Die Firma Scheufelen ist ein Traditionsunternehmen mit ungewisser Zukunft. Der innovative Hersteller von Graspapier hat noch nicht genug Marktanteile erobert. Foto: Jacques - Jacques

Das innovative Graspapier, das die Lenninger Papierfabrik Scheufelen produziert, findet zu wenig Abnehmer. Deshalb hat das Unternehmen erneut einen Insolvenzantrag gestellt.

LenningenDie Belegschaft der Lenninger Papierfabrik Scheufelen muss erneut eine Hiobsbotschaft verkraften: Das Unternehmen hat am Mittwoch erneut einen Insolvenzantrag gestellt. „Wir haben trotz deutlich weniger Personal massive Fixkosten“, so erklärt der Geschäftsführer Stefan Radlmayr die wiederholte Schieflage des Unternehmens. Der Absatz von Graspapier sei deutlich langsamer gewachsen als erwartet. Derzeit produzieren die 100 Mitarbeiter im Monat 500 bis 1000 Tonnen. Um wirtschaftlich zu sein, wäre mindestens die dreifache Menge notwendig.

Aufgrund des geringen Verkaufs mussten die Investoren monatlich eine höhere sechsstellige Summe zuschießen. „Daran sind wir gescheitert“, sagt Stefan Radlmayr. Nun wird sich ein Insolvenzverwalter um die Fortführung des Unternehmens kümmern. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind noch bis zum 1. Mai gesichert.

Ulrich Scheufelen ist optimistisch

Zu den großen Abnehmern der Scheufelen GmbH gehören gemäß dem Beiratsvorsitzenden Ulrich Scheufelen die Einzelhandelsketten Rewe und Norma. Gefertigt werden für sie Schalen für Obst und Gemüse beziehungsweise Tüten aus Graspapier. Doch insgesamt verhält sich der Markt dem innovativen Produkt gegenüber offenbar nach wie vor eher zurückhaltend. Wie Geschäftsführer Radlmayr betont, wäre die Firma Scheufelen in der Lage, große Mengen an Verpackungen aus Graspapier herzustellen. Es fehle aber ein Ankerkunde, also ein Großabnehmer, der auf das ökologische Produkt setzt.

Der Geschäftsführer vermisst Kunden, die sich der innovativen Idee verschreiben. Es werde eher abgewartet, ob der Produzent durchhält. „Dass wir hier Pionier sind, hat uns das Leben nicht erleichtert“, sagt er. Der Belegschaft sei nichts vorzuwerfen. Sie habe mitgekämpft. Unterstützung erhielt die Papierfabrik auch von politischer Seite: Der Neustart von Scheufelen mit Graspapier im Juli vergangenen Jahres war möglich, weil sich die Landesregierung für das Unternehmen eingesetzt und auch Investoren an Land gezogen hatte.

„Wir testen auf allen Ebenen“, sagt Stefan Radlmayr. Er ist davon überzeugt, dass die Firma Scheufelen ein sehr erfolgreiches Produkt anbietet. So hätten sich die Mitarbeiter beispielsweise nicht träumen lassen, dass Graspapier tiefdruckfähig ist oder mit einer Fett- und Wasserbarriere ausgestattet werden kann. Doch laut Ulrich Scheufelen haben genau diese, im Lebensmittelbereich notwendigen, zeitaufwendigen Tests den Absatz verzögert.

Der 75-Jährige räumt ein, vielleicht zu euphorisch gewesen zu sein. Dennoch bleibt er optimistisch: „Ich glaube nicht, dass die Lichter ausgehen.“ Technologisch habe Scheufelen die Nase vorn. Der Beiratsvorsitzende setzt nach wie vor auf die Verpackungswende mit dem Zurückdrängen von Plastik. „Es gibt die Hoffnung, dass wir auch in Zukunft Interessenten haben.“

Um den Standort zu nutzen, hofft Radlmayr indes, dass die Landesregierung an der Ansiedlung eines Zentrums für Bioökonomie und eines „Technikums Laubholz“ auf dem Scheufelen-Areal festhält. Dort soll die Forschung gebündelt werden, um hochwertige Produkte aus Laubholz zu entwickeln.

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