Vor wenigen Tagen hat Jürgen Leippert sein Atelier geschlossen und sich über die große Resonanz der Kunstszene gefreut: Am Mittwoch ist der „Toulouse-Lautrec von Stuttgart“ gestorben.
Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählt das Porträt von Heinz Berggruen, dem Ehrenbürger Berlins, das im Roten Rathaus in Berlin hängt – eine Wahl, die die besondere künstlerische Sensibilität von Jürgen Leippert unterstreicht.
Die Malerei war sein Leben. Erst kürzlich verabschiedete sich der gebürtige Stuttgarter schweren Herzens von seinem Atelier am Schellenkönig mit einem letzten großen „Schlussverkauf“ seiner Werke. An beiden Tagen war Jürgen Leippert dabei, im Kopf so flink und witzig wie eh und je. Freunde, Sammler und Weggefährten kamen, um ihn zu ehren, und viele seiner Bilder fanden neue Besitzer.
Letztes Zeitungsinterview wenige Tage vor seinem Tod
„Mit dem Saufen und dem Rauchen habe ich aufgehört“, sagte der Künstler, den man den „Toulouse-Lautrec von Stuttgart“ nannte, unserer Redaktion zu seinem Abschied von seinem Atelier. Dies sei ihm gar nicht schwer gefallen. Dass er nicht mehr malen kann, sei viel härter.
Kurz nach seinem letzten Zeitungsinterview erlitt Jürgen Leippert seinen dritten Schlaganfall, dem er am Mittwoch im Krankenhaus erlegen ist. Bis zuletzt an seiner Seite waren seine Ehefrau und deren Tochter.
Kunst als Überlebenskampf und „50 traurige Meter“
Zeitlebens hat sich sich der 1941 geborene Leippert mit Freude unter Menschen gemischt. Er war das, was man einen Szenegänger und Original nennt. Nicht nur in der Stuttgarter Altstadt war er unterwegs, auch New York, Paris, Berlin, Amsterdam, Wien oder Rio de Janeiro habe er „geradezu inhaliert“, wie er einmal sagte. Seine Werke hinterlassen eine bleibende Spur, seine Präsenz, sein Schalk und seine Milde werden unvergessen bleiben. „Alles in allem“, sagte Leippert selbst, „hat es das Leben gut mit mir gemeint.“ Es war ein Leben voller Farben, Intensität und Ehrlichkeit.
Geboren in Bad Cannstatt, lernte Leippert früh bei Alfred Lehmann in Berlin, dass die Kunst auch ein Überlebenskampf ist. Über sechs Jahrzehnte hat er gezeichnet, gemalt, übermalt – Schicht für Schicht, Bild für Bild – und seine Werke beinahe reliefartig gestaltet. Leippert gehörte dem expressiven Realismus an und verstand es, das Leben in seiner ganzen Wahrheit einzufangen – sei es in den Gesichtern seiner Porträts oder in den Straßen der Stuttgarter Altstadt, die er liebevoll, aber schonungslos „50 traurige Meter“ nannte.
Seinem Wunsch entsprechend soll der Künstler seine letzte Ruhe in einem Baumgrab finden. Der Termin für die Beerdigung steht noch nicht fest.