Foto: Gaby Weiß

Bei einem Lokaltermin hat die SPD Einblicke in den möglichen Neubaustandort für die Esslinger Stadtbücherei geboten. EZ-Redakteur Alexander Maier findet es überfällig, die Theorie der Bücherei-Konzeption an den praktischen Möglichkeiten des Standorts zu messen.

EsslingenWas hat man uns für verlockende Aussichten für die Esslinger Bücherei der Zukunft präsentiert: Weitläufige Hallen, ein Ambiente, in dem sich jeder wohlfühlt, Teilhabe für alle – ein „dritter Ort“ der Identifikation. Und am besten soll sich das in einem Neubau an der Küferstraße realisieren lassen – sofern man der Stadt glauben darf. Das klingt alles wunderbar, doch die Realität sieht etwas anders aus. Die SPD hat das einzig Richtige gemacht und auf externe Fachleute verzichtet, deren Visionen mit den eingeschränkten Esslinger Realitäten wenig zu tun haben. Sie hat die Bürger befragt. Und sie hat die Standort-Diskussion aus der schönen Theorie in die Praxis geholt und gezeigt, was im Neubau möglich ist und was an den eng gesteckten Grundstücksgrenzen scheitern muss. Wer heute schwelgend die Bilder vom Hof hinter der Musikschule anschaut, sollte überlegen, was davon bleibt, wenn dort ein Bücherei-Neubau in den geplanten Dimensionen steht. Viele würden sich die Augen reiben, wenn die Stadt mit einem Schaugerüst die Gebäudekonturen zeigen sollte. Bislang durften Anwohner nicht mal ihre Hecken beliebig wachsen lassen, um den Blick nicht zu stören – für die Stadt gelten andere Regeln. Abgesehen davon ist es nicht gut, wenn manche nun aus durchsichtigem Grund unterschwellig einen Keil zwischen die Generationen treiben – frei nach dem Motto: Die unbelehrbaren Alten wollen unbedingt ihren Pfleghof behalten und vermiesen so den Jungen einen hippen Neubau. Die Esslinger Bücherei ist ein Ort des Miteinanders, und das muss sie bleiben. Ein „dritter Ort“, der offenbar auch junge Leute nicht abschreckt, ist sie schon heute.

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