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Bauen & Wohnen10.03.2015

Steinzeit in der Küche

Neue Möbelfronten sind aus Beton und Schiefer – Mittlerweile ist in der Küche fast alles möglich

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(Simone Andrea Mayer) - Ganze Häuser werden daraus geformt und Bodenplatten gegossen: Beton ist ein grobes Material, das kühl aussieht und sich auch so anfühlt. Doch jetzt wollen die Küchenhersteller es in den Wohnraum bringen – Beton ist das neue Trendmaterial für Küchenschränke. Gleich eine Reihe Hersteller bringt Programme auf den Markt, deren Fronten mit dem Baustoff versehen sind – möglich ist das durch Innovationen der Betonbranche. Das Beispiel des Unternehmens Leicht Küchen heißt Concrete, was auch die englische Bezeichnung für Beton ist. Die Fronten bestehen aus MDF-Trägerplatten, die mit Polyester gefüllt sind. Sie werden seidenmatt lackiert. Darauf kommt von Hand eine feine Betonschicht von nur 0,5 bis 1 Millimeter Stärke – eine für diesen Baustoff lange Zeit unmögliche Stärke. Möglich ist das mit sogenanntem Hochleistungsbeton. Er kann zu sehr dünnen und damit leichten Platten gegossen werden, die nicht brechen – eine Neuheit. „Dafür wird Zement sehr fein gemahlen und mit anderen Zusatzmitteln ergänzt“, erklärt Ulrich Nolting vom Informationszentrum Beton in Erkrath bei Düsseldorf. Das führt zu einem wesentlich höheren Festigkeitsgrad und damit zu neuen Einsatzmöglichkeiten. Auch andere neue Mischungen kommen im Möbelbau zum Einsatz. So lassen sich neuerdings sehr dichte Oberflächen aus Beton gießen, die nicht mehr wie üblich mit Rüttlern nachbearbeitet und von Luftbläschen befreit werden müssen. „Selbstverdichtender Beton hat in etwa die Konsistenz von Honig“, erläutert Nolting. „Er fließt langsam in jede Ecke und in jeden Winkel.“ Diese Mischungen wie auch sogenannter leichtverdichtender Beton haben andere Rezepturen als herkömmlicher Beton und lassen sich daher entsprechend für andere Formen verwenden. So werden zum Beispiel runde statt gebrochene Gesteinskörnungen und besondere Sande verwendet.

Zitronensäure macht Flecken

Beton eignet sich laut dem Experten gut für die Küche und dort als Unterlage für die Speisenzubereitung – mit einer Ausnahme. Kommt es in Kontakt mit Lebensmittelsäure zum Beispiel aus Zitrusfrüchten, wird die Fläche zwar nicht beschädigt, aber fleckig, sagt Nolting. „Diese Patina lieben manche und finden das ganz toll.“ Wer lieber eine Oberfläche hat, auf der sich mit der Zeit keine Gebrauchsspuren des Alltags zeigen, kann das Material beschichten lassen, ähnlich wie das mit Holz gemacht wird. Die Betonfronten der Küche namens Horizon Forum Stucco von Zeyko werden zum Beispiel zum Schluss zweifach mit Strapazierlack versiegelt. Das mache den Betonspachtel küchentauglich, erläuterte Zeyko- Marketingleiter Tobias Hollerbach anlässlich der Vorstellung des Produktes. Kombiniert werden die Fronten mit Elementen aus Nussbaum oder lackiertem Glas. „Ich finde besonders spannend, dass Beton auch für den Einsatz im Wohn-, Bad- oder Kochbereich heute in einer großen Auswahl an Farben angeboten wird“, sagt Nolting. Das lässt das bislang nur mausgraue bis mattweiße Material ganz anders als gewohnt wirken: Es strahlt Wohnlichkeit und Wärme aus. Concrete von Leicht Küchen ist in den üblichen Grautönen, aber auch in Rostfarben erhältlich. In drei Brauntönen ist Horizon Forum Stucco von Zeyko bestellbar.

Nichts für jeden Haushalt

Nicht nur Beton, sondern auch Steine werden im designlastigen Küchenbau gerne verwendet, bislang aber nur für die Arbeitsplatte. Neu auf dem Markt sind auch hier erste Modelle mit Steinfronten der Schränke. Strasser Steine produzierte bislang nur Arbeitsplatten, aber mit dem Modell ST-ONE stellte es kürzlich sein erstes Küchenmöbel vor. Der mit Steinplatten überzogene Korpus besteht aus Ahorn oder Räuchereiche, die Kanten sind aus Aluminium in Edelstahloptik. Möglich ist die Produktion aus verschiedenen Steinen in vier Farben. Der Solitär in Kubus- oder Quaderform soll laut Geschäftsführer Johannes Artmayr mit Wandelementen anderer Hersteller kombinierbar sein. Aber solche hochwertigen Materialien und die aufwendigen Produktionsverfahren für die Küchenmöbel sind teuer und nichts für jeden Haushalt. Weiterhin beliebt sind daher Möbel mit günstigerem Furnier. Das kennt man vom Möbelbau mit Holz: Furnier sind dünne Holzblätter, die auf Span-, MDF- oder Multiplexplatten geleimt werden und das Möbel aussehen lassen, als wäre es komplett aus Massivholz gefertigt. So ähnlich kann man das auch mit Stein machen: Auf Schieferfurnier setzt das Unternehmen Ballerina Küchen, auch die neue Küche Stone von Rempp Küchen ist mit echtem Steinfurnier überzogen. Mit neuen Produktionstechniken ist heute sowieso fast alles in der Küche möglich – auch das für Küchenmöbel ungewöhnliche Erscheinungsbild von ewe. Die Kollektion Vida des Unternehmens sieht aus, als wären die Fronten mit Leder bezogen. Doch handelt es sich um einen Lack, der das Erscheinungsbild von Leder imitiert. Zudem soll er sich so anfühlen, aber robust genug für die Nutzung in der Küche sein.


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