Die Gemeinde Deizisau plant zusätzliche Klassenzimmer für die Grundschule. Nach Auswertung einer Umfrage soll eine Konzeption für die Ganztagsschule erarbeitet werden.
Ab dem Schuljahr 2026/2027 haben auch Kinder, die eine Grundschule besuchen, das Recht auf Ganztagsunterricht oder Ganztagsbetreuung. Die Gemeinde Deizisau ist derzeit dabei, dafür die Weichen zu stellen, nachdem der Ganztagsbetrieb an der benachbarten Gemeinschaftsschule schon länger Alltag ist. Nach einer Umfrage unter den Eltern ist die Verwaltung laut Bürgermeister Thomas Matrohs derzeit dabei, eine Konzeption zu entwickeln, wie das zusätzliche Angebot aussehen soll.
Für die Umfrage hat die Gemeinde mehr als 200 Eltern zukünftiger Grundschüler angeschrieben und befragt, wie sie sich einen Ganztagsbetrieb vorstellen. Laut Matrohs haben 62 Prozent der Angeschriebenen die Fragebögen ausgefüllt. „Das zeigt das große Interesse der Eltern an dem Thema“, sagt Matrohs. Dieses sei auch an „der Tiefe der Antworten“ zu spüren gewesen. Derzeit ist die Gemeinde dabei, die Umfrage auszuwerten, um das Ergebnis dann der Öffentlichkeit und dem Gemeinderat vorzustellen. Was bislang feststeht: Im Raum stehen zwei Varianten, über die aber erst der neue Gemeinderat nach der Kommunalwahl am 9. Juni entscheiden wird. Zum einen ist es möglich, dass es an drei Tagen in der Woche für alle 240 Kinder der Grundschule verbindlich nach dem gemeinsamen Mittagessen bis 14.45 Uhr Unterricht oder eine von den Lehrern angebotene Hausaufgabenbetreuung geben wird. Danach würden weitere freiwillige Betreuungsangebote stattfinden. Zum anderen steht im Raum, dass es bereits nach dem normalen Unterricht ab 12 Uhr oder 12.45 Uhr freiwillige Ganztagsangebote gibt, an denen die Kinder teilnehmen können, sofern es die Eltern möchten und auch bezahlen.
Steigende Schülerzahlen
Um den Ganztagsbetrieb zu stemmen und die steigenden Schülerzahlen bewältigen zu können, braucht es zusätzliche Klassenzimmer. „Derzeit haben wir an der Grundschule 23 Klassenräume, von denen zwei aber nicht dem üblichen Standard entsprechen“, so Matrohs. Für den künftigen Ganztagsbetrieb und für eine durchgängige dreizügige Grundschule werden laut dem Verwaltungschef fünf weitere Klassenzimmer benötigt. Wie aus einer von der Gemeinde in Auftrag gegebenen von dem Stuttgarter Planungsbüro GUS erstellten Architekturkonzeption hervorgeht, kann diese Herausforderung durch einen Anbau auf dem Schulgelände an der Bismarckstraße bewältigt werden. „Das Konzept hat gezeigt, dass Ganztag auf unserem Schulareal funktioniert“, sagt Matrohs fast schon erleichtert. Darüber, wie der mögliche Anbau aussehen und an welcher Stelle auf dem Schulgelände er erstellt werden soll, wird jedoch ebenfalls erst der neue Gemeinderat entscheiden.
Zuschüsse von etwa zwei Millionen Euro erhofft
Matrohs geht ersten Kostenschätzungen zufolge von Investition in Höhe von fünf Millionen Euro aus. Für die sogenannten förderfähigen Kosten – das sind die Ausgaben, die die Gemeinde allein für den Ganztagsbetrieb stemmen muss – gibt es einen Landeszuschuss in Höhe von 70 Prozent. In Deizisau betragen diese förderfähigen Kosten etwa drei Millionen Euro, weshalb Matrohs auf Zuschüsse in Höhe von etwa zwei Millionen Euro hofft. Insgesamt verteilt das Land in diesem zweiten Förderdurchgang zum Ganztagsausbau an Grundschulen 356 Millionen Euro, allein 132 Millionen im Regierungsbezirk Stuttgart, zu dem auch der Landkreis Esslingen gehört. Im ersten Durchgang hatten landesweit 97,5 Millionen Euro zur Verfügung gestanden, von denen etwa 98 Prozent abgerufen worden waren. Allerdings werden die Fördermittel dieses Mal laut Matrohs nach dem sogenannten Windhundprinzip verteilt – das heißt: wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Der Deizisauer Bürgermeister befürchtet jedoch, dass dieses Mal mehr Fördermittel beantragt werden könnten als zur Verfügung stehen. Allein im Landkreis Esslingen gebe es mehr als 60 Grundschulen, die fast alle ähnliche Probleme hätten. Deshalb sei nicht klar, wie viel Geld jede Schule bekomme und ob einzelne Schulen am Ende nicht leer ausgingen.
Bekommt Deizisau die erhofften Fördermittel, muss die Gemeinde das gesamte Projekt bis Ende 2027 abgerechnet haben. „Das bedeutet, dass wir die gesamte Maßnahme in unglaublicher Geschwindigkeit realisieren müssen“, sagt Matrohs. Doch auch ohne den möglichen Landeszuschuss will er dem Gemeinderat den Anbau empfehlen. „Wir brauchen die zusätzlichen Klassenräume in jedem Fall“, sagt er. Auch dann werde der Zeitplan ähnlich sein. In jedem Fall werde Deizisau im Schulterschluss mit allen Beteiligten eine gute Bildungsqualität hinbekommen, so Matrohs.
Anbau mit fünf weiteren Unterrichtsräumen
Erhöhter Bedarf
Das Schulareal an der Bismarckstraße beheimatet sowohl eine Grundschule als auch eine Gemeinschaftsschule. Die Gemeinschaftsschule besuchen rund 330 Kinder und Jugendliche, die Grundschule 240 Kinder - mit – steigender Tendenz. Reichten an der Grundschule bislang zwei Klassen pro Jahrgang aus, so muss sich die Schule mittelfristig auf drei Klassen pro Klassenstufe einstellen. Grund sind mehr Geburten als prognostiziert und mehr Familien, die nach Deizisau ziehen.
Ganztagsangebote
Hinzu kommt, dass ab Herbst 2026 auch an der Grundschule Ganztagesangebote gemacht werden müssen. Beides hat zur Folge, dass die aktuell 23 Klassenzimmer nicht mehr ausreichen. Um neuen Platz zu schaffen, ist für voraussichtlich fünf Millionen Euro ein Anbau mit fünf weiteren Unterrichtsräumen geplant. Läuft alles nach Plan, gibt’s vom Land einen Zuschuss von zwei Millionen Euro.