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AUSFLUGSTIPP NöRDLINGEN UND SEIN RIES

Der Krater, der Kater und die kreisrunde Stadt

Das sagenhafte Löpsinger Tor.
 

Das sagenhafte Löpsinger Tor.

 

Von Jakob Panitz

Manch einer, der das westbayerische Nördlingen, zwischen Ostalb und Fränkischer Alb, besucht und am späten Abend noch durch die Altstadt bummelt, wird staunen, wenn er aus schwindelnder Höhe den Ausruf hört: „So, Gsell, so!“. Beim ersten Mal wird er vielleicht denken, er hat sich geirrt. Wer sollte da um 22 Uhr noch in fast 90 Metern Höhe vom Kirchturm herunterrufen? Aber spätestens um 22.30 Uhr, wenn sich das Ganze wiederholt, wird man hellhörig . . . und informiert sich endlich, was in Nördlingen zu nachtschlafender Zeit angesagt ist.

Der seltsame Wächterruf

Schon seit ewigen Zeiten gibt es auf dem „Daniel“, so heißt der nach einem Propheten benannte Turm der mächtigen St. Georgs-Kirche, einen Türmer. Das heißt, früher waren es zwei, die den grandiosen Überblick über Nördlingen hatten, und rechtzeitig vor Angreifern oder vor Feuer warnen sollten. Schließlich war im 13. Jahrhundert ein ganzes Viertel abgebrannt. Die Türmer, sowie die Wächter in den fünf Tortürmen der Stadt, mussten sich zur gegenseitigen Kontrolle des nachts alle Stunde „So, Gsell, so!“ zurufen, damit ja keiner einschläft.

Dieser seltsame Wächterruf - heutzutage halbstündlich zwischen 22 und 24 Uhr - geht auf eine Sage zurück, wonach eines Nachts im Jahre 1440 eine Frau bemerkte, dass das Löpsinger Tor nur angelehnt war. Darauf aufmerksam wurde sie durch eine entlaufene Sau, die sich am Torflügel ihr Hinterteil rieb. Empört rief sie den Wächtern zu: „So, G’sell, so!“. Die Wächter wurden entlarvt, und gestanden später vor Gericht, dass sie vom feindlichen Grafen aus dem 20 Kilometer entfernten Oettingen bestochen wurden, damit dieser mit seiner Schar die Stadt erobern konnte. Die Wächter wurden hingerichtet - der Ausruf der Frau zum geflügelten Wort sowie die Sau zu einer Art städtischem Markenzeichen.

Nördlingen, 19 000 Einwohner und seit dem 16. Jahrhundert überwiegend protestantisch, hat nicht nur etliche Sagen zu bieten, sondern vor allem eine handfeste, wissenschaftliche Sensation in seinem Umland - das Nördlinger Ries. Wer sich für Astronomie und Weltraumfahrt interessiert, wird‘s wissen: Das Ries ist ein Krater von etwa 24 Kilometern Durchmesser, den vor rund 15 Millionen Jahren ein gut tausend Meter großer Meteorit geschlagen hat.

Kirchturm aus Kratergestein

Die Explosion beim Auftreffen des Meteoriten, dessen Kern mehrere hundert Meter tief in die Erde eindrang, hatte die Kraft von mehreren 100 000 Hiroshima-Atombomben.

Brocken des Auswurfs wurden bis zu 70 Kilometer weit geschleudert. Nahezu jegliches Leben im Umkreis von rund 100 Kilometer (bis Stuttgart und München) wurde schlagartig ausgelöscht. Der Meteorit hat die damals subtropische Landschaft in Süddeutschland dramatisch verändert. Später füllte sich der Krater mit Wasser und wurde zu einem 400 Quadratkilometer großen, giftigen Salzwassersee - der immer mehr versandete und schließlich das Ries bildete - in dem man wunderbar radeln und wandern kann.

1936 wurde erstmals die Theorie von einem Einschlag aus dem All geäußert, doch erst US-Wissenschaftler erbrachten 1960/61 den Nachweis eines Meteoriteneinschlags. Aus dem Schmelzgestein des Einschlags (Suevit genannt) wurde auch der gewaltige Nördlinger Kirchturm im 15. Jahrhundert erbaut.

So gewaltig wie der Turm, so beeindruckend ist auch die 2,7 Kilometer lange Stadtmauer Nördlingens, mit fünf Toren und zwölf Türmen. Es ist die einzige vollständig begehbare Stadtmauer Deutschlands. Und vom „Daniel“ aus kann man nicht nur den Ries-Krater überblicken, sondern erkennt auch, dass durch die im 14. Jahrhundert gebaute Mauer eine kreisrunde Altstadt geformt wurde. Diese hat ein mittelalterliches Flair, das zum Glück auch bei den Luftangriffen 1945 kaum beschädigt wurde. Sehenswert sind vor allem die Gebäude im Zentrum, darunter das Rathaus von 1313, das Schneidtsche Haus von 1563, in dem Gustav Adolf von Schweden übernachtet hat (1632), das Gasthaus zur Sonne von 1350 in dem Kaiser Friedrich III., Maximilian I., Karl V., Johann Wolfgang von Goethe sowie Apollo-Astronauten logierten. Am Weinmarkt steht auch das einstige Gasthaus zur Krone, dessen aus Altenstadt bei Geislingen stammende Wirtin Maria Holl durch die Hexenprozesse berühmt wurde. Trotz 62 Folterungen weigerte sie sich zu gestehen, dass sie mit dem Teufel im Bunde sei. Viele Bürger setzten sich für sie ein. 1594 wurde Maria Holl vom Vorwurf der Hexerei freigesprochen. Es war einer der letzten Hexenprozesse in Nördlingen. Ein Denkmal am Weinmarkt erinnert an sie.

wissenswertes

Die Astronauten von Apollo 14 (Roosa, Mitchell und Shepard, der später auf dem Mond einen Golfball hunderte Meter weit schlug) absolvierten 1970 in einem Steinbruch im Rieskrater ein geologisches Training.

Wer gerne radelt, sollte dies unbedingt einmal im Meteoritenkrater tun (kaum Steigungen). 2010 wurde auch der Radweg „Von Krater zu Krater“ eingeweiht, der ins 40 Kilometer entfernte Steinheim (Ostalb) führt, wo ein Teil des Meteoriten ebenfalls einen (kleineren) Krater geschlagen hat.

Der „Daniel“ ist täglich begehbar (350 Stufen). 2011 waren 54 000 Besucher oben und haben den Rundumblick auf dem balkonähnlichen Umgang genossen. Im „Daniel“ wacht, außer dem Türmer, auch ein Kater, „Wendelstein“ genannt, der eigentlich die Tauben vertreiben soll, aber lieber Katzen in sein Refugium „einlädt “.

Besuchenswert : Bayerisches Eisenbahnmuseum, Stadtmuseum, Brauhäuser, Rieskrater-Museum. Letzteres zeigt Mondgestein und Teile des Neuschwanstein-Meteoriten (kam 2002 runter, Sonderausstellung bis 23. September). Ein bekannter Nördlinger ist Gerd Müller, „Bomber der Nation“ vom FC Bayern. Auf sein Geburtshaus weist ein Schild in der Bergerstraße hin.

Vom 9. bis 18. Juni 2012 findet die traditionelle „Nördlinger Mess´“ statt, das größte Volksfest der Region.

Wohnmobil-Stellplätze gibt es beim Busparkplatz vor dem Baldinger Tor.

Tourist Information, Marktplatz, Tel. 09081/84116, www.noerdlingen.de

 

Artikel vom 13.04.2012 © Eßlinger Zeitung

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