Märchen haben die Autorin Zora Gienger schon immer fasziniert, und sie liebt es, deren ganz besonderes Flair mit allen Sinnen erlebbar zu machen. Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Zora Gienger ist eine ungewöhnlich produktive Autorin. Neben zahlreichen Ratgebern zu Themen aus den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Meditation hat sie auch Lyrik und Romane geschrieben. Ihre große Leidenschaft sind jedoch Märchen, die sie in einem Buch versammelt hat.

EsslingenMärchen begleiten Zora Gienger seit Kindertagen, und sie hat deren herzerwärmende und oft auch heilsame Wirkung immer wieder selbst erfahren: „Meine Oma hat mir gerne Märchen erzählt. Das war für uns fast schon ein Ritual. Ich konnte nie genug von diesen Geschichten kriegen – solange sie nicht zu bösartig waren. Bis heute muss ein Märchen für mich immer ein gutes Ende haben.“ Die Autorin aus dem Ostfilderner Stadtteil Ruit kennt sie alle, die Märchen großer Autoren wie Andersen, Bechstein oder der Gebrüder Grimm. „Und manchmal hat sich meine Oma auch Geschichten für mich ausgedacht. Die mit den Prinzessinnen waren mir immer die liebsten.“ Nun hat sie „Das Zora Gienger Märchenbuch“ (Verlag ausZeit) geschrieben, mit dem sie ihre Leserinnen und Leser einladen möchte, einzutauchen in eine Welt voller Weisheit, Selbsterkenntnis und Liebe. Die schönsten Geschichten aus ihrem Buch liest sie am Mittwoch, 4. Dezember, ab 16 Uhr im Café über der Brück’ in der Pliensauvorstadt (Weilstraße 8).

Zahlreiche Bücher hat Zora Gienger in ihrer Autorinnen-Karriere schon geschrieben, darunter viele Ratgeber zu Themen wie Kinderwunsch und Schwangerschaft, Erziehung, Yoga, Wohlfühl-Massagen und -Rituale, Ernährung und Meditation. Aus ihrer Feder stammen aber auch Lyrik und Romane – und die passionierte Tänzerin hat schon vor mehr als 20 Jahren begonnen, Märchen und Geistergeschichten zu schreiben. Nach einem schweren Unfall war sie eine Zeit lang an den Rollstuhl gefesselt – an Tanzen war nicht mehr zu denken. „Da waren es ganz besonders die Märchen, die mir Trost und Stärke gegeben haben, diese schweren Zeiten zu überstehen. Und die die Hoffnung in mir lebendig erhalten haben, dass ich wieder gehen kann.“ Deshalb schreibt sie ihre eigenen Märchen auch immer in der Absicht, anderen Menschen mit ihren Geschichten gutzutun, sie zu ermuntern und zu berühren und ihnen neue Lebensperspektiven zu eröffnen. Denn sie ist überzeugt: „Märchen berühren die Seele und verwöhnen beim Lesen mit allen Sinnen. Sie entführen in zauberhafte Welten voller Inspiration und stellen Oasen der Ruhe und Entspannung dar. Ihre Botschaften schenken Wohlbefinden und Besinnlichkeit und öffnen das Herz für neue Wunder des Lebens.“

Zora Giengers Märchen beschäftigen sich mit den großen Lebensthemen der Menschen. Und auch wenn die Geschichten voller Fantasie und ganz im Geiste früherer Märchenerzähler geschrieben sind, so liest man zwischen den Zeilen doch viele gute Gedanken zu zeitlosen Themen wie Beruf und Berufung, Liebe, Beziehung und Partnerschaft, aber auch Heilung und Veränderung. Und manchmal werden auch vertraute Regeln des Genres gegen den Strich gebürstet: „Oft sind in klassischen Märchen die jüngsten Prinzen zugleich die mutigsten, findigsten und klügsten. Das fand ich schon als Kind ungerecht. Solche Klischees möchte ich gerne kritisch hinterfragen.“ Vor allem aber wünscht sich Zora Gienger, dass ihre Leserinnen und Leser aus den Märchen nicht nur Freude schöpfen, sondern auch Zuversicht und Ermutigung: „Eine gute Geschichte gibt mehr Hoffnung als alle Fakten und wissenschaftlichen Statistiken zusammen. Menschen lieben Stories, die ihnen die Tür zu einem besseren Selbstverständnis öffnen. Humor und Poesie helfen bekanntlich beim Heilwerden und während Phasen der Wandlung und Neuordnung und in Krisen.“

Deshalb denkt sie bei ihrer Lesung an diesem Mittwoch im Café über der Brück’ nicht zuletzt an Seniorinnen und Senioren – auch für Lesungen zum Beispiel in Pflegeheimen ist sie offen: „Wenn ich Menschen dort ein bisschen Freude bringen kann, will ich das gerne tun. Was gibt es Schöneres, als anderen Freude zu schenken?“ Und weil sie es als passionierte Tänzerin liebt, ihre Geschichten nicht nur vorzutragen, sondern auch erlebbar zu machen, kommt sie auf Wunsch gerne als Märchenfee zu den Lesungen. „Märchen kann man mit allen Sinnen erleben“, sagt Zora Gienger. „Und ich freue mich immer wieder, wenn ich erleben darf, wie sich Menschen jeden Alters auf dieses ganz besondere Erlebnis einlassen. Um Märchen zu mögen, ist man schließlich nie zu alt.“

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