Um die 160 Furries trafen sich zum Suitwalk und sorgten in der Esslinger Altstadt für große Augen. Foto: von Leesen - von Leesen

Furry - das ist ein Mensch, der sich in aufwändigen Tierkostümen wohlfühlt. Am Samstag haben sich 160 Furries zum „Suitwalk“ durch die Esslinger Altstadt getroffen.

EsslingenSie verkleiden sich als Wolf, Katze, Hase, Fuchs oder erfinden ein Tier, dem sie einen eigenen Charakter geben – die Furries. Furry steht für Menschen, die sich in aufwändigen Tierkostümen wohl fühlen und manchmal darin herumlaufen. So wie am Samstag in Esslingen. Um die 160 Furries trafen sich zum Suitwalk und sorgten in der Altstadt für große Augen.

„Die sehen gruselig aus.“ Ein etwa vierjähriges Mädchen drängt sich an die Beine des Vaters und starrt halb ängstlich, halb fasziniert auf das bunte Treiben auf dem Hafenmarkt. Dort lehnen große bunte Katzen, Wölfe, Füchse und diverse Phantasietiere am Brunnen, posen für die vielen Fotografen oder lassen sich erschöpft auf einen Stuhl fallen. Sie alle sind Teil der Furry-Gemeinde, Menschen, die sich für antromorphe Tiere interessieren, also Tiere mit menschlichen Eigenschaften. Micky Maus oder Donald Duck wären dafür Beispiele. Die sind auf dem Hafenmarkt nicht zu sehen, doch an Comics darf sich der Betrachter durchaus erinnert fühlen. Manche der Tiere haben die riesigen Kindchenschema-Augen, die so typisch für Comicfiguren sind. Viele Kostüme jedoch sind ziemlich tierecht gestaltet, zum Beispiel die tiefschwarzen Wölfe, bei deren Anblick manches kleine Kind erschrocken das Weite sucht. Das kleine Mädchen vom Hafenmarkt jedoch traut sich nach einiger Zeit zu fragen: „Sind die nett?“

Natürlich sind die nett. Sonst wären sie ja keine Furries. Furry kommt aus dem Englischen und steht für pelzig, flauschig. „Wir machen die Welt fluffiger“, verrät ein niedlicher Fuchs. Darin scheinen sich alle einig zu sein. Egal, wen man nach dem Grund für dieses etwas absonderliche Hobby fragt, stets lautet die Antwort: „Es macht Spaß, den Menschen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern.“ Das funktioniert zum Großteil. Beim Weg vom Schelztorparkhaus zum Hafenmarkt bleiben die Passanten stehen, grinsen, lachen, machen Fotos und lassen sich von den Pelzigen umarmen. Dieser Drang zu Körperkontakt ist verhältnismäßig stark ausgeprägt bei den Tiermenschen und wird gerne angenommen.

Organisiert hat den Suitwalk („Suit“ ist englisch für „Anzug“ und bezeichnet die Kostümträger) der Verein zur Förderung antromorpher Künste aus Esslingen-Berkheim. Dessen Vorsitzender Marcel Ellinger ist in der Szene der Berkwolf. Er erklärt, dass es sich bei diesem Hobby um Kunst handelt. Denn man steige nicht einfach in ein Tierkostüm, sondern überlege sich einen Charakter und entwerfe danach das Kostüm, beziehungsweise lasse es entwerfen. Zur Furry-Szene gehören nicht nur die Kostümträger sondern auch die Zeichner, die Fotografen, die Kostümbauer. Auffällig ist, dass vor allem junge Männer sich verkleiden. „Aber wir werden mehr“, erzählt „Leundra“, so der Szenename einer jungen Ingenieurin aus Mettingen, die ihren bürgerlichen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte. Sie läuft mit Drachenkopf und Handpfoten herum. „Für den Rest des Kostüms ist es heute zu warm.“ Sie sei aus der Fantasy-Szene kommend zu den Furries gestoßen. „Ich bastel unheimlich gerne, will kreativ sein. Das ist der Ausgleich zu meinem Bildschirm-Job.“

Das Furrytum stammt aus den USA, seit Mitte der 1990er verbreitet es sich auch in Deutschland. Die Gemeinde kommuniziert vor allem übers Internet, die größte Zusammenkunft in Deutschland ist die Eurofurence in Berlin, bei der im August etwa 3000 Furries zusammenkamen.