25 LesARTen bedeuten zahlreiche Literatur-Erlebnisse. Die Erinnerungen passen perfekt in die Jubiläums-Taschen, die man sich selbst bedrucken konnte. Quelle: Unbekannt

Auf drei Etagen zeigte die Stadtbücherei am Freitag mit einem Jubiläumsprogramm die ganze Vielfalt von Literatur und Leseförderung.

EsslingenWer an die LesART denkt, der denkt an viele große Namen aus der Welt der Literatur, die sich bereits im Gästebuch verewigt haben. Doch die Esslinger Literaturtage sind sehr viel mehr. Wie facetten- und erlebnisreich die Wunderwelt der Worte sein kann, zeigte die Stadtbücherei am Freitag mit einem Jubiläumsprogramm im Alten Rathaus, das Literatur mit allen Sinnen erlebbar machte. Vom Vorlesestündchen für die Kleinsten über Kindertheater und Workshops bis hin zum hehren Literatur-Diskurs war so ziemlich alles geboten, was die Veranstaltungsarbeit der Bibliothek nicht nur während der LesART, sondern übers ganze Jahr hinweg auszeichnet.

„Wir wollen die ganze Vielfalt unseres Tuns zeigen“, erklärte Bücherei-Leiterin Gudrun Fuchs das Konzept der Veranstaltung. Auf drei Etagen war aus Anlass der 25. LesART bis in den späten Abend allerhand geboten: In der Schickhardt-Halle erinnerte eine Ausstellung an große Momente früherer LesART-Festivals. Alte Programmhefte, Zeitungsberichte und Werbematerialien weckten Erinnerungen, auf mannshohen Fahnen waren die Namen der mehr als 800 Autorinnen und Autoren vermerkt, die sich bei den Literaturtagen bereits die Ehre gaben. Der Künstler und Designer Jürgen Palmer erläuterte, wie er Jahr für Jahr die unkonventionelle Werbelinie der LesART gestaltet und wie wichtig eine unverwechselbare Handschrift ist. Und weil es auch in Zukunft am literarischen Nachwuchs nicht fehlen soll, bot der Esslinger Autor Dirk Werner zwei Schreibwerkstätten an, in denen junge Leute lernen konnten, wie man spannende, witzige und noch nie dagewesene Geschichten zu Papier bringt.

Einen literarischen Text zu schreiben, ist eine Sache – ihn anderen zugänglich zu machen, ist eine ganz andere. Man kann ihn in gedruckter Form unters Volk bringen. Wie das funktioniert, konnten Kinder in einer kleinen Druckwerkstatt ausprobieren. Man kann einen Text aber auch vorlesen – so wie die ehrenamtlichen Vorlesepaten, die im Lempp-Zimmer des Alten Rathauses die Leseminis der Bücherei um sich scharten. Und man kann die Dichter selbst zu Wort kommen lassen – wie in Rosens Lyrik-Duetten, die der Esslinger Slam-Poet Andreas Roos im Trauzimmer des Alten Rathauses präsentierte: Paarweise zeigten Ulrich Stolte und Silke Laufs, Dirk Werner und Bettina Rechsteine sowie Klaus Schmidt und Linda Wortmann, wie vielfältig Lyrik sein kann. Manche Texte schaffen es sogar auf die Bühne – so wie Sven Nordqvists „Mama Muh und der Kletterbaum“, den Lothar Lempp wunderhübsch in Szene gesetzt und damit Zuschauer ab vier Jahren buchstäblich von den Sitzen gerissen hat.

Manchmal genügt sogar ein Theater en miniature – so wie im japanischen Bildkartentheater Kamishibai, das ebenfalls zu sehen war. Literatur kann man aber auch ganz modern genießen – zum Beispiel mit Literatur-Apps für Kinder. Die empfehlenswertesten waren im Alten Rathaus zu sehen. Die ungewöhnlichste Form der Literaturvermittlung hat freilich Jochen Weeber zum Jubiläumsfest im Alten Rathaus mitgebracht: Seinen „Autormat“ – eine charmant gestaltete Poesie-Kabine, in der der Autor im Wechsel mit der Schauspielerin Natascha Meyer kurze Texte auf Augenhöhe las. Man musste nur eine Münze einwerfen, und schon hob sich der Vorhang. Ganz so einfach war’s im Escape-Room in der Eckstube des Alten Rathauses freilich nicht: Dort öffneten sich die Türen erst, nachdem man ein kniffliges literarisches Rätselspiel gelöst hatte.

Die hehre Literatur kam am Abend zu ihrem Recht: Zunächst unterhielten sich Büchner-Preisträger Lukas Bärfuss, sein Autoren-Kollege Ernst-Wilhelm Händler und Moderator Florian Höllerer über Literatur im 21. Jahrhundert (Besprechung folgt). Dann verwandelte Jens Thomas Goethes Lyrik in den Klang unserer Zeit, womit er einen reizvollen Bogen zwischen Gegenwart und Vergangenheit schlug.

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