholung. „Ich kann nicht ausschließen, dass wir das Niveau aus der Zeit vor der Krise erst wieder im Jahr 2024 erreichen“, sagte Peters. Das Geschäftsjahr 2019 bezeichnete er als „ordentlich und solide. Das operative Geschäft habe sich in schwierigem Umfeld besser als erwartet entwickelt. Der Umsatz stieg im Vergleich zu 2018 um 7,7 Prozent.  

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