Weihnachten steht vor der Tür, und auch die meisten Fußballfans im Lande haben wohl schon ihren Tannenbaum gekauft, vielleicht auch schon geschmückt, mit einem funkelnden Stern auf der Spitze. Ganz oben in der Tabelle der Fußball-Bundesliga steht derzeit noch der FC Bayern München, und er wird auf diesem Platz auch überwintern, weil der direkte Verfolger Bayer Leverkusen im letzten Spiel des Jahres keine vier Punkte aufholen kann. Aber: Die Münchner stehen nicht mehr strahlend über allen anderen. Patzen Sie gegen RB Leipzig wie schon zuletzt in Mainz und gleichzeitig fertigt die Bayer-Elf den SC Freiburg ab, dann wäre der schöne Vorsprung auf nur ein Pünktchen geschmolzen. Kein echtes Winterpolster.

Dieses Szenario ist durchaus denkbar. RB Leipzig hat es zwar fertiggebracht, mit sechs Niederlagen als eines der ersten Teams aus der neuen Champions League zu fliegen, hat sich aber in der Liga wieder stabilisiert und kann optimistisch nach München fahren. Und die Bayern? Der von Verletzungen geschwächte Rekordmeister lieferte beim 1:2 in Mainz ein richtig schlechtes Spiel ab. Joshua Kimmich sprach von einem „gefährlichen Moment“, weil in Mainz so wenig wie noch nie seit Vincent Kompanys Arbeitsbeginn als Trainer funktionierte. Das Ergebnis war letztlich keine wirkliche Überraschung, nach recht ähnlichem Muster hatten die Bayern dort bereits drei der vorangegangenen vier Bundesliga-Auswärtsspiele verloren - jeweils eins unter Kompanys Vorgängern Hansi Flick, Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel. Gegen Leipzig, sagte Sportvorstand Max Eberl, müsse die Mannschaft nun eine Reaktion zeigen, wie es in dieser Saison bislang immer nach Niederlagen gelungen sei. Dabei kann wohl immerhin Torjäger Harry Kane wieder mitspielen.
...hat Tabellenführer Bayern München noch Vorsprung vor Verfolger Leverkusen. Ein wirklich üppiges Polster ist das nicht mehr.
In Leverkusen registriert man die Entwicklung in München natürlich mit Freude - und natürlich auch die wohl geglückte Vertragsverlängerung mit Ausnahmespieler Florian Wirtz. Vor dem Fest kommt der SC Freiburg in die BayArena. Mit Michael Gregoritsch haben die Breisgauer dabei einen besonderen Spieler in ihren Reihen, der wegen einer Verletzung wieder einmal die Saisonvorbereitung verpasst und lange keinen Platz in der Truppe von Coach Julian Schuster gefunden hat. Gregoritsch spielte aber nicht die beleidigte Leberwurst, sondern blieb ruhig, trainierte weiter hart, kämpfte sich wieder ran ans Team und ist jetzt da, wenn er gebraucht wird. Nach dem spektakulären 3:2-Sieg gegen Wolfsburg herrscht naturgemäß beste Laune im SC-Lager. Da ließ sich auch für Gregoritsch recht unbeschwert die Kritik formulieren, dass man es beim nächsten Mal bei einer 3:0-Führung nicht mehr so spannend machen dürfe. In Leverkusen wird es für den SC auf jeden Fall schwer, denn das Team von Trainer Xabi Alonso legt einen starken Endspurt hin und hat auch die schwierige Hürde in Augsburg genommen.
Auf Bayern-Bezwinger Mainz wartet bei Eintracht Frankfurt eine sehr herausfordernde letzte Leistungsüberprüfung in diesem Jahr. Die TSG Hoffenheim holte zuletzt einen Punkt in Dortmund und hat jetzt die Borussia aus Gladbach vor der Brust, die schon sieben Zähler mehr gesammelt hat als die Kraichgauer. Dortmund wiederum verschenkte wieder einmal zwei Punkte beim 1:1 gegen die TSG. Das Spiel gegen Hoffenheim sei unfassbar schlecht gewesen, sagte BVB-Verteidiger Nico Schlotterbeck. Und es ist fraglich, ob die Dortmunder nach diesem Spiel ausgerechnet bei den - von der Niederlage in Freiburg abgesehen - zuletzt so starken Wolfsburgern das erste Mal in dieser Saison auswärts dreifach punkten.
An den letzten Strohhalm, doch noch auf dem grünen Rasen in der Vorrunde drei Punkte zu holen, klammert sich der VfL Bochum gegen die ebenfalls abstiegsbedrohten Heidenheimer. Ähnlich trist ist die Lage bei Holstein Kiel. Nicht einmal Schlusslicht Bochum kassiert so viele Gegentore (37). Zu wenig Ballgewinne, zu viele Fehler, keine Stammelf. Die Mängelliste ist groß vor dem Spiel gegen den FC Augsburg. Holstein-Kapitän Lewis Holtby bringt es auf den Punkt: „Am Ende geht es darum, ob man die Qualität hat oder nicht.“Auch Union Berlin hat seit zwei Monaten nicht mehr gewonnen - die Krise erinnert ein wenig an die der vergangenen Saison. Können die Eisernen unter Trainer Bo Svensson erneut den Turnaround schaffen? Oder schlittert Union in die nächste Krise? Eine Antwort darauf können die Köpenicker beim Auftritt bei Werder Bremen geben.
Frohe Kunde gibt es beim VfB Stuttgart vor dem Ausklang daheim gegen den FC St. Pauli, denn Jamie Leweling hat sich langfristig an den Club gebunden. Und mit viel Glück wird er wie der seit Wochen verletzt fehlende Deniz Undav gegen die Kiez-Kicker wieder auflaufen können, zumindest ein Kaderplatz scheint nach Risikoabwägung wahrscheinlich. Die Formation von Trainer Sebastian Hoeneß geht gestärkt in die Partie, nachdem man am vergangenen Sonntag in der zugegeben kurzen Heidenheimer Bundesligahistorie erstmals gegen die schwäbischen Landesbrüder von der Ostalb gewonnen hat. Über Leidenschaft, über den Biss und über den Willen haben sie es gerichtet.
Das macht Lust auf mehr. Diese Attribute werden vor allem von Nick Woltemade verkörpert, der in Heidenheim an allen Toren beteiligt war. Mit seiner körperlichen Spielweise, die er mit einer erstaunlichen fußballerischen Finesse paart, steht Woltemade gerade exemplarisch für den VfB. Die vom Spielplan derart beanspruchten Stuttgarter sehnen sich geradezu nach der Weihnachtspause. Doch danach folgen für den VfB vier englische Wochen am Stück.