Volle Foto: Thomas Krytzner - Thomas Krytzner

Die Kugel rollte zwar, aber nicht so wie sonst. Dauerregen und der nasse Boden stellte die Teilnehmer des Boule-Turniers an der Esslinger Burg vor besondere Herausforderungen.

EsslingenEs hatte so gar nichts mit dem Klischeebild aus Frankreich zu tun. Kein gemütlicher Dorfplatz mit schattigem Plätzchen, Rotwein und ein paar Senioren mit Barett, die zwischendurch mal eine Kugel in die Hand nehmen. Beim Bouleturnier, dem Cup d’Oignon, trafen sich 24 Dreiermannschaften (Tripletten) auf dem Boulodrôme bei der Esslinger Burg. Die Vereine kamen aus Friedrichshafen aus Tübingen und aus den umliegenden Gemeinden. Ganz vorne dabei die Boulespieler aus Neuffen. Aus dem Dorf am Albtrauf kommen nämlich auch Deutsche Meister in dieser Sportart. Neuffen spielt derzeit mit einer Mannschaft in der Landesliga Baden-Württemberg.

Bei Nässe rollt die Kugel anders

Der dauerhafte Regen am gestrigen Sonntag machte es den Schießern – so nennen sich die Werfer – zusätzlich schwer, wie Rudi Meier, Vorsitzender im Bouleclub Esslingen erklärte. „Der Boden verändert sich, wenn er nass ist. Dadurch müssen die Sportler andere Techniken anwenden und zum Beispiel die Höhe miteinbeziehen.“ Bei feuchtem Boden bleiben nämlich die Kugeln eher liegen. Diese „Boules“ wiegen von 650 bis 800 Gramm und haben einen genormten Durchmesser von 65 bis 80 Millimeter.

Gefertigt werden die Sportkugeln von drei bis vier lizenzierten Herstellern und bestehen größtenteils aus rostfreiem Inox oder Carbon. Den Ursprung hat diese Sportart wie es die Sprache schon verrät in Frankreich. „Dort sitzt auch der Weltverband der Boulespieler.“ Rund 500 000 lizenzierte Spieler gibt es in Frankreich, in Deutschland sind es knapp 10 000, die sich der eisernen Kugel sportlich widmen. Rudi Meier freut sich: „Wir sind den Franzosen in dieser Sportart einen Schritt voraus. Bei uns sind die Frauen schon voll in das Boulespiel integriert.“

Boule als Olympische Disziplin?

Boule ist im Badischen und in Württemberg weit verbreitet. In Tübingen gibt es viele französische Mitbürger und auch am gestrigen Sonntag konnte man auf der Burg einige französische Töne hören. „Dennoch ist Boule eine Randsportart und unsern Verein plagen Nachwuchssorgen“, bedauerte Rudi Meier. Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer: „Petanque – so wird die Präzisionssportart genannt, soll bei den nächsten Olympischen Sommerspielen Demonstrationsdisziplin werden.“ Wenn alles gut läuft, könnte Boule sogar zur Olympischen Disziplin werden. Bei dieser Sportart gibt es verschiedene Formationen. Es wird einzeln, in Zweier- oder Dreiergruppen gespielt. Am weitesten verbreitet ist die Triplette, die Dreiermannschaft. Da hat jedes Team sechs Kugeln. Sobald ausgelost ist, wer anfängt, wird die Zielkugel – die Cochonnet geworfen und die Schießer versuchen mit ihren Kugeln möglichst nahe ans Ziel zu kommen. „Die Mannschaften spielen dabei nicht abwechseln, wie man oft glaubt, sondern nacheinander. Sobald die beginnende Gruppe fertig ist, kann sich die zweite Mannschaft verbessern.“ Dabei wird aber penibel um jeden Punkt gekämpft. „Da kommt es schon vor, dass der Abstand zur Cochonnet mit dem Zollstock gemessen wird“, schmunzelt Rudi Meier.

Beim Turnier hält man sich zwar auch an die Regeln, aber das weltweite Regelwerk umfasst 39 Paragrafen, wie Rudi Meier weiß, „und dieses ist sehr kompliziert.“ Boule kann als Ganzkörpersportart angesehen werden. „Konzentration und Koordination sind nötig, wenn man Boule spielen will“, sagt Meier. „Die Sportart wird leicht unterschätzt.“ Der Vereinschef ist glücklich, dass die Stadt den Platz bei der Burg ermöglich hat: „Viele kommen schon allein wegen dem Ambiente nach Esslingen.“

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