03.02.2019 Altbachs Bürgermeister Funk besucht nach dem Brand am Samstag den Unglücksort.

 Foto: SDMG

Bis Sonntagfrüh um 1.30 Uhr waren die Feuerwehrleute im Einsatz, um zu verhindern, dass sich Glutnester in einem abgebrannten Wohnhaus in der Kirchstraße wieder entzünden.

AltbachDramatische Szenen haben sich am Samstagfrüh rund um die Ulrichskirche in der Altbacher Dorfmitte abgespielt. Beim Betanken eines Heizöltanks im Keller eines kleinen Einfamilienhauses in der Kirchstraße 9 ereignete sich ein folgenschweres Unglück. Es kam zu einer Verpuffung. In deren Folge entstand ein Feuer, das sich in Windeseile im ganzen Gebäude ausbreitete. Die beiden Hausbewohner, ein 73-jähriger Mann und seine 68 Jahre alte Ehefrau, erlitten lebensgefährliche Brandverletzungen und mussten nach der Bergung in Spezialkliniken geliefert werden. Ebenfalls schwerste Verletzungen zog sich der 49-jährige Tanklastfahrer zu, der selbst noch bei der Rettung des Ehepaars mitgeholfen hatte.

Das Gebäude brannte vollständig aus. Weil es einzustürzen drohte, wurde das Wohnhaus am Nachmittag von Spezialkräften des Technischen Hilfswerks weitgehend abgerissen. Über die Ursache des Unglücks ist noch nichts bekannt. Markus Schweikert, der Leiter des Polizeireviers Esslingen, hatte vor Ort zunächst berichtet, dass der Hausbewohner bei der Heizöllieferung mit einer Bauleuchte hantiert habe, die wohl zerplatzt sei. Mutmaßlich sei das der Auslöser für das Feuer gewesen. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen machte am Sonntag jedoch einen Rückzieher: Das habe man noch nicht verifizieren können. Brandsachverständige der Kriminalpolizei ermittelten noch.

Schwerverletzter Tanklastfahrer hilft bei Rettungs des Ehepaars

Am Samstag gegen 7.45 Uhr war der Notruf bei der Integrierten Leitstelle des Landkreises Esslingen eingegangen. Bei der Anfahrt zum Feuerwehrhaus, das kaum 100 Meter vom Brandort entfernt liegt, kamen einige der örtlichen Einsatzkräfte am brennenden Haus vorbei. Ein Mitglied der Altbacher Feuerwehr sah dabei, dass der Schlauch des Heizöllasters Feuer gefangen hatte, und forderte den Fahrer auf, das Fahrzeug sofort von der Unglücksstelle weg in Richtung Feuerwehrzentrum zu steuern. Dabei lief eine größere Menge Heizöl auf die Straße. Der 49-jährige Fahrer rannte danach zurück zum Haus in der Kirchstraße, um bei der Bergung des Ehepaars mitzuhelfen.

Im Nu habe sich das im Keller entstandene Feuer überall ausgebreitet, berichtet Andreas Nitsch, der Sprecher der Feuerwehren im Landkreis. Mehr als 50 Einsatzkräfte der Feuerwehren Altbach, Plochingen, Esslingen und Deizisau hatten alle Hände voll zu tun, mit bis zu fünf Strahlrohren von zwei Drehleitern aus und von außen das Feuer zu löschen. Auch Schwerschaum wurde verwendet. Um die Flammen besser bekämpfen zu können, wurden die Dachziegel abgetragen. Aus dem direkt angebauten Nachbarhaus, in dem sich unten ein Friseursalon befindet, mussten zwei Personen über die Drehleiter evakuiert werden. Über ein offenes Fenster hatte sich in der Wohnung der beiden starker Brandrauch ausgebreitet. Der in der Nachbarschaft wohnende Pfarrer nahm die beiden vorübergehend bei sich auf.

Brand war gegen 11 Uhr gelöscht

Wegen der starken Rauchentwicklung mussten alle Helfer mit umluftunabhängigem Atemschutz arbeiten. Die Ausrüstung dafür lieferte der in Esslingen stationierte Atemschutz-Gerätewagen des Landkreises. Neben Polizei und Feuerwehr war der Rettungsdienst mit drei Ärzten und mehreren Fahrzeugen im Einsatz. Die DRK-Ortsvereine versorgten die Einsatzkräfte mit Essen und Trinken.

Gegen 11 Uhr sei der Brand gelöscht gewesen, berichtet Feuerwehrsprecher Nitsch. Damit war der Einsatz aber noch längst nicht beendet. Weil es sich bei dem Gebäude um ein Fachwerkhaus mit viel Holz und anderen leicht brennbaren Materialien handelte, musste nach möglichen Glutnestern im Haus geschaut werden, die sich schnell wieder entzünden konnten. Etliche Stunden waren der Altbacher Kommandant Tobias Herlein und seine Leute damit beschäftigt, an den Brandherd im Keller zu gelangen. Bevor man den Dachstuhl abtrug, wurde ein Baufachberater des Technischen Hilfswerks (THW) aus Ludwigsburg angefordert. Auf dessen Rat hin rissen Mitarbeiter des THW nicht nur den Dachstuhl ein, sondern entfernten mit einem Bagger zusätzlich die einsturzgefährdete Giebelwand. Auch die Kellerdecke habe man abgetragen, berichtet Einsatzleiter Herlein. Unmittelbar danach habe man im Keller noch 200 Grad gemessen, sagte er im Gespräch mit der EZ. Vom Wochenende hatten die Altbacher Feuerwehrleute nicht viel. Erst gegen halb zwei war am Sonntagmorgen für sie der Einsatz beendet.

Über die Schadenshöhe konnte die Polizei am Sonntag noch keine Angaben machen. Auch über den Zustand der drei Verletzten wurde nichts bekannt.

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