Verunsicherte und verärgerte Eltern, Lehrer und Schüler, viele Fachleute und am Mikro ein Baubürgermeister, der spätestens an diesem Abend erkennen muss, dass die Sanierung der Zollberg-Realschule beachtliche Dimensionen annehmen wird. Quelle: Unbekannt

Der Info-Abend der Stadt in der PCB-belasteten Zollberg-Realschule hat gezeigt: Mit kleineren Maßnahmen in kleinen Schritten ist nichts zu machen.

EsslingenSeit Donnerstagabend steht fest, dass der Schadstoffbelastung in der Zollberg-Realschule (ZRS) nicht mit kleineren Maßnahmen beizukommen ist. Die neuesten Werte, die das Gutachterbüro CDM Smith aus den laufenden Mustersanierungen zweier Klassenzimmer zu der städtischen Informationsveranstaltung für Lehrer, Eltern- und Schülervertreter mitgebracht hat, geben keinen Anlass zu Hoffnung, dass man mit wenig Aufwand die hohe Belastung an PCB und dem dioxinähnlichen PCB 118 in den Griff bekommt.

Im Klassenzimmer 109, in dem eine Fachfirma die Schadstoffquellen nach und nach entfernt, hat sich zumindest schon einmal herausgestellt, dass mit dem Einbau eines Lüfters mit Vierfach-Umwälzung und dem Ausbau der Deckenplatten die Werte zwar zurückgegangen sind. „Aber wir haben keinen großartigen Sanierungserfolg erzielt“, so die nüchterne Bilanz von Jörg Kröchert vom Gutachterbüro. Er verwies auf die zahlreichen primären und sekundären Schadstoffquellen in dem Schulhaus aus dem Jahr 1972. Hohe PCB-Lasten finden sich in den Dehnfugen und Deckenplatten, aber auch in Wandfarben, Bodenbelägen, Pinnwänden oder Schulmöbel, die das ausdünstende Umweltgift im Laufe der Jahre aufgenommen haben. Dazu kommen Mineralwolle, die in den Trennwänden verbaut ist, und Asbest, der in der Putz- und Spachtelmasse der Betonstützen verarbeitet ist. Beide Materialien sind im verbauten Zustand unproblematisch, aber schwierig, wenn man Hand daran anlegen muss.

Damit erfährt auch die umstrittene Frage nach einer weiteren Nutzung des Schulhauses voraussichtlich eine andere Bewertung. Denn auch das machte Kröchert in einem Nebensatz klar: Ein Unterricht kann schon allein aus organisatorischen und lärmtechnischen Gründen bei einer Kernsanierung des Schulhauses nicht stattfinden. Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht, der sich auch an diesem Abend ausdrücklich dafür entschuldigt hat, erste PCB-Hinweise eines Elternteils nicht weiterverfolgt zu haben: „Seit heute Abend ist klar, dass kleinere Sanierungsmaßnahmen hier nicht machbar sind.“

Das Szenario, dass das Gebäude dann vielleicht sogar abgerissen und neu gebaut werden könnte, wurde auf dem Podium zwar nicht thematisiert. Dass die Frage aber im Raum steht, war allen Gemeinderäten klar, die in den Zuhörerreihen saßen. Wallbrecht verwies nach wie vor auf die laufenden Mustersanierungen, die nach ihrem Abschluss Mitte Mai endgültige Aussagen über die Sanierungstiefe bringen sollen. Aber auch ihm war spätestens nach diesem Abend klar, dass Eltern, Lehrer und Schüler ganz schnell eine Antwort brauchen, wie es weitergeht.

Denn die waren sehr aufgebracht – vor allem über das, was sie an diesem Informationsabend nicht hörten. Gut angekommen sind die klaren und offenen Erläuterungen des Gutachterbüros über die Schadstoffbelastung an der Schule und über die Sicherheitsmaßnahmen während der laufenden Arbeiten. Keine gute Figur haben indessen die Vertreter der Gesundheitsbehörden abgegeben. Auf die Frage, warum Albrecht Wiedenmann vom Kreisgesundheitsamt zwar dringenden Handlungsbedarf in Sachen Sanierung sieht, im April aber im Gegensatz zum arbeitsmedizinischen Dienst B.A.D. keine sofortige Einstellung des Schulbetriebs für notwendig erachtet hatte, haben sie auch an diesem Abend keine zufriedenstellende Antwort bekommen.

Karlin Stark, die Leiterin des Landesgesundheitsamts, das Wiedenmanns Gutachten unterstützt hatte, betonte, man habe nach bestem Wissen und Gewissen abgewogen: „Wir machen kein Gefälligkeitsgutachten, was uns von mancher Seite unterstellt wurde.“

„Eine laufende Sanierung ist mit uns nicht zu machen“, stellte indessen die Elternbeiratsvorsitzende Sabine Hildinger klar. „Wir wollen eine Lösung hier am Standort. Es würde uns nur beruhigen, wenn jetzt sofort noch mehr Container für den Schulhof bestellt werden würden.“ Auch ein Lehrer machte deutlich: „Wir gehen jeden Tag mit Angst und Frust in die Schule. Keiner weiß, wie es weitergeht. Vor den Ferien sind wir jeden Tag bei zehn Grad in den Unterricht gegangen, dazuhin ist die Lüftung laut. Wir fühlen uns ein bisschen alleine gelassen.“ Schulleiterin Brigitte Krömer-Schmeisser. „Wir wollen ernst genommen werden. Und wir müssen wissen: Wie geht es weiter?“ Und vom Landesgesundheitsamt wäre es ein schöner Zug, wenn es die Kosten für die Blutuntersuchungen der Lehrer übernähme.

Der städtische Schulamtsleiter Bernd Berroth versicherte, dass die Stadt die Ängste der Betroffenen sehr ernst nehme. Der Vortrag von Kröchert habe den sehr dringenden Handlungsbedarf gezeigt. Es gehe um einen erheblichen Sanierungsaufwand „und auch um andere Überlegungen“. Deshalb wolle man schnell mit Interimslösungen vorankommen.

Die können aus Sicht der Schulgemeinschaft aber nicht in einem zweiten Standbein der ZRS in der Adalbert-Stifter-Schule liegen, machte Rektorin Krömer-Schmeisser noch einmal deutlich: „Wir brauchen schnell eine Containerlösung über die vier bestellten Elemente hinaus.“

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