Aktivisten der Tierrechtsorganisation Peta liegen mit Kunstblut beschmiert und halbnackt auf dem Boden. Die Tierrechtsorganisation bezeichnet die Aktion als einen ihrer Demo-Klassiker - anlässlich seines 25-jährigen Bestehens plane der deutsche Ableger des Verbandes in diesem Jahr 15 bekannte Aktionen wieder aufleben zu lassen. Foto: Fabian Sommer/dpa - Fabian Sommer/dpa

Die Tierrechtsorganisation Peta ist bekannt für ihre teils kontroversen Kampagnen und Protestaktionen. Zum 25-jährigen Bestehen lässt sie nun ihre «Klassiker» aufleben.

Stuttgart (dpa) Mit Kunstblut beschmiert und halbnackt haben 30 bis 40 Aktivisten der Tierrechtsorganisation Peta am Samstag in Stuttgart gegen industrielle Fleischproduktion protestiert. Peta bezeichnete die Aktion als einen ihrer «Demo-Klassiker» - anlässlich seines 25-jährigen Bestehens plane der deutsche Ableger des Verbandes in diesem Jahr 15 bekannte Aktionen wieder aufleben zu lassen, hieß es in einer Mitteilung.

Die Organisation ist bekannt für ihre teils kontroversen Kampagnen und öffentlichkeitswirksamen Protestaktionen. Aktivisten ließen sich schon als menschliches Stück Fleisch in Frischhaltefolie einwickeln oder protestierten bei Minusgraden im Bikini gegen Pelz. Die sogenannte Fleischberg-Aktion in Stuttgart wurde zum ersten Mal 2009 in Köln durchgeführt.

Peta selbst bezeichnet «Menschlicher Fleischberg» als Demo-Klassiker - mit 15 ihrer bekannten Aktionen will die Organisation im Jubiläumsjahr durch Deutschland touren. In Stuttgart bleiben viele Passanten stehen und machen Fotos. Für Empörung sorgt bei einigen die auf Postern festgehaltene Aussage «Fleisch tötet!»

Peta setzt auf Schockeffekt

«Wir gehen lieber zu weit, als nicht weit genug zu gehen», sagt Harald Ullmann, Mitgründer und zweiter Vorsitzender von Peta Deutschland mit Hauptsitz in Stuttgart. «Peta setzt auf den Schockeffekt und betrachtet die Kontroverse als den entscheidenden Kommunikationserfolg», erklärt Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen von der Universität Tübingen. «Man will mit allen Mitteln provozieren, um das eigene Thema - das Leid von Tieren - auf die öffentliche Agenda zu setzen.» Peta Deutschland hat nach eigenen Angaben mehr als 1,5 Millionen Unterstützer. Einnahmen durch Spenden und Erbschaften beliefen sich im Wirtschaftsjahr 2018 laut Verein auf knapp 7,9 Millionen Euro.

Petas eigentliches Kapital ist aber Aufmerksamkeit. Dafür kommen neben nackter Haut auch Bilder gequälter Tiere zum Einsatz - oder Prominente. 1991 launchte die ursprünglich in den USA gegründete Organisation die Kampagne «I'd Rather Go Naked Than Wear Fur» («Lieber nackt als Pelz»). Das Kampagnenmotiv wurde mit Musikern und Models immer wieder neu aufgelegt. Unter ihnen auch Supermodel Naomi Campbell, die dessen ungeachtet einige Jahre später wieder im Pelz über den Laufsteg lief. Das sei schädlicher für Campbell als für die Organisation gewesen, glaubt Harald Ullmmann von Peta Deutschland.

Zum 25-jährigen Jubiläum haben sich fünf Models in Deutschland ausgezogen. Immer wieder wurde Peta Sexismus vorgeworfen. Junge, attraktive Frauen nackt auf Plakate bringen, ist das 2019 wirklich zeitgemäß? «Solange Sex sells werden wir das auch machen. Wir machen nicht die Regeln, was bei der Presse ankommt oder was bei der Bevölkerung ankommt, sondern wir nutzen sie nur», sagt Ullmann. 32 Pelzfarmen habe es im Gründungsjahr 1994 in Deutschland gegeben, «mittlerweile gibt es gar keine mehr». Auch, dass die großen Lebensmittelkonzerne vegane Produkte führten, wertet er als Erfolg. «Es wäre anmaßend zu sagen, dass wir allein das getragen haben. Aber ich glaube, wir haben sicherlich einen Großteil dazu beigetragen.»

Rund 100 Mitarbeiter arbeiten in Stuttgart und einem zweiten Büro in Berlin. Die studierte Biologin Yvonne Würz ist für den Bereich Tiere in der Unterhaltung zuständig. «Whistblower spielen uns Material zu. Oder ich bekomme Fotos von Zirkusbesuchern.» Selbst fertigt Peta keine heimlichen Aufnahmen an, wie der Verein betont. Die mitunter grausamen Filmaufnahmen müssen die Fachreferenten sichten. Aber auch der Öffentlichkeit wird viel zugemutet, sagt Teamleiterin Anja Hägele: «Wir gehen an die Grenzen.»

Peta kämpft gegen Speziesismus - also die Ansicht, der Mensch sei den anderen Lebewesen überlegen. Mit der Gleichsetzung von Tier und Mensch hat Peta für eine der größten Kontroversen gesorgt. «Der Holocaust auf Ihrem Teller» war das Motto einer geplanten Plakat-Aktion 2004, die Bilder von Schlachttieren neben Fotos noch lebender oder toter KZ-Insassen stellte. Dagegen klagten mit Erfolg Mitglieder des Zentralrates der Juden - es waren KZ-Überlebende, die die Kampagne als Verletzung ihrer Menschenwürde betrachteten.

Harald Ullmann bereut die Kampagne 15 Jahre später nicht. Sie habe «auch viel Aufmerksamkeit auf das Problem der Massentierhaltung geworfen.» Medienwissenschaftler Pörksen sieht das anders: Es sei weniger «über die Inhalte und Ziele der Organisation, sondern über die Moral der Kampagnenmacher diskutiert» worden.

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