Tafel enthüllt: Stefan Ehehalt, Leiter des Stuttgarter Gesundheitsamts, und Bürgermeisterin Alexandra Sußmann Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Seit Montag weist auch in Stuttgart am Gesundheitsamt auf die in der NS-Zeit dort stattgefundenen Zwangssterilisationen und erzwungenen Geburtenabbrüchen hin. Nach wie vor ist eine Aufarbeitung nur bedingt möglich.

Stuttgart - Viele Gräueltaten der Nazis sind erforscht und aufgearbeitet. Bei manchen Themen herrscht bis heute Unklarheit. So auch bei den in Stuttgart stattgefunden Zwangssterilisationen und erzwungenen Geburtenabbrüchen, auf die seit Montag eine Gedenktafel am Gesundheitsamt, Schlossstraße 91, aufmerksam macht. „Mit dieser Tafel soll sichtbar werden, was lange geleugnet und verdrängt wurde. So kann verhindert werden, dass das Unrecht, das hier begangen wurde, wieder passiert“, sagte die Bürgermeisterin für Soziales und gesellschaftliche Integration, Alexandra Sußmann die die Tafel mit dem Gesundheitsamtsleiter Professor Stefan Ehehalt enthüllte.

Zahl der Eingriffe ist unbekannt

In dem Gebäude war lange Zeit die Städtische Frauenklinik untergebracht. Auf Grund eines 1933 erlassenes Gesetzes „zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ – wie es auf der Gedenktafel heißt – wurden hier Unfruchtbarmachungen und erzwungene Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Wie viele dieser Eingriffe stattgefunden haben, ist nicht bekannt. „Die Akten hierzu liegen im Stadtarchiv und sind nach wie vor gesperrt“, so Karl-Horst Marquart. Die Namen und Zahlen bleiben auf unbestimmte Zeit zum Schutz der Betroffenen geheim. Der Mediziner war selbst im Gesundheitsamt tätig, bis er die Notwendigkeit sah, die Geschichte aufzuarbeiten. „Zu mir hieß es immer, hier hätten solche Verbrechen nicht stattgefunden“, so Marquart.

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