Die Ente wurde 1971 in Plochingen gekauft und hat noch ihre Zulassung von damals Foto: Peter Dietrich - Peter Dietrich

Ein 2 CV, ein Opel 1200 und ein Buick-“Haifisch“ waren nur einige der extravaganten Fahrzeuge, die beim Oldtimertreffen in Deizisau Autofans begeisterten.

DeizisauNein, dieses Wetter war nichts für den seitlich offenen Chevrolet aus dem Jahr 1928, trotz des eingebauten Regenschirmständers. Doch er bekam beim 17. Deizisauer Oldtimertreffen ein Plätzchen unter dem Dach. Schließlich hörte der Regen nach etwa zwei Stunden auf, und die Oldtimerfreunde Deizisau konnten immer mehr interessante Fahrzeuge begrüßen. Wenn diese Autos Romane schreiben könnten, meinte ein Fahrer, sie hätten viel zu erzählen. Können sie zwar nicht, dafür gaben aber die Besitzer oft sehr gerne Auskunft, und das Nachfragen lohnte sich.

Das galt etwa für den Opel 1200 von Oliver Thaler aus Baltmannsweiler. Von diesem wurden einst fast 68 000 Stück gebaut, doch aktuell sind in Deutschland nur sechs Stück zugelassen. Mit 40 PS betrug der Grundpreis des Sparmodells, einer Konkurrenz zum VW Käfer, 5675 Mark. Thaler hat sein Exemplar vor eineinhalb Jahren in Luxemburg gefunden. „Seither wird er gehegt und gepflegt“, sagte Thaler über das Auto. „Einmal bin ich zum Anschauen hin, dann habe ich überlegt, dann bin ich nochmals hin, habe neue Reifen drauf und bin mit 90 Kilometern pro Stunde fünf Stunden lang auf der Autobahn nach Hause gefahren.“ Der Wartburg 353 von Istvan Dukat hat noch ein ungarisches Kennzeichen, doch das wird sich bald ändern, denn der Besitzer wohnt nun in Esslingen. Sein Vater hatte das Auto im August 1979 in Ungarn gekauft. Die Wartezeit betrug 15 Monate, bei einer Anzahlung von 40 Prozent – das ging also weit schneller als im Herkunftsland des Autos, der DDR. Alles ist noch original, was auch daran liegt, dass der Vater für das neue Auto im Garten eine Garage gebaut hatte. Zur Arbeit ist er weiterhin mit der Straßenbahn gefahren, der Wartburg wurde nur am Wochenende und im Urlaub benutzt und hat bisher 99 000 Kilometer auf dem Tacho.

Fast nichts mehr original ist hingegen am Edel-Polo 1 GTS, den der neue Besitzer komplett zerlegt und umgebaut hatte. Seine Innereien sahen dadurch um Klassen vertrauenerweckender aus als diejenigen beim 2 CV, der Ente. Doch irgendwelchen Zweifeln an der Zuverlässigkeit von Handschaltung und Co. trat deren Besitzer vehement entgegen: „Die Lichtmaschine ist fortschrittlicher als beim Mercedes aus dem gleichen Baujahr.“ Die Ente, 1971 in Plochingen gekauft, hat noch ihre Zulassung von damals. Zur Umstellung auf ein H-Kennzeichen wäre ein Gutachten nötig, dass die Ente tatsächlich ein Oldtimer ist. Heiko Köhler aus Weissach hat diese Umstellung bei seinem Golf Cabrio, Baujahr 1988, vollzogen: Nun darf er das KAT-freie Auto als offiziellen Oldtimer wieder fahren. Neben vier Golf nennt Köhler auch einen Mercedes 300 SL sein eigen: „Aus erster Hand von meinen Eltern, Baujahr 1986 mit 42 000 Kilometern“

„Wir wollten kein Auto kaufen, wir haben in den USA Urlaub gemacht“, erzählt Heinrich Pfund. Warum sitzt er dann in einem Buick Special Tourback von 1949, dem „Haifisch“? Über einen amerikanischen Freund bekam er das Fahrzeug zu sehen, das zuvor von einem Vater vor den Kindern unter Heu und Stroh versteckt worden war. Trotz Widerspruch seiner Frau war er sich sofort sicher: „Das Auto geht mit.“ Nach einiger Bearbeitung durch den amerikanischen Freund – Familie Pfund war längst wieder zuhause – entschied sich der unwillige Vorbesitzer dann doch noch zum Verkauf, für 1900 US-Dollar, was damals etwa 3000 D-Mark entsprach.

Bis das Auto per Schiff und Abschleppdienst in Stuttgart ankam, hatte Heinrich Pfund inklusive Zoll rund 11 000 Mark ausgegeben. Insgesamt stecken inzwischen rund 15 000 Euro im Buick, dessen Restaurierung sich sechs Jahre lang hinzog. „Mein Sohn hat in Stuttgart eine Autowerkstatt.“ Pfund legt viel Wert aufs Original: Das gilt fürs Radio, auch wenn es für dessen Frequenzen keine Sender mehr gibt, und das gilt für den Tacho, der bisher 102 000 Meilen gezählt hat. Er hat aber kleine Aufkleber mit Kilometerangaben bekommen: „Das verlangt der TÜV.“ Seine inzwischen verstorbene Frau, erzählt Pfund, sei später von dem Auto ganz begeistert gewesen.

Schein und Sein waren auch früher schon zweierlei. Das lehrt der Karmann Ghia, unter dessen eindrucksvoller goldener Haube sich nur käfrige 50 PS der Marke VW verbergen. Und es gibt jene Autos, die von verachteten Gebrauchsgegenständen zu Liebhaberobjekten geworden sind. „Es ist ein Wunder, dass der überlebt hat“, sagte ein Betrachter über den Fiat 132 GLS. „Die wurden nach Gebrauch immer verschrottet.“ Heute ist das „FI 132“ sogar ein Teil des Nummernschildes geworden.

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